Flores: Tauchparadies mit Mantarochen

Flores: Tauchparadies mit Mantarochen

Punkt 7 Uhr werde ich mit einem kleinen Boot direkt vom Strand abgeholt, während Titus und Norman noch schlummern. Es ist Ebbe, und der Bootsführer muss vorsichtig zwischen den Korallenriffs manövrieren, bis wir den Hafen von Labuan Bajo erreichen. Hier herrscht zu dieser frühen Stunde Hochbetrieb, zig Tauch- und Ausflugsboote machen sich bereit zum Auslaufen. Ich steige direkt um auf eines der hölzernen, zweistöckigen Schiffe und mache es mir erst einmal auf einem der Sitzsäcke bequem, schlürfe einen heißen Kaffee mit viel Zucker für den Kreislauf und gucke interessiert den Vorbereitungen der Crew zu. Zu mir gesellt sich ein australisches Pärchen, damit sind wir schon komplett für den Tagesausflug, wir haben also das ganze Boot zu dritt für uns.

In gut 90 Minuten Fahrt geht es westwärts, es ist dank Fahrtwind angenehm auf Deck und das Meer ist ganz ruhig. Wir erreichen den ersten Halt für heute: Siaba Besar. Innerhalb weniger Minuten starte ich mit meinem Tauchguide Antonio den Tauchgang im knapp 30 Grad warmen Wasser. Im großen Korallenriff treffen wir auf mehr als zehn Meeresschildkröten, die sich im Sonnenlicht ausruhen oder auf- und abtauchen, um an der Wasseroberfläche Luft zu schnappen. Einige davon sind weit über einen Meter groß! Die üblichen tropischen Korallenfische tummeln sich in Heerscharen zwischen zwanzig und fünf Metern Tiefe, und der Tauchgang ist nach einer knappen Stunde viel zu kurz, um alles ausgiebig zu bestaunen.

Während der Weiterfahrt lasse ich mich in der brennenden Sonne auf dem Oberdeck trocknen, die einstündige Pause ist flugs vorbei und wir treffen am zweiten Tauchspot ein: Batu Bolong. Das Riff hier gehört zu den spektakulärsten Tauchplätzen der Welt, und um den Menschenmassen Einhalt zu gebieten, dürfen sich seit Anfang 2019 pro Tag nur drei Tauchboote rund um das Riff aufhalten. Wir haben das gesamte Riff also fast für uns allein – und es wirklich beeindruckend!

Bis auf 60 Meter Tiefe erstreckt sich eine regelrechte Korallenwand vor meinen Augen. Wir tauchen im Zickzack von 25 Metern angefangen aufwärts hin und her, und auf jedem Meter entdecke ich Hunderte und Aberhunderte von Lebenwesen: Schnecken, knallbunte Tropenfische, Weich- und Hartkorallen jeglicher Sorte, Farne, Muscheln… Außen herum ziehen Riffhaie, Barracudas, meterlange Kugelfische und Lippfische ihre Kreise und suchen nach Beute. Ich fühle mich an das zylinderförmige Korallenriff im SEA Life Aquarium in Singapur erinnert – nur eben in echt und unendlich viel größer. Die hier oft so starke Strömung ist zum Glück nicht allzu heftig, und auch diese Stunde unter Wasser vergeht wie im Flug.

An Deck haben alle Taucher ein breites Grinsen auf dem Gesicht, und wir nutzen die einstündige Mittagspause, in der wir abgepackte Lunchpakete bekommen, um uns über das Erlebte auszutauschen.

Nur eine kurze Weiterfahrt ist der letzte Tauchspot entfernt: Mawan, bekannt für die sich hier häufig tummelnden Mantarochen. Das Wasser ist hier deutlich kühler, ich fröstle bald bei 26 Grad in der kalten Strömung, doch gerade die Mantas lieben kühles Wasser, ist dieses doch planktonreich. Und tatsächlich, schon nach einer Viertelstunde schweben zwei majestätische Tiere nur wenige Meter entfernt vor mir vorbei, die Münder weit geöffnet, und beide mit einer Flossenspannweite von gut vier Metern.

Zwei Riffhaie lassen sich davon nicht stören, sondern liegen ungerührt auf dem sandigen Meeresboden und halten ein Nickerchen. Auf einmal deutet mein Tauchguide aufgeregt auf mich. Als ich mich umdrehe, schwimmt ein Riffmanta mit offenem Maul direkt auf mich zu und nur wenige Zentimeter über mir hinweg. Ich quietsche vor Aufregung in meinen Atemregler und wage es nicht, mich zu bewegen. Gleichzeitig deute ich auf Antonio, der meine Geste erst überhaupt nicht versteht. Als er sich dann endlich umdreht, sind gleich zwei Mantarochen auf Futtersuche direkt hinter ihm und drehen elegant in letzter Minute mit einem kleinen Flossenschlag links bzw. rechts von ihm ab. Mein Tauchlehrer macht begeisterte Handzeichen, offenbar ist es nicht alltäglich, die riesigen Fische so nah zu sehen. Nun bereue ich es doch, gerade heute die Unterwasserkamera nicht bei mir zu haben! Ich bin jedenfalls selig und halte es trotz kaltem Wasser fast fünfzig Minuten dort aus.

Beim Einstieg ins Boot ist die aufkommende Flut und damit verbundene zunehmende Strömung deutlich zu spüren, und bei der Rückfahrt nach Flores sind die Wellen so hoch, dass das Deck hin und wieder überspült wird und ich mich lieber in die Kajüte verziehe. Gegen 16 Uhr erreichen wir den Hafen von Labuan Bajo, dort wartet schon mein hoteleigener Bootsführer, der mich zurück zur Unterkunft bringt. Nach einer – leider kalten – Dusche treffen auch Norman und Titus ein, die den Tag im benachbarten Fünf-Sterne-Hotel am Pool verbracht haben. Heute ist wohl jeder absolut auf seine Kosten gekommen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »