Die letzten Unternehmungen und Aufgaben vor dem Umzug

Die letzten Unternehmungen und Aufgaben vor dem Umzug

Ich sitze im Flur auf dem Boden, während ich diesen Beitrag verfasse. Denn Stühle oder sonstige Sitzgelegenheiten gibt es in unserer Wohnung nicht mehr. Seit heute morgen sind die Möbelpacker zugange und verpacken Stück für Stück unser Zuhause in bergeweise Kartons, Luftpolsterfolie und Klebeband. Nun ist es tatsächlich soweit, der Auszug hat begonnen. Seit zweieineinhalb Jahren wussten wir, dass dieser Tag kommen würde. Und nun ist es auch gut so, dass es jetzt losgeht.

In den vergangenen Tagen waren wir noch ganz schön fleißig, denn bevor man so einen Haushalt komplett auflöst und sich aus einem Land abmeldet, gibt es natürlich eine Menge zu erledigen. Für alle, denen ein Umzug bevorsteht, hier deshalb eine – längst nicht vollständige – Aufgabenliste:

  • Bankkonto kündigen:
    Wir haben getrennte Bankkonten bei der DBS in Singapur. Meines löse ich ganz bequem per App auf – allerdings erst, nachdem ich im Vorfeld knapp eine Woche lang meine ec-/Kreditkarte konsequent nicht mehr benutzt habe. Denn solange mögliche Zahlungen bevorstehen, kann das Konto nicht gekündigt werden. Diese Zeitspanne also unbedingt einplanen!
    Norman dagegen behält sein Singapurer Bankkonto vorerst. Zum einen erwarten wir Rückzahlungen der Kaution von Kindergarten und Wohnung, zum anderen wird noch die Steuer für 2020 fällig. Die Singapurer Steuerbehörde macht es sich da ganz besonders einfach: Ein letztes Monatgehalt wird vor der Abreise komplett einbehalten und erst nach erfolgter Steuererklärung anteilig ausbezahlt.
  • Handyvertrag, Festnetz, Internet kündigen:
    Bei SingTel muss man persönlich im Kundencenter (Nähe Somerset) vorsprechen. Wobei „vorsprechen“ falsch ist, vor Ort darf man in einer Art Live-Chat mit einer animierten Figur auf einem Bildschirm sprechen. Die ist aber kompetent und kann mit einer Woche Vorlaufzeit die Verträge auslaufen lassen.
  • Abos kündigen:
    Egal, ob Netflix, LiveUp, PassionCard oder AmazonPrime – alles lässt sich bequem über die jeweilige App kündigen, und zwar meist ohne Mindestlaufzeit.
  • Kundenkonten löschen:
    Wer nicht auf alle Ewigkeiten in irgendwelchen Datenbanken Singapurer Unternehmen gespeichert sein möchte, sollte sein Kundenkonto mitsamt dazugehörigen Daten löschen lassen. Das geht im Gegensatz zu Deutschland aber gar nicht so leicht und beinhaltet immer (!) einen Live-Chat oder ein Telefonat mit dem Kundenservice.
  • Aufenthaltsgenehmigungen abgeben:
    Vor der Abreise muss unbedingt der Employment bzw. Dependent Pass zurück ans Ministry of Manpower überführt werden. Darum kümmert sich normalerweise die Personalabteilung der Firma, die sich auch um die Beantragung der Aufenthaltsgenehmigungen gekümmert hat.
  • Krankenversicherung kündigen:
    Läuft – zumindest bei uns – ebenfalls über die Personalabteilung, da diese das Versicherungspaket abgeschlossen hat.
  • Gas- Wasser-, Stromversorgung kündigen:
    Geht problemlos und kurzfristig über die Webseite des Anbieters.
  • Nachsendeauftrag einrichten:
    Die SingPost bietet einen Nachsendeservice (Mail Redirection Service) an, den man für eine beliebige Anzahl von Monaten buchen kann. Da die Nachsendung ins Ausland sehr teuer ist, dürfen wir die Adresse lieber Freunde angeben, die ab sofort unsere Post erhalten und verwalten dürfen.
  • Wohnung auf Vordermann bringen:
    In Singapurer Mietverträgen gibt es die Klausel, dass der Mieter lückenlos die Wartung der Klimaanlagen alle paar Monate nachweisen muss. Also unbedingt vor Auszug noch einmal den AirCon-Service kommen lassen.
    Ebenso wichtig: Vorhänge reinigen lassen. Das kann je nach Anbieter ganz schön ins Geld gehen, denn vor allem die Verdunklungsvorhänge werden per Kilogramm abgerechnet. Bei uns waren es 28 Kilo Nacht-Vorhänge und dazu noch zwölf weiße Gardinen, dafür muss man 300-400 Singapur-Dollar einplanen.
  • Maler beauftragen:
    Wer sich wie wir darüber hinweggesetzt hat und munter Löcher in Wände gebohrt bzw. Unmengen Bilder mit Klebestreifen befestigt hat, kommt nicht umhin, die Wohnung vor der Übergabe zu streichen. Da wir über keine Malerausrüstung verfügen und bei einer Deckenhöhe von 3,50 Meter noch nicht einmal eine ausreichend hohe Leiter haben, beauftragen wir eine Malerfirma, die das Ganze unkompliziert an einem dreiviertel Tag erledigt.
  • Aussortieren:
    Darüber habe ich hier bereits ausführlich geschrieben.
    Fun Fact: Am Ende bleiben immer noch angebrochene Lebensmittel in Gefrierfach, Kühlschrank und Vorratsschrank übrig – über die sich dann eben die hier gebliebenen Freunde freuen dürfen.
  • Packen:
    Das eigene Gepäck, das entweder mit auf Reise geht oder das man selbst im Flugzeug mitnimmt, muss unbedingt gepackt werden, bevor die Spedition anrückt. Es empfiehlt sich, alles, was nicht unmittelbar in die Umzugskiste kommen soll, in einem Zimmer aufzubewahren und mit den Möbelpackern abzusprechen, dass dort erst ganz am Ende gepackt werden darf.
    Pro-Tipp 1: ein paar Teller, Besteck, Gläser ebenfalls bis zum finalen Pack-Ende in Sicherheit bringen, sonst muss man mit den Fingern und vom Boden essen bzw. aus dem Wasserhahn trinken.
    Pro-Tipp 2: Von vornherein Putzsachen festlegen, die gar nicht erst mit in den Container kommen, Diese ebenfalls beiseite räumen, sonst muss man am Ende für die finale Grundreinigung der Wohnung extra noch einmal einkaufen gehen. Oder lässt zähneknirschend das teure Bodenputzsystem im Müllraum stehen, da der Container längst weg ist… (bereits getestet).
  • Und am Ende geht es für ein paar letzte Nächte ins Hotel, während die o.g. Maler beschäftigt sind, wir noch die Wohnung grundreinigen und die Übergabe der Wohnung an die legendär pingeligen Makler schaukeln dürfen.

Im Gegensatz zu unserem Umzug nach Singapur im Juli 2017 lastete diesmal aber nicht alles allein auf meinen Schultern – denn Norman nahm sich ganz vorbildlich ab Mitte vergangener Woche frei, und so konnten wir uns die vielen Aufgaben teilen, so dass am Ende sogar mehr als genügend Zeit blieb, um die verbliebenen Tage in unserer zweiten Heimat in vollen Zügen zu genießen und noch einmal viele Lieblingsorte zu besuchen und Lieblingsdinge zu unternehmen. Dazu gehören:

  • ein Strandausflug nach Sentosa am Freitag Nachmittag:
  • ein Ausgehabend mit meiner Damenrunde, in die spektakuläre Bar Stories in der schönen Haji Lane
  • ein letztes Mal Yoga morgens im Botanischen Garten
  • ein Stück Lieblingsgebäck vom Lieblingsbäcker
  • die Vorzüge eines leeren Wohnzimmers genießen
  • ein Familienfoto vor dem Merlion aufnehmen
  • einen Drink auf der höchsten Dachterrasse Singapurs genießen

Und das wars schon fast für uns – eine letzte Nacht in „unserer“ Wohnung liegt noch vor uns, und ab dann sind wir für sechs Monate lang wahrhaft Nomaden!

4 Replies to “Die letzten Unternehmungen und Aufgaben vor dem Umzug”

  1. Liebe Nadine,
    das hast du natürlich wie nicht anders zu erwarten ganz vorbildlich gemacht. Bei einer solchen Anleitung kann ja rein gar nichts schiefgehen ? Habe zwischenzeitlich schon einmal eure Route studiert und bin schon gespannt auf die Berichterstattung, zumal wir auf vielen Stationen eurer Reise auf der Seidenstraße schon geschnuppert haben und nun zum Schluß die Frage, welche Tränchen überwiegen ? die des Abschieds oder die des Wiedersehens ??
    Bonne Route, Peter

    1. Vielen Dank wie immer für den freundlichen Kommentar, lieber Peter!
      Der Abschied aus Singapur schmerzt zwar, aber nun ist es auch an der Zeit für neue Abenteuer. Mal sehen, was die kommenden sechs Monate bringen werden! Und natürlich freuen wir uns auf die Rückkehr und ein Wiedersehen!

  2. Liebe Nadine,
    Danke für die ganzen Einblicke in Euer persönliches Tagebuch.
    Jeder neue Post war ein Highlight. Und das bleibt hoffentlich auch so 🙂
    Happy Übergang und ich freu‘ mich auf alles, was Du künftig teilst.
    Wenn nichts sicher ist, ist alles möglich.

    Liebste Grüße
    Nina

    1. Liebe Nina, danke für die schönen Worte! Ich werde ganz wehmütig, muss ich diesen Blog doch nun so langsam zur Ruhe Betten – und dabei habe ich so viele schöne Stunden damit verbracht und dank ihm unheimlich viele tolle Menschen kennengelernt und sogar ein Buch schreiben dürfen!
      Aber nun ist es eben an der Zeit für neue Abenteuer! Danke fürs Mitlesen und Dabeisein!
      Alles Liebe, Nadine

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