Flores: Und es gibt doch Drachen!

Flores: Und es gibt doch Drachen!

Der Wecker klingelt am Montag, den 23.12., bereits um 4:50 Uhr. Schnell ziehen wir uns an, wie immer ist Titus selbst zu dieser frühen Stunde reise-aufgeregt und plappert im Taxi auf dem Weg zum Flughafen ohne Unterlass. Dort ist genug Zeit für einen dringend nötigen Kaffee, bis unsere Maschine überpünktlich um kurz nach 7 Uhr Richtung Jakarta abhebt. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir die indonesische Hauptstadt für einen kurzen Zwischenstopp, bevor es weitergeht nach Flores.

In gut zweieinhalb Stunden geht es ganz in den Osten Indonesiens, wo sich Inselchen an Inselchen reiht.

Der Flughafen im Westteil von Flores ist klein, und von dort sind es nur knappe zehn Minuten mit dem Auto in die Stadt Labuan Bajo. Dort checken wir im nicht ganz so hübschen Plago Hotel ein; immerhin liegt es einigermaßen günstig, so dass wir nach nur gut zehn Minuten Fußmarsch in der Bruthitze ein nettes Café erreichen, wo wir den Nachmittag verbringen. Allzu viel Programm haben wir am ersten Tag nicht mehr vor: ein Abstecher im Supermarkt und bei einem der vielen Tour-Anbieter, außerdem Abendessen, bevor wir müde allesamt um kurz nach 20 Uhr ins Bett fallen.

Der nächste Tag beginnt nämlich schon wieder um 5 Uhr! Nach einem spartanischen Frühstück steht nämlich schon der Abholservice vor dem Hotel, der uns zum Hafen von Labuan Bajo bringt, wo trotz der frühen Stunde bereits Hochbetrieb herrscht, während die Muezzine von den vielen Minaretten zum Frühgebet rufen. Flores ist wie ganz Indonesien außer Bali durchweg muslimisch.

Wir werden auf ein mittelgroßes Holzboot verfrachtet, wo sich bald der Rest der heutigen Reisegruppe zusammenfindet; neben ein paar Singapurern und Australiern sind auch drei weitere Deutsche an Bord. Nach kurzer Einweisung geht es los, die Fahrt zur ersten Etappe dauert bereits drei Stunden, die die meisten – außer Titus und zwangsweise mir – für ein ausgiebiges Nickerchen nutzen.

Wir passieren Inselchen um Inselchen, allesamt verlassen und karg, die zum Komodo Nationalpark gehören. Endlich erreichen wir Padar, eine der größeren Inseln, und dürfen aussteigen. Bereits am Steg schlägt uns Gluthitze entgegen, und dabei ist es erst halb zehn Uhr morgens.

Unser Guide, der konsequent eine Nikolausmütze trägt – schließlich ist heute der 24.12.! – bedeutet uns, wir mögen bitte allen Ernstes auf den Berg steigen, der vor uns aufragt. Weit und breit gibt es keinen einzigen Baum oder Strauch, der Schatten spendet. Bereits auf halbem Weg rinnt allen der Schweiß herunter, und Titus, der sonst ja nun wirklich nicht lauffaul ist, verweigert sich dem Gipfelsturm. Ich melde mich freiwillig dazu, ihn auf dem Rückweg zu begleiten, während Norman die restlichen Stufen in Angriff nimmt, um vom oben Instagram-taugliche Bilder zu knipsen.

Ich „kühle“ derweil meine Füße am Strand; aus unerfindlichen Gründen leben hier Rehe, die sich an den von den Touristen leergetrunkenen Kokosnüssen ernähren.

Wir finden, dass sie aussehen wie Rentiere – und passend dazu trägt Titus auch noch Santa Claus auf dem T-Shirt!

Es geht weiter per Boot, eine weitere Stunde Fahrt entfernt ankern wir vor dem sogenannten Pink Beach, dessen Sand durch Korallenablagerungen eine tatsächlich deutlich rosa Farbe angenommen hat.

Obwohl sich im Wasser Unmengen tropischer Fische tummeln, ist es zum Schnorcheln viel zu kalt und die Strömung deutlich spürbar, und nach ausgiebigen Buddeleien am Strand wärmen wir uns lieben an Bord wieder auf. Auf der Weiterfahrt wird das Mittagessen „serviert“, alle essen Reis mit Gemüse und scharfer Sauce aus Take-Away-Boxen.

Endlich erreichen wir das wichtigste Ziel des heutigen Ausflugs: Komodo Island. Hier und auf ein paar der Nachbarinseln leben die unfassbar großen Komodowarane, die auf Englisch nicht zu Unrecht „Komodo dragons“ heißen.

Mit einem Park-Ranger, der immerhin mit einem zwei Meter langen Stock „bewaffnet“ ist, machen wir uns auf einen Rundgang. Die Sonne brennt, es gibt kaum Schatten, und das Wasser in unserer Trinkflasche hat innerhalb kürzester Zeit Badewannentemperatur.

Zu unserem großen Glück finden sich immer mal wieder ein paar schattige Stellen – die aber nicht nur wir erleichtert für eine Pause nutzen, sondern eben auch die knapp drei Meter langen Echsen.

Als sich zu den zwei bereits Ruhenden eine dritte dazupirscht und sich alle Viecher anzischen, wird der Reisegruppe bedeutet, doch bitte weiterzugehen. Ungefährlich sind diese Echsen nämlich nicht, können sie doch die hier wildlebenden Wildscheine und Rehe problemlos erlegen.

Auf dem restlichen Weg bleiben die Riesenechsen verborgen, aber wir sind dennoch schwer beeindruckt von der schieren Größe dieser Tiere, die ohne jegliche natürlich Feinde leben. Wieder geht es weiter per Boot, mitten auf dem offenen Meer halten wir nach einer guten Stunde Fahrt an – am legendären Manta Point. Der heißt nicht nur so: Hier tummeln sich tatsächlich unten am Meeresboden zahlreiche Manta-Rochen, die wir beim Schnorcheln entdecken. Titus quiekt regelmäßig in seinen Schnorcheln, wenn er wieder einen der schwarzen Riesenfische entdeckt hat.

Leider ist auch hier die Strömung ziemlich stark und nach wenigen Minuten klettern wir deshalb lieber wieder an Bord. Auf dem Rückweg nach Flores schläft Titus tatsächlich kurz vor Ende des Ausflugs ein, nach zwölf Stunden Ausflug. Wir bekommen ihn denn auch wirklich schwer wieder wach, aber da wir alle großen Hunger haben, lockt die Aussicht auf Abendessen.

Zur Feier des Heiligabends kehren wir in ein einigermaßen schickes – und dementsprechend teures – italienisches Restaurant ein, verweilen aber aus Müdigkeit nicht allzu lange. Zurück im Hotelzimmer, erwartet uns dann noch eine Überraschung: Das Christkind hat den Weg auf diese abgelegene Insel gefunden und ein paar Kleinigkeiten deponiert!

In diesem Sinn: Frohe Weihnachten allen Blog-Leser*innen!

2 Replies to “Flores: Und es gibt doch Drachen!”

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