Under the Sea: Tauchen in Singapur

Under the Sea: Tauchen in Singapur

Als passionierte Bergsteigerin und Skifahrerin ist Singapur wahrlich nicht der beste Ort, um meine geliebten Hobbys auszuüben (abgesehen von Kurzurlauben auf Borneo oder in Japan). Also muss ein Neues her – und was bietet sich in den warmen, fisch- und korallenreichen Gewässern Südostasiens besser an, als zu tauchen?

Viele der berühmtesten Tauchgebiete der Welt liegen nur einen Katzensprung – oder besser gesagt: einen kurzen Flug – von Singapur entfernt: sämtliche thailändischen Inseln, Tioman, die Philippinen, Bali… Mein Taucher-Logbuch füllt sich zusehends, inzwischen habe ich nicht nur die Advanced Open Water-Lizenz, sondern allein in den vergangenen zwei Jahren fast fünfzig Tauchgänge absolviert.

Doch auch wenn die Zeit einmal nicht für einen Wochenendtrip reicht, kann der passionierte Unterwasserfan in Singapur seiner Leidenschaft frönen. Denn in Singapurs „Haus-Gewässern“ gibt es so einiges zu entdecken. Das vermutet kaum jemand in der von Containerschiffen so stark befahrenen Straße von Singapur.

In Singapur organisieren gleich mehrere Tauchstudios Tagesausflüge, Ziel ist fast immer Pulau Hantu. Die kleine Insel liegt südwestlich vom Stadtzentrum, etwa eine halbe Stunde Bootsfahrt davon entfernt, und wartet mit einem Korallenriff auf, in dem sich unter anderem Seepferdchen, Hummer, Weich- und Hartkorallen, Kalmare, Plattwürmer und die farbenprächtigsten Nacktkiemer tummeln
Zwar lässt die Sicht aufgrund der Meeresbewegungen und Regenfälle häufig zu wünschen übrig, doch entdeckt der geduldige Beobachter in solchen Bedingungen erst recht eine mannigfaltige Vielzahl an Unterwasserlebewesen. Wer über ein Makro-Objektiv für seine Unterwasserkamera verfügt, ist eindeutig im Vorteil.
Dass sich hier trotz höchstem Verkehrsaufkommen maritimes Leben en masse tummelt, überrascht angeblich jeden, der sich darauf einlässt.

So viel zur Theorie – die ich dringend überprüfen muss. Also stehe ich am Donnerstag um 10:30 Uhr pünktlich am Singapore Yacht Hafen, dort ist der verabredete Treffpunkt mit der Tauchschule Marvin Divers.

Bis das kleine Boot mit den Sauerstoffflaschen, dem Mittagessen, Trinkwasser und der restlichen Ausrüstung beladen ist, dauert es trotz tatkräftiger Mithilfe der vier angemeldeten Taucher eine Weile.

Die Fahrt nach Pulau Hantu ist allein deshalb spannend, weil wir neben den gigantischen Containerschiffen, die gerade am Hafen ent- oder beladen werden oder an einem Ankerplatz eben darauf warten, wie eine schwimmende Nussschale aussehen.

Nachdem wir Pulau Bukom mit seinen Erdöl-Tankanlagen umrundet haben, ankern wir (zwei Tauchlehrer, vier Taucher) auf der Nordseite Pulau Hantus und hüpfen ins knapp 30 Grad warme Wasser.

Zu meiner großen Erleichterung ist die Sicht viel besser als gedacht, gut fünf bis sechs Meter weit! Aus Erzählungen weiß ich, dass man dort manchmal fast nicht die Hand vor Augen sehen kann. Auch Strömung hat es aktuell keine nennenswerte, und so verbringe ich eine recht entspannte Dreiviertelstunde unter Wasser. Das schöne an so „kleinen“ Tauchgebieten ohne riesige Korallenriffe ist, dass man sehr „detailverliebt“ sein kann und ohne Eile jeden Stein und jede Koralle genauestens auf der Suche nach Bewohnern mit der Taschenlampe ableuchten kann. Wir finden eine Anzahl an Nacktkiemern, Makrelen, einen Rochen, der sich in einem alten Autoreifen versteckt, Messerfische, und viele Arten von Weichkorallen.

Nach dem ersten Tauchgang legen wir die obligatorische einstündige Pause an Deck ein, wo es gebratene Nudeln mit Gemüse gibt und Sonne getankt wird.

Beim zweiten Tauchgang ist dann alles ganz anders: Die Sicht ist viel schlechter, nur noch knapp drei Meter weit, danach verschwindet alles im aufgewühlten und umherwirbelnden Sand. Wir müssen also dicht beieinander bleiben, was durch die plötzlich aufgekommene Strömung erschwert wird. Um nicht unnötig viel Luft durch hektische Flossenbewegungen zu verbrauchen, halte ich mich einfach immer mal wieder für ein paar Minuten an einer versteinerten Koralle fest und kann dann dort ausgiebig nach Meeresgetier Ausschau halten. Aus einer kleinen Höhle lugen die Fühler eines Hummers heraus, sonst sehen wir aber nur ein paar Schnecken und vorbeitreibende Quallen.

Als wir nach 47 Minuten wieder auftauchen, ist der Himmel pechschwarz über Singapur, und wir lassen uns deshalb alle Zeit der Welt, um die Ausrüstung mit Süßwasser abzuspülen, die Gewichtsgürtel auseinanderzubauen und die restliche Ausrüstung zu verstauen. Bis wir dann den Rückweg antreten, hat sich das Gewitter zum Glück wieder verzogen, trotzdem bin ich froh, dass ich im Yachtclub einmal kurz unter die heiße Dusche hüpfen kann, bevor ich den Heimweg antrete.

Auch wenn Tauchen in Singapur vielleicht nicht ganz so spektakulär ist und die Tauchplätze nicht mit überaus „großen“ Artenreichtümern aufwarten können: Es war trotzdem toll, da die Atmosphäre mit der Skyline der Stadt im Hintergrund ziemlich einzigartig ist.
Und ich zum Kaffeeklatsch am Nachmittag schon wieder zuhause bin – eine perfekte, kleine Auszeit vom Alltag!

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