Datenschutz in Singapur

Datenschutz in Singapur

Asien und damit auch Singapur sind das Tech-Mekka des 21. Jahrhunderts und zukunftsweisend in der Computer- und Softwareentwicklung. Auch die Anwender haben keine Berührungsängste vor neuen Technologien. Speziell Singapurer gehen völlig ungerührt mit der Preisgabe ihrer persönlichen Daten in der digitalen Welt um. Während es einem Europäer kalt über den Rücken läuft, weil die Privatsphäre ein hohes Gut ist, ist der Ausdruck „Datenschutz” in Singapur praktisch unbekannt.

Datenschutzrechtliche Bedenken haben die Singapurer großteils nicht, solange sie davon profitieren. Natürlich gibt es hin und wieder ein paar Skandälchen, wenn ein Datenleck aufgedeckt wird (Data of 14,200 HIV patients leaked in Singapore, Deutsche Welle, 28.1.2019), doch wird der Vorteil, der von den modernen Technologien erwartet wird, höher gehandelt als die eigene Privatsphäre.

Munter werden Fotos hochgeladen, geteilt und frei zugänglich ins Internet gestellt, bei jedem noch so kleinen Serviceanbieter Benutzerkonten angelegt. Bezahlvorgänge funktionieren fast nur noch über das Handy, Apps wie PayLah oder WeChat Pay sind weit verbreitet. Hier muss nur noch wahlweise ein QR-Code eingescannt oder die Handynummer des Zahlungsempfängers eingegeben werden, schon ist die Überweisung getätigt. Das geht im Taxi ebenso wie bei der Garküche und ist natürlich unendlich praktisch.

Beim „Ministry of Manpower“ geht ebenfalls (fast) alles online, mit seiner persönlichen Identifikationsnummer kann man sich bei SingPass einloggen und dort die meisten Dinge, für die man in Deutschland persönlich zum Rathaus oder Passamt gehen muss, bequem zuhause online erledigen.

Der fast schon gedankenlose Umgang mit Daten hilft natürlich den Software-Entwicklern ungemein dabei, neue Technologien auszuprobieren: Online-Kartensystem erkennen, mit welchem Verkehrsmittel ich mich gerade fortbewege und wollen sofort von mir wissen, wie voll es darin war. Meine Auskunft hilft wieder anderen Pendlern dabei, sich in Echtzeit über die Situation im Bus zu informieren.

In der ganzen Stadt sorgen Kameras an Straßenlaternen für eine fast lückenlose Überwachung (Singapur will Gesichtserkennung testen, Spiegel Online, 13.4.2018). Per Gesichtserkennung können so selbst große Menschenmengen sondiert und zum Beispiel Terroranschläge zukünftig schneller aufgeklärt oder gar verhindert werden. 1,8 Milliarden Gesichter können damit in weniger als drei Sekunden erkannt werden.

Am Flughafen wird zurzeit versuchsweise dieselbe Technik genutzt, um gezielter zum Beispiel Zuspätkommer aufzuspüren, auf die man beim Boarding wartet. Im Terminal 4 kann bereits an Automaten eingecheckt sowie das Gepäck aufgegeben werden, das Computerdisplay kann Gesichter praktisch fehlerlos zuordnen. Damit werden die Wartezeiten zusätzlich verkürzt und es kann Personal eingespart werden (Gesichtserkennung soll Passagiere schnell aufspüren, Welt, 29.10.2018).

Auch Kaufhäuser experimentieren mit der Gesichtserkennung (Die Utopie wird Realität: In Asiens Shoppingcentern hält die Gesichtserkennung Einzug, NZZ, 4.3.2019). So ein System könnte den Kunden schon am Eingang namentlich begrüßen und kennt dank der gesammelten Daten aus vorherigen Internetbestellungen und sonstigen Einkäufen bereits seine Präferenzen. Damit könnte der Kunde gezielt durch die für ihn relevanten Geschäfte und Regale geführt werden, und am Ende bargeldlos bezahlen.

Aber: Die Sensibilität im Umgang mit persönlichen Daten nimmt tatsächlich auch in Singapur zu!
Seit dem 1. September 2019 gilt ein verschärfter Personal Data Protection Act (PDPA). Demzufolge dürfen Unternehmen, die nicht zur Regierungsverwaltung gehören, von ihren Kunden nicht mehr die NRIC (National Registration Identity Card) zw. die FIN (Foreign Identification Number, ähnlich der Passnummer) abfragen und speichern. Bisher wurde selbst in Einkaufszentren, bei Gewinnspielen oder im Fitnessstudio stets nach der NRIC/FIN gefragt, und natürlich musste man sie dort überall und stets angeben. Nun dürfen „nur noch“ Arztpraxen und Hotels die Herausgabe eben dieser Nummer von ihren Patienten bzw. Gästen verlangen (New rules regarding collection of NRIC, Straits Times, 1.9.2019).

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2 Replies to “Datenschutz in Singapur”

  1. Hallo Nadine! Sehr interessant zu lesen, wie es in Singapur zu geht. In Shanghai ist es ähnlich. Gesichtserkennung ist überall. Wer zu häufig über die rote Ampel geht, kann sich mal eine Abmahnung oder ein Knöllchen bekommen. Bezahlung mit Telefon ist Alltag. Ich habe mittlerweile gar kein Portmonee mehr dabei. Als Ersatz habe ich eine powerbank dabei, denn mit leerem Handy läuft nix. Und die Freizügigkeit des Fotografierens ist für mich völlig neu. Leben im Ausland erweitert den Horizont und ich würde auch ein viertes Mal ins Ausland gehen. Nun aber erstmal Expatleben 3.0!! LG nach Singapur! Luise

    1. Liebe Luise, stimmt, das kenne ich alles auch aus Singapur (vor allem das mit der Powerbank!!!). Außer meiner Bankkarte und der Schlüsselkarte zu unserer Wohnung, die praktisch in einem Fach in der Handyhülle verstaut werden, gehe ich auch ohne Bargeld oder Geldbeutel aus dem Haus. Ganz schön praktisch.
      Mein Mann ist übrigens gerade geschäftlich in Shanghai und sehr begeistert von der Stadt!
      Liebe Grüße, Nadine

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