Flores: Der perfekte Jahresabschluss mit Drachen und Rochen

Flores: Der perfekte Jahresabschluss mit Drachen und Rochen

Der letzte Tag des Jahres beginnt für uns alle früh: bereits um 7 Uhr sitzen wir mit Blick über das Meer und die vielen Inselchen beim spartanischen Frühstück.

Eine halbe Stunde später werden wir per Außenborder abgeholt und zum Tauchboot gebracht – aber diesmal eben zu dritt!

Titus wird sogleich herzlich begrüßt und verzieht sich mit Lektüre über Meeresgetier auf das Oberdeck, das mit gemütlichen Sitzsäcken ausgestattet ist. Dort lässt es sich dank Fahrtwind und Sonnenschutz bestens aushalten, und die gut eineinhalb Stunden Fahrt mit Blick auf Meer und die grün bewachsenen Hügelketten der vielen kleinen Inseln könnten entspannter nicht sein.

Während die drei anderen an Bord befindlichen Taucher mit zwei Tauchlehrern einen ersten Tauchgang absolvieren, lassen wir uns auf der Insel Rinca absetzen. Dort besuchen wir unter der Führung eines Parkrangers die dort lebenden Komodowarane.

Es ist bereits am frühen Vormittag brütend heiß, und wir sind froh um jeden Schattenplatz. Genau wie die Riesenechsen. Direkt am Büro der Parkverwaltung liegen fünf fette Exemplare an der Hauswand und ruhen sich aus. Unser Guide fordert uns natürlich sogleich auf, das obligatorische Gruppenfoto zu machen, während dem Waran der bakterienverseuchte Speichel vom Maul tropft.

Auf der Rückseite des gleichen Gebäudes liegen fünf weitere Warane im Schatten, angelockt durch die Essensdüfte aus der Küche der Parkranger.

Ein paar Meter entfernt kriecht eine Echse auf der Suche nach Wasser Richtung Wald, kritisch beäugt von einem Affen, der darüber im Baum sitzt.

Wir lernen, dass die Warane keine Kostverächter sind und Affen, Wildschweine, Rehe und Vögel mitsamt Fell, Federn und Knochen verspeisen. Die Bewohner des naheliegenden Dorfes sind offenbar auch hin und wieder Opfer eines Waran-Angriffs! Wir halten also lieber Abstand. Beim Rundgang über einen Teil Rincas zeigt uns der Führer die riesigen Nester, die die Komodoweibchen anlegen, um ihre Eier dort abzulegen. Nach dem Schlüpfen verbringen die lieben Kleinen drei bis vier Jahre auf einem Baum, wo sie vor Fressfeinden geschützt sind. Sind sie ausgewachsen, gibt es keine natürlichen Feinde für die meterlangen Echsen mehr.

Nach knapp einer Stunde ist unser Rundgang beendet und wir steigen zurück auf das Tauchboot, das uns am Steg wieder einsammelt. Insgesamt sind wir ziemlich zufrieden mit der Entscheidung, nach Komodo auch noch Rinca einen Besuch abgestattet zu haben, haben wir hier doch gleich viermal so viele Warane gesehen und waren zudem noch fast alleine unterwegs!

Die Weiterfahrt per Boot kühlt uns wieder ein wenig ab, und nach knapp einer Stunde darf ich zu einem Tauchgang starten.

An einem großen Korallenriff lasse ich mich von der Strömung treiben und schwimme mit Tauchlerer Antonio knapp eine Stunde im Zickzack auf und ab. Besonders die schier unendliche Vielfalt an Weich- und Hartkorallen, die in den absonderlichsten Farben leuchten, ist beeindruckend!

Währenddessen machen Titus und Norman gemeinsam mit Tauchlehrer Max, aus Ravensburg stammend, die Wasseroberfläche bei einem ausgiebigen Schnorchelausflug unsicher. Als ich auftauche, werde ich von Titus begeistert an Bord erwartet, der mir anhand eines Fisch-Lexikons sogleich ausführt, was er dabei alles entdeckt hat.

Der Koch serviert derweil das frischgekochte Mittagessen, es gibt Reis, gebratene Nudeln, Tofu, Tempeh, Gemüse, scharfes Sambal und für Titus natürlich Fertig-Nudelsuppe. Anschließend ist Mittagspause angesagt, und vom Schaukeln der Wellen werde ich so schläfrig, dass ich gerne auf dem Sonnendeck ein bisschen dösen würde, doch leider kann Titus nicht aufhören, mir von seinen Schnorchelerlebnissen zu berichten.

Schon drosselt der Kapitän den Motor und die Tauchlehrer rufen zum sogenannten „Briefing“. Dabei wird erklärt, wie der nächste Tauchplatz beschaffen ist, was uns unter Wasser erwartet und wie der Tauchgang idealerweise ablaufen sollte. Titus und Norman gehen derweil noch eine Runde schnorcheln. Wie schon bei meinem ersten Tauchausflug sind wir wieder in Mawan, um Ausschau nach Mantarochen zu halten.

Zuerst bin ich ein wenig enttäuscht, hätte ich doch gerne „was Neues“ gesehen. Als ich mich aber kurz darauf unter Wasser in wirklich starker Strömung an einem Felsen festklammere, während keine fünf Meter neben mir ein Riesenmanta schier regungslos schwebt und sich von der Strömung sein Futter ins weit geöffnete Maul treiben lässt, bin ich mehr als versöhnt. Viele Minuten lang dauert das Naturschauspiel, bevor der Rochen abdreht.

Ich lasse den Felsen los und drehe mich „in Fahrtrichtung“ um, nur um direkt auf einen weitere Rochen zuzusteuern. Die Strömung ist so stark, dass mir nicht viel mehr übrig bleibt als zu hoffen, dass das Tier ausweicht – was es zum Glück auch tut, und zwar sehr viel eleganter als ich. Die Rochen stehen natürlich unter Naturschutz hier und Taucher müssen sich an einige Regeln halten – so zum Beispiel die, sich ihnen nicht näher als fünf Meter zu nähern.

Kurze Zeit später begleitet uns eine große Meeresschildkröte, die ganz gemächlich eine ganze Weile neben uns herschwimmt, bevor sie zum Luftschnappen Richtung Wasseroberfläche abdreht. Ein Schwarzspitzen-Riffhai dreht seine Runden, ein Oktopus versteckt sich in letzter Minute, und wir haben heute extra Glück: ein Manta steigt direkt vor uns senkrecht nach oben, „springt“ aus dem Wasser“ und rast wieder fast senkrecht abwärts – ein echtes Unterwasserspektakel!

Breites Grinsen bei allen, als wir nach einer Stunde den Tauchgang beenden und an die Wasseroberfläche schwimmen. Vom Bootsdeck aus winkt Titus bereits und nimmt mich in Empfang, um mir sogleich begeistert zu erzählen, wie viele Rochen er beim Schnorcheln gesehen habe.

Und dass er mich sogar unter Wasser entdeckt habe, gut zu erkennen an meinen knallpinken Flossen!

Das Kind ist vollends begeistert von diesem Bootsausflug, und chillt die gesamte Rückfahrt gemütlich, Kinder-Podcasts lauschend, auf dem Sonnendeck. Ich bin fast noch begeisterter davon, wie reibungslos dieser „Tauch-Tag“ für uns alle funktioniert hat. Das machen wir bestimmt wieder so!

Natürlich wird auch hier Silvester ordentlich gefeiert, und nach kurzem Frischmachen im Hotel lassen wir uns ans andere Ortsende von Labuan Bajo bringen. Titus freut sich bereits seit Tagen auf die große Party im dortigen Atlantis Beach Club. Zuerst essen wir zu Abend, danach muss ich dem aufgeregten Kind mitteilen, dass es bis Mitternacht noch mehr als vier Stunden dauert. Daraufhin legt sich Titus kommentarlos auf die nächste Bank und ist kurz darauf eingeschlafen – trotz der fast ohrenbetäubenden Darbietung einer Band, die just in diesem Moment auf der großen Bühne loslegt. Ungerührt davon schläft das Kind stundenlang, während Norman und ich das bunte Treiben beobachten.

Erst kurz vor Mitternacht kriegen wir Titus wieder wach, gerade rechtzeitig für das erstaunlich große Feuerwerk, das sich über der gesamten Bucht vor Labuan Bajo abspielt.

Per Taxi geht es anschließend nach Hause, uns allen steckt das frühe Aufstehen und der lange Tag an der frischen Luft in den Knochen. Auf den Straßen von Labuan Bajo ist aber noch so viel Verkehr, dass es zu regelrechten Staus kommt und unser Fahrer ein paar Extra-Umwege in Kauf nehmen muss. Erst gegen 1 Uhr setzt er uns an unserem Strandabschnitt ab, von dort aus müssen wir im Schein der vorausschauenderweise eingepackten Stirnlampe noch gut 500 Meter am Strand entlang laufen bis zu unserer Unterkunft. Dort fallen wir praktisch gleichzeitig ins Bett, und ich bin wahrscheinlich sogar noch vor dem Rest der Familie bereits eingeschlafen. Ein wirklich guter Abschluss unseres Flores-Urlaubs, bevor wir uns am nächsten Mittag auf den Rückweg nach Singapur machen!

Nun sind wir gespannt, ob die indonesische Regierung ihre Idee, ab 2020 tatsächlich umgerechnet rund 1.000 Euro Eintritt pro Person für das gesamte Gebiet des Komodo Nationalparks zu verlangen, durchsetzt. Das wäre sicherlich das Ende für die meisten der vielen kleinen Tauchläden, der Zwei- und Drei-Sterne-Hotels, der kleine Lokale und für die Rollerfahrer, die sich ein paar Rupien dazuverdienen, indem sie Fahrgäste mitnehmen. „Tourists who come must be rich“, sagte der für die Insel zuständige indonesische Gouverneur kürzlich in der Zeitung. Flores soll ein VVIP-Urlaubsort werden, den sich nur sehr zahlungskräftige Urlauber leisten können und sollen.

Schade, denn aktuell ist Labuan Bajo immer noch ein recht verschlafenes kleines Küstenstädtchen, in dem es weder eine ausreichende Strom- und Wasserversorgung und Müllabfuhr gibt, ganz zu schweigen von gut befahrbaren Straßen. Ob sich das für Luxus-Tourismus eignet?

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