Korea-Rundreise: Seoul, Tag 1

Korea-Rundreise: Seoul, Tag 1

Nach einer wirklich kurzen Nacht mit nicht viel mehr als vier Stunden Schlaf landen wir morgens um 6 Uhr in Seoul. Die Sonne geht gerade auf, und die Warteschlange an der Passkontrolle ist so lang und die Suche nach einem funktionierenden Geldautomaten so schwierig, dass wir erst gegen 8 Uhr in den Zug Richtung Innenstadt einsteigen. Waehrend Norman und ich ein ausgiebiges Nickerchen halten, hoert Titus unverdrossen ein Hoerbuch. In Myeongdong, dem Ausgeh- und Shoppingviertel Seouls, ist es noch menschenleer und in unserem Hostel (Air Hostel) duerfen wir nur unser Gepaeck abgeben, die Zimmer sind noch laengst nicht bezugsfertig.
Also machen wir uns gleich wieder auf den Weg und staerken uns erst einmal mit viel Kaffee fuer die Stadtbesichtigung.

Die fuehrt uns per U-Bahn nach Bakchon. Dort finden wir das einigermassen originalgetreue Wohnviertel vor, in dem die traditionellen koreanischen Wohnhaeuser (Hanok) erhalten geblieben sind. Das ganze erinnert ein wenig an ein Freiluftmuseum, auch wenn die Gaesschen wirklich schoen sind und in den liebevoll restaurierten Holz- und Steinbauten offenbar immer noch gelebt wird – immerhin sorgen Aufseher dafuer, dass die vielen Touristen ruhig sind und nicht unerlaubt durch Schluesselloecher spitzeln.

An jeder Ecke kann man die traditionelle koreanische Kleidung (Hanbok) ausleihen, was dazu fuehrt, dass Heerscharen damit herumlaufen und man so den Eindruck bekommt, eine Zeitreise unternommen zu haben. Die koreanische Regierung foerdert das Tragen der Hanbok, und Besucher in dieser Tracht erhalten in saemtlichen Palaesten und anderen Sehenswuerdigkeiten freien Eintritt. Meine beiden Herren straeuben sich leider, sehr schade!

Gleich um die Ecke befindet sich die Hauptattraktion Seoul, der ehemalige Kaiserpalast mitsamt grossem Museumskomplex. Nach einem koestlichen Mittagessen, bestehend aus Bibimbap und Buchweizen-Nudeln, finden wir den Weg in das dazugehoerige Kindermuseum (Seoul Children’s Museum, Eintritt frei), in dem Titus sofort mit Begeisterung traditionelle koreanische Kinderspiele ausprobiert und sich von einem Museumsaufseher in der Kunst des Fischens unterrichten laesst. Norman und mir fallen derweil im Minutentakt die Augen zu, keine Ahnung, woher das Kind seine Energie hat!

Ich brauche Bewegung an der frischen Luft, und mangels traditioneller Kleidung bezahlen wir den nicht allzu ueppigen Eintrittspreis und schlendern bei herrlichstem Fruehherbst-Wetter – strahlend blauer Himmel und gut 27 Grad – durch das weitlauefige Areal des Gyeongbokgung Palastes. Der kaiserliche Wohnsitz, erbaut im 14. Jahrhundert, ist eine Rekonstruktion, das er unter der japanischen Herrschaft in der ersten Haelfte des 20. Jahrhunderts komplett abgerissen wurde.

Am Samstagnachmittag ist hier natuerlich viel los, es wird geschlendert und spaziert, aber der dazugehoerige Park ist so weitlaeufig und wunderbar schattig, dass wir lange auf einer Parkbank sitzen und das Treiben bewundern.

Schliesslich geht es per U-Bahn, die uns in ihren Ausmassen und den Strecken, die man beim Umsteigen bewaeltigen muss, stark an Tokio erinnert, nach Insa-dong, dem Hipster-Viertel Seouls. In kleinen Gassen reihen sich kleine Boutiquen, Gallerien, Schreibwarenlaeden, Restaurants und vor allem Cafes aneinander. Seoul ist eindeutig die Stadt mit der weltweit hoechsten Cafe-Dichte, und eines gemuetlicher als das andere.

Wir kehren also in eines davon ein, und waehrend das Kind einen Apfelkuchen inhaliert, kaempfen Norman und ich weiter gegen die Muedigkeit.

Doch der Magen knurrt, und deshalb besteigen wir kurz darauf den Bus und fahren nach Jongno – das klappt wunderbar, Norman ist bestens per Navigations-App vorbereitet. In einer grossen Halle befindet sich dort der Gwangjang Market: eine schier endlose Aneinanderreihung von Markstaenden mit einem Ueberangebot aller Arten frischer Lebensmittel (Obst, Gemuese, Fisch, Fleisch und Eingelegtes/Fermentiertes sowie an Garkuechen.

Nach einigem Schlendern lassen wir uns von einer umtriebigen Standkoechin mit koestlichen Dumplings und koreanischen Pfannkuchen verwoehnen. Titus isst und isst und die Dame strahlt. Ich koennte allein vom Kimchi leben, der fermentierte und scharf eingelegte Kohl ist eine meiner absoluten Lieblingsspeisen, obwohl er doch eigentlich nur eine Beilage ist. Fast ebenso gut ist das koreanische Nationalgetraenk: Bier mit einem Schuss Soja (Reisschnaps) dazu.

Mit sehr vollen Baeuchen geht es per U-Bahn zurueck nach Myeongdong und ist Hostel. Dort kriechen wir zu dritt ins Stockbett (einer unten, zwei oben – mehr Luxus wollten wir uns bei den happigen Uebernachtungspreisen nicht leisten) und schlafen um 20.30 Uhr bereits tief und fest.

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