Korea-Rundreise: Seoul, Tag 2

Korea-Rundreise: Seoul, Tag 2

Nach knapp zwoelf Stunden Tiefschlaf sind wir alle fit und brechen nach dem eher kaerglichen Fruehstueck im Hostel bereits kurz nach 9 Uhr zur heutigen Stadtbesichtigung auf.

Es ist herrlich ruhig in den Strassen, dafuer scheint uns auf dem Weg zur Gondel bereits die Sonne ins Gesicht. Die grosse Pendelseilbahn bringt uns nur wenige Minuten spaeter auf den 265 hohen Namsan-Berg. Der Ausblick ueber Seoul (rund 10 Mio. Einwohner) ist beeindruckend, die Lage am Han-Fluss und inmitten mehrerer Huegelketten ist fast schon malerisch.

Titus faszinieren die Abertausenden von Liebesschloessern, die hier an jeder halbwegs zugaenglichen Stelle angebracht sind. Auch eine „Liebesbank“ gibt, es die schuechterne Verliebte zueinander bringen soll.

Wir sparen uns die Talfahrt und marschieren hinab, Stufen um Stufen geht es hinunter. Der Spaziergang ist so schoen, dass wir ihn unten fortsetzen und einem wunderbar schattigen Wanderweg, an dem ein Baechlein entlang plaetschert, eine weitere Stunde bis nach Namsangol.

Auch hier befindet sich wieder so ein traditionelles Wohnviertel, Namsangol Hanok Village, und nach einer kurzen Mittagspause mit Eiskaffee und der heissgeliebten Fertig-Nudelsuppe wohnen wir dort einer Vorfuehrung von Taekwondo, der koreanischen Kampfkunst, bei.

Titus ist ja seit Januar selbst begeisterter Taekwondo-Schueler und sitzt wahrend der dreissigminuetigen Show wie gebannt auf seinem Sitzplatz. Es ist aber auch wirklich teilweise spektakulaer, was die neun Schwarzguertel-Traeger hier zeigen!

In diesem Hanok, in dem sich Wohnhaeuser der Kaiserfamilie aus dem 14. und 15. Jahrhundert befinden, werden sonntags viele Mitmach-Aktionen angeboten: Kalligraphie, traditionelle Knuepftechnik, Stofffarben und Kinderspiele basteln.

Titus entscheidet sich ohne zu Zoegern fuer Bogenbau und -schiessen und ist damit in den naechsten zwei Stunden mehr als beschaeftigt.

Nach einer laengeren Busfahrt und einer Kaffeepause (auf die Titus besteht, er liebt es, in einem Cafe zu sitzen und eine Malpause einzulegen) besichtigen wir gegen 16.30 Uhr bei herrlichem Spaetnachmittagslicht den Changdeokgung Palast.

Auch hier traegt die Haelfter der Besucher koreanische Tracht, der Eintritt ohne Hanbok kostet aber nur rund 2 Euro pro Person und lohnt sich. Der Palast ist noch weitlaeufiger und liegt mitten in einer riesigen Parkanlage. So spaet am Nachmittag sind kaum noch Besucher unterwegs, und wir koennen in Ruhe die Bauten aus dem 15. und 16. Jahrhundert bestaunen.

Beeindruckend ist die Technik der Fussbodenheizung (Ondol): Saemtliche Wohn- und Schlafraeume sind erhoeht gemauert, so dass von unten in den kalten Wintern eingeheizt werden konnte.

Wir haben Hunger – leider sind wir im Restaurant Nummer Eins wenig erfolgreich, denn ausser koreanischem BBQ (Fleisch!) steht hier nichts Vegetarisches auf der Karte. Wir nehmen also einen weiteren Fussmarsch von gut einem Kilometer in Kauf und landen wieder in Insa-dong und dort im veganen Lokal Osegye Hyang.

Es ist koestlich! Titus verputzt eine umfangreiche Portion Nudelsuppe, waehrend Norman und ich Bibimbap und eingelegtes Gemuese essen. Letzteres bekommt man zu jedem Essen in verschiedensten Varianten einfach dazu, Schaelchen um Schaelchen wird auf den Tisch gestellt und bei Bedarf auch nachgefuellt.

Nach dem Essen schlendern wir nach durch das quirlige Viertel und landen in einem lustigen Szene-Kaufhaus Ssamziegil, in dem sich die verruecktesten Laeden befinden. Titus ist selig, als er sich im „Slime“-Shop einen Spiel-Schleim selbst zusammenstellen darf.

Leider hat die Hauptattraktion dieses Einkaufszentrums, das Ddong Cafe, bereits geschlossen, und wir muessen die Speisekarte von draussen bewundern. Spezialitaet: Poop, also Speisen in Haeufchen-Optik.

Die Busfahrt nach Hause ist zum Glueck nur kurz, und wir staunen nicht schlecht, als wir feststellen, dass in Myeongdong der Baer steppt. In den Einkaufsstrassen draengen sich Menschenmassen, an Strassenstaenden und Garkuechen wird jedes nur erdenkliche Essen angeboten, und die hell erleuchteten Schaufenster links und rechts lassen keine Wuensche offen.

Wie gerne wuerde ich hier in Runde schlendern – und essen, doch leider sind wir alle heute genug gelaufen und auch immer noch satt.

Ich hole noch schnell ein Bier aus dem Supermarkt, und bei einem Glas Bier mit Soju lasse ich den Abend ausklingen, waehrend Norman und Titus todmuede ins Stockbett fallen.

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