Korea-Rundreise: Andong

Korea-Rundreise: Andong

Wir lassen es gemuetlich angehen, trinken morgens eine zweite Tasse Kruemelkaffee, bevor wir aufbrechen. Draussen ist es zum ersten Mal grau und regnerisch, und da wir dazu die einzigen Gaeste im Hostel sind, gehoert der Fruehstuecksraum uns. Hier herrscht eindeutig Nebensaison.

Wir nutzen den „freien“ Vormittag fuer einen Abstecher in einem grossen Supermarkt und decken uns dort mit Snacks und Getraenken ein (Wein fuer nur umgerecht 7 Euro pro Flasche! Ein Traum im Vergleich zu Singapur!), allerdings dauert es ein wenig, bis wir uns im mehrstoeckigen Gebaeude zurechtgefunden haben, denn der Uebersichtsplan sieht so aus:

Dann geht es auf die Autobahn, und waehrend der gesamten einstuendigen Fahrt hoert der Regen nicht auf, und wir kommen dank sehr wenig befahrener Abschnitte schnell voran.

Das Kind ist entgegen unserer Erfahrungen aeusserst zufrieden mit der Autofahrerei, hoert ein Hoerbuch nach dem anderen und breitet sich auf der gesamten Rueckbank aus. Da die Strecken dank perfekt ausgebauter Schnellstrassen meist schnurgerade verlaufen, verlaeuft jede Fahrt bislang auch ohne Zwangspausen.

Gegen 13 Uhr erreichen wir den Parkplatz zur Hwanseon Hoehle. Es regnet in Stroemen, deshalb entscheiden wir uns, fuer den Weg zum Eingang die Standseilbahn zu benutzen.

Die Hoehle ist eine der groessten in ganz Asien und bereits am Eingang weht uns kalte Luft entgegen. Im Inneren hat es nur noch gut 11 Grad, und wir sind froh ueber Fleecepullis und Regenjacken. Denn nun haben wir zwar ein Dach ueber dem Kopf, aber die Luft ist von Feuchtigkeit durchtraenkt und eiskalt.

Die Hoehle ist insgesamt gut 8 Kilometer lang, davon kann das erste Drittel ueber einen touristisch perfekt aufbereiteten Rundweg besichtigt werden. Wir werden ueber Stahlbruecken und -treppen auf und ab geleitet, Gelaender blinken mit LEDs in allen erdenklichen Regenbogenfarben und jeder Abschnitt der Hoehle hat malerische Namen wie „Bridge of Love“ oder „Beauty Rock“. Trotzdem sind die Ausmasse dieser Hoehle natuerlich beeindruckend, und das Kind sieht sich bereits als kuenftiger Hoehlenforscher und kann gar nicht genug vom etwa einstuendigen Erkundungsgang bekommen.

Nach einer kleinen Staerkung marschieren wir bei immer noch anhaltendem Dauerregen bis zum Parkplatz zurueck und waermen uns dabei ein wenig auf.

Nun steht uns eine knapp drei Stunden lange Autofahrt bevor, die uns weiter Richtung Sueden bringt. Der Regen wird staerker, und wir beglueckwunschen uns, fuer die laengste Fahr-Etappe unserer Rundreise genau diesen Schlechtwettertag erwischt zu haben. Ploetzlich blinkt Normans Handy mit dieser Meldung auf:

Taifun-Warnung fuer Suedkorea. Das erklaert, warum immer weniger und weniger Fahrzeuge unterwegs sind. Umso besser fuer uns, wir fahren in Redkordzeit und ohne Zwischenstopp gegen 17 Uhr in Andong von der Autobahn ab, und nach ein paar Kilometern durch Ackerlandschaften, auf denen Reis, Sojabohnen, Kohl und Chilischoten im Uebermass wachsen, finden wir unsere Unterkunft fuer die kommende Nacht.

Das Jukheon Traditional House liegt mitten im Gruenen und ist tatsaechlich ein ganz traditionelles koreanisches Wohnhaus, erbaut im 19. Jahrhundert und liebevollst restauriert. Wir beziehen dort eines der vier Gaestezimmer: klein, aber gemuetlich, und mit ebenfalls sehr traditionellem (und hartem) Futonbett.

Der Hausherr nimmt uns und die ebenfalls soeben angekommene, ebenfalls deutsche Familie sofort unter seine Fittiche und fuehrt uns im Dauerregen zum Lokal um die Ecke, eines von drei Haeusern in der naeheren Umgebung. Das Essen dort ist gewohnt vielfaeltig und koestlich, auch wenn im vom Genuss der Makrele und der gebratenen Kaefer absehe. Norman findet dagegen wirklich alles davon sehr lecker, und wir leeren die eine oder andere Flasche Bier und den obligatorischen Soju dazu.

Obwohl es immer nocht regnet, hat die Temperatur nur auf knapp 20 Grad abgekuehlt, und waere die duenne Matraze nicht so hart, wuerden wir in der Ruhe der laendlichen Umgebung ganz wunderbar schlafen.

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