Flores: Labuan Bajo, Cancar und Dintor

Flores: Labuan Bajo, Cancar und Dintor

Zwei Tage hintereinander um 5 Uhr aufzustehen übersteigt eindeutig meine Kapazität. Deshalb zeige ich ich großzügig und lasse Norman am ersten Weihnachtsfeiertag den Vortritt, der um kurz vor 7 Uhr das Hotel verlässt, um einen Tauch-Tagesausflug anzutreten.

Leider sieht Titus nicht ein, dass so ein Tag wie zum Ausschlafen gemacht ist, und ist da bereits hellwach. Während ich noch döse, ruft er eben kurzerhand die Großeltern über FaceTime an, die um Mitternacht deutscher Zeit tatsächlich noch zu sprechen sind. Um 8 Uhr erbarme ich mich und wir stehen auf, nur um am Frühstücksbüffet enttäuscht zu werden, so kärglich bzw. nicht-vegetariertauglich ist es. Titus kann ich mit einer Fertig-Nudelsuppe aus unserem Vorrat besänftigen. Leider ist der Strand vor dem Hotel so verdreckt und einen Pool gibt es nicht, so dass mein Plan, hier den Tag zu verbringen, verworfen wird.

Eine kurze Internet-Recherche später machen wir uns auf den kurzen Fußweg ins Molas Café. Die Sonne knallt dermaßen vom Himmel, dass wir uns sofort in den Pool dort stürzen. Bei viel Eiskaffee, Waffeln, Snacks und Baderunden verbringen wir den ganzen Tag dort.

Zwischendurch bekommen wir Gesellschaft von zwei Teilnehmern unseres Ausflugs gestern, die zufällig vorbeikommen und mit denen wir uns verquatschen. Immer mal wieder regnet es, dann kommt wieder die Sonne zum Vorschein, während aus dem Lautsprecher konsequent Weihnachtsmusik dudelt. Am Ende seines Tauchausflugs gesellt sich noch Norman zu uns, bevor wir zum Abendessen ins „Happy Banana Cafe“ aufbrechen.

Nach einer abenteuerlichen Fahrt zu viert auf einem Moped zurück zum Hotel nach dem Abendessen, von der der Junior überhaupt nicht begeistert ist, geht es wieder früh zu Bett.

In dieser Nacht schlafe ich unglaublich schlecht, zig Mücken piesacken mich und ich liege stundenlang wach, um sie in flagranti zu erwischen und zu erschlagen. Pünktlich um 8 Uhr checken wir aus unserem Hotel aus, unser Guide für die nächsten drei Tage erwartet uns mitsamt einem etwas in die Jahre gekommenen Jeep und Fahrer bereits. Wir legen zuerst einen Stopp im Supermarkt ein, um uns mit ein paar Lebensmitteln einzudecken; dann geht es auf der „Hauptverkehrsstraße“ von Flores, die die gesamte Insel der Länge nach durchzieht, Richtung Osten.

Die Fahrt ist alles andere als ein Vergnügen, denn es geht Kurve um Kurve auf- und abwärts, in steilen Kehren und engen Biegungen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag herrscht viel Verkehr, alle sind auf dem Weg zur Familie, und immer wieder werden wir von Motorrollern überholt, die ganze Großfamilien transportieren. Noch spektakulärer sind allerdings die „Busse“, die noch auf ihrem Dach Koffer, Waren und Passagiere transportieren, und sich stets durch extra vorne angebrachte Lautsprecher ankündigen, aus denen lautstark indonesische Pop-Hits plärren.

Nach gut zwei Stunden legen wir einen ersten Stopp ein und lernen die Schönheiten von Toiletten in ost-indonesischen „Rasthäusern“ kennen. Das scheint außer uns niemanden zu stören, Familien sitzen hier offenbar gemütlich beim Weihnachts-Mittagessen zusammen, während draußen die Hitze nur so flirrt und der Verkehr den Staub aufwirbelt – denn befestigt ist außer der Straße selbst nichts.

Weiter geht die Fahrt, und ich muss meine ganze Aufmerksamkeit darauf richten, die Reiseübelkeit zu unterdrücken, die von Kurve zu Kurve schlimmer wird. Auch Titus wird auf dem Rücksitz hinten mit Argusaugen von Norman überwacht, doch er schlägt sich tapfer. Nach knapp drei Stunden Fahrt biegen wir von der „Hauptstraße“, die uns inzwischen bis auf eine Hochebene geführt hat, auf der Reisfelder in sämtlichen Wachstumsstadien angelegt sind, soweit das Auge reicht, ab.

Vorbei an kleinen Dörfchen erreichen wir eine schäbige Holzhütte, hinter der ein glitschiger, bemooster Weg bergauf führt. Wir machen uns an den Anstieg, Titus ist sichtlich froh über die Bewegungsmöglichkeit. Nach zehn Minuten stehen wir auf einem Hügel, von dem aus wir die beste Aussicht über die sogenannten Spider Web Rice Fields haben. Diese Reisfelder werden seit hunderten von Jahren kreisförmig angelegt; jede Familie des Dorfes bekommt ein Segment davon zugeteilt. Nur hier auf Flores an diesem Ort gibt es diese pittoreske Form des Reisanbaus.

Leider sind wir für heute immer noch nicht am Ziel; von nun an wird die Straße deutlich schlechter. War sie bisher zwar kurvig, aber immerhin gut ausgebaut, nimmt nun die Schlaglochdichte mit jedem Meter zu. Bald geht es nur noch im Schritttempo vorwärts, und zwar fast eine Stunde lang, denn so lange brauchen wir für die verbleibenden 13 Kilometer. Nach insgesamt sechs Stunden Fahrzeit biegen wir ganz im Süden von Flores in die Einfahrt Reis-Bauernhof im Dorf Dintor ab. Mitten zwischen den Reisfeldern, auf denen sich kleine schwarze Ferkel, Hühner und Enten tummeln, steht ein kleines Gästehaus, wo wir ein einfaches Zimmer beziehen.

Zur besonders großen Freude von Titus gibt es hier zudem zwei sehr spielwillige Kätzchen, mit denen er sich den Rest des Nachmittags und Abends unter anderem mit unserem Guide beim Spielen beschäftigt, während Norman und ich uns bei einer Flasche Bintang-Bier von den Reisestrapazen erholen und die indonesische Landluft genießen.

Wir sind alle erledigt und gehen kurz nach Einbruch der Dunkelheit und einem Abendessen aus Reis, Gemüse, Tempeh und Omelette ins Bett, nicht ohne aber noch den enorm beeindruckenden Sternenhimmel zu bewundern.

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