Was von Korea übrig blieb

Was von Korea übrig blieb

Die Rückreise aus Korea war wegen der Umsteigerei in Bangkok lang, vom frühen Aufstehen um 5.30 Uhr in Korea bis zur Ankunft zuhause gegen 18:30 Uhr in Singapur. Dort wurden wir aber dank der Perle bereits mit einem gedeckten Tisch zum Abendessen empfangen, und schon war der Urlaub vorbei.

Wie uns denn nun der Urlaub in Korea gefallen habe, wurde ich in den vergangenen drei Tagen sehr häufig gefragt. Hier also nun eine rein subjektive Zusammenfassung:

Natur:
Die Landschaft ist wirklich unglaublich schön. Korea besteht maßgeblich aus Bergen, 70 Prozent der Landfläche sind gebirgig. Die Vegetation ist der mitteleuropäischen sehr ähnlich, weshalb wir Titus Eichen, Buchen, Kastanien, Brennnesseln und Hagebutten zeigen konnten – Pflanzen, die es im tropischen Singapur nicht gibt.
Die Koreaner selbst sind begeisterte Wanderer und Outdoor-Sportler, so dass es Wanderwege en masse gibt, allesamt bestens ausgeschildert und instand gehalten.
Mehr als einmal hatten wir deshalb den Eindruck, in der Alpenregion unterwegs zu sein. Gut für uns, die wir ja genau diese Atmosphäre und die Bewegung in der Natur in Singapur schon vermissen, aber nicht sonderlich einzigartig, wenn man die Landschaft als Mitteleuropäer betrachtet.

Wetter:
Um diese Jahreszeit kehrt so langsam der Herbst ein und die ersten Blätter färben sich rot und gelb, tagsüber ist es fast noch sommerlich warm (27 Grad in Seoul) und abends/nachts kühlt es merklich auf etwa 15 Grad ab. Wie in einem deutschen Spätsommer eben.
Auch hier wieder: Für uns „Singapurer“ wunderbar, wir haben die frische, kühle Morgenluft und den meist strahlend blauen Himmel so sehr genossen (vor allem nach der Singapurer Dürreperiode mitsamt dem Haze der vergangenen Wochen)! Und sogar ein ganzer Tag Dauerregen war für uns nach über zwei Jahren in den Tropen wieder einmal eine ganz neue Erfahrung.

Kultur:
Wunderschöne und oft Jahrhunderte alte Tempelanlagen inmitten der Berge – doch in den vergangenen zwei Jahren haben wir so viele buddhistische Tempel gesehen, dass zumindest bei dem jüngsten Mitglied der Reisegruppe eine schwere Tempel-Müdigkeit diagnostiziert wurde.

Die original erhaltenen und liebevoll restaurierten traditionellen Viertel in Seoul sind wirklich sehenswert, und die Übernachtung in einem traditionellen Hanok-Haus war wirklich etwas ganz Besonderes (trotz dem einen oder anderen Rückenschmerz wegen dem fehlenden Bett).
Trotzdem ist der Funke nicht ganz übergesprungen: Die kulturelle Nähe zu China aufgrund der Jahrhunderte andauernden gemeinsamen Geschichte (und später zu Japan) ist spürbar, und deshalb hatten wir meistens den Eindruck, vieles schon zu kennen.

In Gyeongju hätte ich gerne einen weiteren Tag verbracht, um dort mehr über die mir bis dato völlig unbekannte Geschichte Koreas im 9.-15. Jahrhundert zu erfahren. Ein Ausflug dorthin lohnt sich definitiv!

Essen und Trinken:
Über das koreanische Essen habe ich bereits ausgiebig geschrieben. Tolle, abwechslungsreiche Speisen, aber vor allem für Fleischliebhaber interessant. Dafür sind die Preise mehr als vernünftig, und im Verhältnis zu Singapur ist auch das Bier (und der Soju dazu) bezahlbar. In unserem Singapurer Kühlschrank stapeln sich nun jedenfalls die grünen Soju-Flaschen.

Leute:
Ganz anders als in allen anderen bislang bereisten asiatischen Ländern kümmerte sich die Koreaner überhaupt nicht um uns. Wir wurden bei Besichtigungen keines besonderen Blickes gewürdigt, niemand versuchte uns anzusprechen oder uns heimlich zu fotografieren. Einerseits sehr angenehm! Andererseits fehlte die Herzlichkeit, mit der überall sonst vor allem Titus behandelt wird.
Das Verhältnis zu sämtlichen Einheimischen blieb seltsam distanziert, kaum ein Lächeln und überhaupt kein Smalltalk. Letzteres lag natürlich an der Sprachbarriere: Wir können außer „annyeong haseyo“ (= Guten Tag) und zwei oder drei Begriffen aus dem Taekwondo kein Koreanisch, das ist natürlich vor allem unser Problem, und ich erwarte nicht vom Gastland, dass dort jeder fließend „meine“ Sprache (bzw. Englisch) spricht. Trotzdem hilft die Lingua Franca eben bei den alltäglichen Begegnungen, sei es mit Taxifahrern, Bedienungen oder Supermarkt-Angestellten. In Korea beschränkte sich die gegenseitige Kontaktaufnahme auf das Mindestmaß. Schade.

Das Highlight:
Seoul, ganz klar Seoul. Eine tolle, aufregende, abwechslungsreiche Stadt mitten in schönster Umgebung. Schade, dass wir nur zwei Tage Zeit hatten, dort hätte wir locker noch mehrere Tage mit Unternehmungen füllen können. Auf jeden Fall einen ausgiebigen Städtetrip wert!

Finanzielles:
Der Aufenthalt in Korea gehörte sicher nicht zu den günstigsten Reisen, die wir in Asien unternommen haben. Aber – im Vergleich z.B. zu Japan – auch nicht zu den teuersten. Im Vergleich zu Singapur waren Lebensmittel, Restaurants und Hotels sogar billiger, bei einem durchschnittlichen Zimmerpreis von rund 60 Euro pro Nacht hatten wir mal abgesehen von den Großstädten durchweg sehr schön, geräumige Unterkünfte. Vor allem die Eintrittspreise zu sämtlichen Sehenswürdigkeiten waren erstaunlich niedrig, meist bezahlten wir pro Person umgerechnet nur ein paar Euro.
Der Mietwagen, den wir für ganze fünf Tage unser Eigen nennen durften, war ebenfalls erstaunlich günstig, und kostete „nur“ rund 60 Euro pro Tag (plus 1 1/2 Tankfüllung und die Mautgebühren). Deutlich komfortabler und in Summe für drei Personen gar nicht mal so viel teurer als die Busverbindungen, die Norman ursprünglich herausgesucht hatte.

Und zum Schluss:
Rückblickend hat uns Korea gut gefallen, und ich würde auf meiner ganz persönlichen Skala von 1 (= miesestes Reiseziel aller Zeiten) bis 10 (= Bestnote) solide 7 Punkte vergeben.

2 Replies to “Was von Korea übrig blieb”

  1. Seit langem lese ich mit Begeisterung ihre interessanten Berichte.
    Diese Koreareise hat mich ganz besonders gefesselt. Wir hatten einige Jahre koreanische Nachbarn und wurden von der Familie als Großeltern adoptiert. Die beiden Töchter, anfangs noch Kindergartenkinder, besuchten uns fast täglich. Wir haben gespielt, gebastelt, gebacken, gekocht und lange Spaziergänge gemacht. Als sie dann vor 2 Jahren wieder zurück nach Korea gingen, war die Trauer groß. Unterdessen sind die Mädchen 9 und 11 Jahre alt, und wir stehen per Videotelefon noch fast täglich in Kontakt. Leider ist es spürbar, dass die deutsche Sprache immer schwieriger für die Beiden wird.
    Für mich waren ihre Berichte deshalb ganz wunderbar, habe ich dadurch viel über die Heimat unserer “ Enkel“ erfahren können. Ganz herzlichen Dank!
    Mit freundlichen Grüßen, ihre begeisterte Leserin

    Gudrun Meuren

    1. Vielen Dank für die persönliche Geschichte, die Sie hier mit mir geteilt haben! Haben Sie denn vor, Ihre Zieh-Enkelkinder einmal in Korea zu besuchen?

      Herzliche Grüße,
      Nadine

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