Korea-Rundreise: Samcheok

Korea-Rundreise: Samcheok

Der Blick aus dem Fenster beim Aufwachen ist ganz schoen beeindruckend.

Das Fruehstuecksbueffet ist zwar gross, doch waehrend Titus sich mit ein paar Cornflakes begnuegt, loeffle ich begeistert koreanische Nudelsuppe mit Kimchi – ich LIEBE Suppe zum Fruehstueck!

Gegen 10 Uhr brechen wir auf Richtung Sueden, die Mautstrasse ist wieder kaum befahren und wir kommen zuegig voran. Einzig die Tatsache, dass bei der Auffahrt der Automat kein Einfahr-Ticket ausgespuckt hat, macht uns etwas nervoes. Als wir dann nach einer Stunde die Autobahn verlassen und am Mauthaeuschen ankommen, ist das alles kein Problem. Die Dame telefoniert, gibt unser Nummernschild durch, und dank lueckenloser Videokamera-Ueberwachung nennt sie uns wenige Sekunden spaeter den Preis.

So biegen wir kurz darauf unbeschadet auf dem Parkplatz der Daegwallyeong Schaffarm ein (die koreanischen Namen machen mich wirklich fertig).

Hier gibt es Schafe nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Fuettern. Unser Sohnemann liegt uns naemlich auch nach zehn Monaten immer noch in den Ohren, dass der eine Campingplatz in Neuseeland, auf dem er Laemmchen fuettern duerfte, fuer ihn „der schoenste Platz der Welt“ sei und dabei meistens Traenen fliessen.

Da auch in Korea im Herbst die Laemmchen bereits ausgewachsen sind, sind die zu fuetternden Exemplare bereits ziemlich gross, aber das tut der Begeisterung keinen Abbruch.

Wir machen einen kleinen Spaziergang rund um die Schafweiden, vertreten uns die Beine und holen frisch gegarten Mais als Mittagssnack an einem der vielen Verkaufsstaende, bevor ich mich hinters Steuer setze die naechste Etappe fuer heute in Angriff nehme. Die Sicht wird diesig und der Himmel ist zunehmend wolkenverhangen, das Thermometer zeigt aber immer noch angenehme 24 Grad an.

Im Gegensatz zu Singapur und dem Rest Suedostasiens herrscht in Korea Rechtsverkehr, und die den Alpen so aehnlichen Landschaften links und rechts der Begrenzungspfosten wirken auf mich sehr heimatlich. Die Hinweisschilder und die Sicht auf die Skisprungschanze klaeren uns allerdings auf, dass wir uns ganz in der Naehe von Pyeongchang, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2018, befinden.

Titus singt nicht ganz passend dazu vom Ruecksitz aus bayerische Kinderlieder, bis wir Samcheok erreichen, der Kuesten- und Haupt-Badeort Suedkoreas. Jetzt, im Herbst, ist hier natuerlich das meisten geschlossen. Aber an der Hauptattraktion geraten wir mitten in diverse Bus-Reisegruppen und haben Muehe, uns Gehoer zu verschaffen. Das Personal am Fahrkartenschalter und im Allgemeinen spricht wieder einmal kaum ein Wort Englisch, doch wir werden uns handelseinig und besteigen kurz darauf einen viersitzigen Schienenwagen mit Pedalen, aehnlich einer Draisine. Nach kurzer Einweisiung („This: Brake!“) treten wir die 5,4-Kilometer lange Reise auf dem Schienenwagen inmitten hysterisch kichernder koreanischer Rentner und Familien an.

Ein grosses Vergnuegen, denn mal abgesehen von der netten Fahrt entlang der Kueste, die uns mit ihren Pinienwaeldchen, Campingplaetzen und Sandstraenden an Suedeuropa erinnert, ist es eindeutig ein koreanisches Freizeitvergnuegen. In jedem Tunnel erwartet uns eine beeindruckende, ohrenbetaeubende LED-gespeiste Lichtershow, wir werden mit Hits von Modern Talking umspielt und fahren durch Thementunnels, die den koreanischen Olympiasiegern gewidmet oder auch einfach einer Unterwasserwelt nachempfunden sind.

Egal, wie verrueckt uns das erscheinen mag, es macht jedenfalls grossen Spass, und der Umkehrpunkt ist nach einer sehr kurzweiligen Stunde schnell erreicht. Zurueck geht es in die entgegengesetzte Richtung, und es wird immer noch nicht langweilig, auch wenn die Beine langsam muede werden. Gegen 17 Uhr erreichen wir den Bahnhof und verlassen mit den kichernden koreanischen Damenkraenzchen zusammen die Waegelchen.

Nur gut 20 Kilometer die Kueste hinauf befindet sich unser Guesthouse (Dalnaru Guesthouse, Samcheok) – das einzige, das auf den gaengigen Buchungsplattformen im Angebot war. Je naeher wir kommen, desto augenscheinlicher werden die Hotels oder besser gesagt, Bettenburgen, die sich hier aneinanderreihen – und offenbar nicht fuer auslaendische Gaeste gedacht sind. Die angebliche Panoramastrecke entlang der Kueste erweist sich mit den Panzersperren in Sichthoehe aus wenig malerisch, die Angst vor dem nordkoreanischen Nachbarn scheint immer noch ausgepraegt zu sein.

Nachdem wir unser bezauberndes Zimmer im voellig menschenleeren Hostel bezogen haben, in dem es sogar ein Klavier gibt, machen wir uns auf die Suche nach einem dem sportlichen Programm angemessenen Abendessen.

Hier an der Kueste ist natuerlich jegliches Meeresgetier noch lebend verfuegbar, vor jedem Lokal warten Riesenkrabben, Tintenfische, Flundern, Muscheln und Krebse auf den naechsten Gourmet.

Waehrend Titus mit einer Aufgiess-Nudelsuppe mehr als zufrieden ist, handeln wir im Seafood-Restaurant dank Uebersetzungs-App mehr schlecht als recht mit der Besitzerin ein Rundum-Menue aus. Und fahren damit mehr als gut, denn urploetzlich stehen 24 (!) Tellerchen mit den unterschiedlichsten Speisen auf dem Tisch, wie Titus mit Akribie festhaelt.

Es ist dermassen koestlich und das Bier, gemischt mit Soju, fliesst in Stroemen, doch leider werden wir der koreanischen Menge der Leckereien nicht Herr. Die Essenskultur mit den vielen Kleinigkeiten ist so wunderbar, es gibt praktisch kein alleiniges „Hauptgericht“, alles wird stets mit einer erklecklichen Auwahl an Eingelegtem serviert. Ich bin jedenfalls mehr als satt!

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