Der Berg ruft: Mount Kinabalu, Teil 1

Der Berg ruft: Mount Kinabalu, Teil 1

Am Mittwoch Nachmittag betreten Christiane und ich den Changi Airport in Singapur. Ausgerüstet mit Bergschuhen, Funktionskleidung und Wanderrucksäcken machen wir uns auf nach Borneo. Genauer gesagt, nach Kota Kinabalu, der Hauptstadt des malaysischen Bundesstaates Sabah.

Nach gut zwei Stunden Flugzeit landen wir gegen 20 Uhr, per Grab geht es in wenigen Minuten in die Innenstadt. Die Suche nach unserem Hostel gestaltet sich als etwas schwieriger, denn es befindet sich in einem recht unübersichtlichen Bürogebäude, dessen verschiedene Aufgänge verzwickt zu finden sind. Endlich stehen wir vor dem Oikos Poshtel – und vor verschlossenen Türen. Ein Anruf beim Besitzer genügt, er gibt uns den Code für die Tür und unsere Zimmernummer am Telefon durch und wir beziehen unser kleines, aber sehr schnuckeliges und blitzsauberes Zimmerchen.

Nach einem schnellen Abendessen im Sushi-Restaurant im Einkaufszentrum gegenüber geht es ins Bett. Am Donnerstag morgen sehen wir leider nicht allzu viel von der Stadt, denn der Haze ist auch hier allgegenwärtig und es hängt dicker „Nebel“ in der Luft. Wir vertreiben uns den Vormittag mit einem indischen Frühstück und einem ausgiebigen Bummel durch das schicke Einkaufszentrum, wo wir uns noch mit dem Nötigsten für unser Bergabenteuer (Kaugummis, Bargeld, Powerbank) ausstatten.

Um kurz nach 12 Uhr werden wir von einem Fahrer abgeholt, der uns und drei weitere Wanderer zum Kinabalu National Park bringt. Die Fahrt dauert gut zwei Stunden, während denen es aus der Stadt hinaus und Richtung Nordosten geht. Nach knapp 90 Kilometern Strecke auf gut ausgebauter, zweispuriger Landstraße, die stetig bergauf führt, machen wir einen kurzen Stopp in Nabalu. Das Dörfchen besteht vor allem aus einem kleinen Markt, in dem wir uns mit frischer Ananas, Erdnüssen und Bananenchips versorgen.

Gegen 15 Uhr erreichen wir das Headquarter des Kinabalu National Parks, wo wir schon von einer Angestellten unseres Touranbieters Amazing Borneo erwartet werden. Sie händigt uns die „Permit“ aus, mit der wir den Nationalpark betreten dürfen, und erklärt uns, dass wir den Rest des Tages „frei“ haben und in Ruhe unser Zimmer beziehen können. Am Eingang zum Nationalpark gibt es verschiedene Unterkünfte in allen Preisklassen, vom Mehrbett-Schlaflager mit Stockbetten bis zu luxuriösen Chalets. Wir hatten mit einer einfachen Unterbringung gerechnet – umso größer unsere Begeisterung, als wir erfahren, dass wir aus unerfindlichen Gründen ein Upgrade bekommen haben und eine der zweistöckigen Villen beziehen dürfen!

Bei herrlichster Bergluft verbringen wir einen äußerst erholsamen Nachmittag dort, lesen, hören Podcasts und lauschen dem Vogelgesang und Rauschen der Blätter, denn das sind die einzigen Geräusche weit und breit.

Zum Abendessen spazieren wir zu Fuß knapp zehn Minuten zum Restaurant. Das Büffet dort ist eher mittelmäßig, aber das Kaminfeuer, das zwei Angestellte danach in unserem Chalet-Wohnzimmer für uns entfachen, entschädigt uns für alles.

Bei einem Filmabend und knisternden Holzscheiten fühlt es sich fast an wie ein Wellness-Urlaub!

Nach einer wunderbar ruhigen Nacht, in der wir dank der kühlen, frischen Bergluft unglaublich gut geschlafen haben, dürfen wir einen ersten Blick auf den Mount Kinabalu werfen, denn das Wetter ist traumhaft:

Nach dem Frühstück (ganz asiatisch mit gebratenen Nudeln und Suppe) leihen wir uns noch fix Wanderstöcke an der Rezeption aus, denn die konnten wir im Flieger nicht mitnehmen, da wir nur mit Handgepäck gereist sind. Die 20 MYR (ca. 5 Euro) Leihgebühr lassen sich verschmerzen.

Um Punkt 8 Uhr treffen wir unseren Bergführer für die kommenden zwei Tage. Es ist eindeutig Nachsaison, denn Gabriel ist ausschließlich für Christiane und mich zuständig, wir wandern also in kleiner Gruppe los.

Vom Timpohon Gate, das auf 1.800 Metern liegt, geht es durch dichten Regenwald stetig bergauf. Wir passieren Wasserfälle, große Farne, Urwaldriesen und Bienenstöcke. Der Weg erinnert an einen Wanderweg in den Alpen, doch zunehmend tauchen dort Stufen auf. Viele Stufen. Endlos viele Stufen. Wir kommen ins Schwitzen, zum Glück ist es insgesamt nicht allzu heiß.

Immer wieder begegnen wir Trägern, die schnaufend Lasten von mindestens 20 Kilogramm pro Person den Berg hinaufschleppen, denn die einzige Unterkunft dort verfügt über keinerlei Materialseilbahn. Also werden frische Eier, Diesel für den Generator, Wasserflaschen und Baumaterial zu Fuß angeliefert.

Wir begegnen nicht allzu vielen anderen Wanderern, die meisten von ihnen tragen Turnschuhe oder sogar Schuhwerk aus Silikon/Gummi an den Füßen. Wir gehören mit unseren Bergschuhen eindeutig zu den besser ausgerüsteten Berglern – wobei meine Wanderschuhe definitiv ihren letzten Ausflug machen werden:

Alle fünfhundert Meter Weg weist uns ein Schild auf die verbleibende Strecke bis zum Ziel des heutigen Tages hin.

Insgesamt passieren wir beim Aufstieg sieben kleine Hütten/Unterstände, die erstaunlicherweise allesamt über funktionierende und sogar einigermaßen saubere Toiletten verfügen.

Auf gut 2.600 Höhenmetern lichtet sich der dichte Wald, Moose und Farne nehmen zu und ein paar der felsigen Gipfel lassen sich blicken. Der Himmel ist zunehmend blau, und die Sonne treibt den Schweiß auf die Stirn. Zum Glück weht ein laues Lüftchen.

Ich mache eine ausgiebige Pause bei einem der Unterstände, sitze in der Sonne, lese ein E-book und stärke mich mit Müsliriegeln. Letzteres ist leider nicht von Erfolg gekrönt, da ich von frechen Nagetieren derart belästigt werde, dass ich kaum in Ruhe einen Bissen nehmen kann.

Nach gut vier Stunden erreiche ich gegen 13 Uhr das Laban Rata Guesthouse auf 3.272 Metern Höhe, knapp 1.500 Höhenmeter sind geschafft. Christiane stößt wenig später dazu, Bergführer Gabriel zeigt uns unser Zimmer mit zwei Stockbetten darin und gibt uns den Rest des Tages frei. Die Sonne meint es gut mit uns, wir lassen uns auf der Terrasse der Berghütte bescheinen, trinken Tee und ruhen uns aus, während nach und nach immer mehr Wanderer eintrudeln. Am Abend sind die Gesichter aller Anwesenden ganz schön rot.

Die Hütte selbst ist ganz schön „luxuriös“: Die Bettwäsche ist weiß und blitzsauber, ein flauschiges weißes Handtuch liegt bereit, Steckdosen gibt es en masse und man kann sogar heiß duschen, wenn man wartet, bis die Solaranlage das Wasser im Boiler wärmt. Wir wagen stattdessen eine Katzenwäsche mit eiskaltem Gebirgswasser und sind danach so hellwach, dass wir noch einen kleinen Rundgang um die Hütte wagen. Ein paar Meter aufwärts finden wir den höchst gelegenen Briefkasten Malaysias und genießen den Blick hinab ins wolkenverhangene Tal.

Ab 17 Uhr wird in der Hütte das Abendessen aufgefahren, ein reichhaltiges Büffet lädt die Reserven wieder auf: Spaghetti mit Tomatensauce ist genau das richtige Bergsteiger-Essen.

Wasser in Trinkwasserqualität gibt es nur abgefüllt in Plastikflaschen. Darauf verzichten wir, denn ich habe die guten Micropur-Tabletten im Gepäck, mit denen wir das Wasser aus dem Wasserspender nach nur zehn Minuten gereinigt haben. Magenprobleme bekommen wir jedenfalls nicht.

Nach dem Essen legen wir uns direkt ins Bett, inzwischen haben auch unsere Zimmergenossen, ein Singapurer Pärchen, ihre Betten bezogen. Obwohl ich vom Marsch müde bin, kann ich erst weit nach 22 Uhr einschlafen und höre solange Podcasts und Hörbücher, während rundherum ein Schnarchkonzert losgeht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »