Alltag in Singapur: Ein Wochenbericht

Alltag in Singapur: Ein Wochenbericht

Seit ich vom Mount Kinabalu zurück bin, ist schon wieder fast eine ganze Woche vergangen. Die Highlights der vergangenen Tage fasse ich kurz zusammen:

Montag – oder: Der Tag mit dem Muskelkater from Hell (MfH).
Der stundenlange Abstieg vom Kinabalu macht sich bemerkbar. Ich kann mich kaum bewegen und sehe von jeglicher geplanter Aktivität ab, die mit Aufstehen, Laufen oder Auf-dem-Boden-Sitzen (und Wieder-Aufstehen) zu tun hat. Allein der Weg zum Kindergarten, der über eine Fußgängerbrücke (mit je 40 Stufen auf und ab) führt, ist eine wirklich spannende, sportliche Herausforderung. Das Kind kräht: „Mama, Du bist heute aber langsam“, und mir bekannte Mütter erzählen unaufgefordert, dass die dazugehörigen Ehemänner nach derselben Bergtour für gut eine Woche so herumgehumpelt seien. Sehr hilfreich.
Immerhin hat der Sohnemann nachmittags ein einsehen und verlangt weitgehend Spiele von mir, die mit minimaler Bewegung verbunden sind (Mensch ärgere Dich nicht und Memory).
Die Zufuhr von Mineralien und Nährstoffen ist geschmacklich zwar eine Wohltat, verbessert die Lage allerdings nicht.

Dienstag – oder: Die Freuden der sitzenden Tätigkeiten
Nach einer Nacht mit Voltaren-Unterstützung geht das Aufstehen fast schon schmerzfrei von sich. Ich wage mich aufs Laufband und bin überrascht, dass ich tatsächlich vorwärts komme.
Weniger dagegen Christiane, die zu einem Arbeitsmeeting vorbeikommt und über fortlaufenden MfH (siehe oben) klagt. Trotzdem sind wir produktiv, so ein „Bürojob“ hat ja den Vorteil, dass man dabei sitzen kann.
Auch während Titus‘ Klavierstunde bleibe ich einfach auf den bequemen Hockern im Vorraum sitzen.
Abends ist Chorprobe, und die Pause verbringe ich damit, die Konzertaufstellung für die Soprangruppe auszutüfteln. Ein Schlachtplan könnte nicht komplizierter sein: Wer steht neben wem? In welcher Reihe? Starke Sängerinnen neben schwächeren, die 2. Soprane möglichst eng zusammen, ebenso die 1. Soprane. Ganz vorne sehr starke Stimmen, aber auch ganz hinten. Die großen hinten, die kleinen vorne. Und so weiter. Nach der Einführung eines ausgetüftelten Farbcodes und einer Tabelle, die jeden Unternehmensberater vor Neid erblassen lassen würde, komme ich zu einem Ergebnis – das sicherlich zu lautstarken Klagen und Beschwerden aus der Reihe der Damen führen wird.

Mittwoch – oder: It’s raining, men!
Es ist unglaublich: Es regnet. Und zwar heftig! Als der Wolkenbruch vorbei ist, erscheint über Singapur zum ersten Mal seit zwei Wochen blauer Himmel, der Haze scheint Geschichte zu sein. Die Sonne hat wieder volle Kraft und die ausgetrockneten Grünflächen saugen das ersehnte Nass in Windeseile auf, während Schwärme von Mynah-Vögel aufgeregt nach Würmern picken.

Titus geht weiterhin mit großer Begeisterung zum Taekwondo. Selbst der Fußmarsch ins Studio (25 Minuten hin, 25 Minuten zurück) macht ihm Spaß, kann er doch dabei ununterbrochen seine Fantasiegeschichten weiterspinnen.

Donnerstag – oder: Work hard, play hard.
Ein „ganz normaler“ Arbeitstag bei mir. Morgen eines Stunde Sportprogramm. Dann Korrektur für das Handelsblatt – die ungebührlich lange dauert, da momentan so viele aktuelle Meldungen aus der Wirtschaftswelt hereinschneien und abgehandelt werden.
Ich eile los, um pünktlich zur monatlichen Sitzung der Impulse-Redaktion zu kommen. Da alle Anwesenden quasi ihre Mittagspause dafür opfern, werden sie von der Redaktionsleitung (also von Christiane und mir) mit Kürbissuppe und einem Laib frischgebackenem Brot verköstigt. Das habt die Stimmung ungemein!

Nach knapp zwei Stunden sind die nächsten zwei Ausgaben fertig geplant.
Ich komme rechtzeitig heim, um Titus abzuholen. Während ich das Protokoll der Sitzung tippe, wuselt er im nagelneuen Ninja-Kostüm durch die Wohnung und übt Anschleichen. Sehr erfolgreich.
Danach packen wir zusammen die Rucksäcke für die anstehende Reise, das klappt wie gewohnt gut, wir sind ganz schön routiniert im Kofferpacken.

Nach dem Abendessen (ein bunter Strauß von Resten aus Kühl- und Vorratsschrank) verabschiede ich mich, heute ist Ausgehabend mit meiner deutschen Damenrunde.
Ganz feudal kehren wir in die Hotel-Bar des gerade erst nach jahrelangen Umbauarbeiten neu eröffneten Raffles Hotels ein. Hier bekommt man einen ganz guten Eindruck von den Crazy Rich Asians. Nobler geht’s nicht.

Ein Turban tragender Guard weist den Weg zum Haupteingang, der natürlich mit einem dicken roten Teppich markiert ist. Drinnen erstrahlen Wände, Balustraden und Säulen in strahlendem Weiß und verbreiten Kolonialzeit-Atmosphäre. Die Writers Bar ist urgemütlich, und viel intimer als die weltbekannte Long Bar im gleichen Haus. Allein die Cocktailkarte ein Kunstwerk und wie ein Reise-Tagebuch gestaltet, in handschmeichelndes Leder eingebunden.

Zum Glück erfüllen wir alle den Dresscode und haben einen sehr netten Abend miteinander. Die Signature Cocktails sind ungewöhnlich und teilweise spektakulär, wie z.B. der Eternal Youth (Champagner, Vermouth, Zitrone), der vor dem Genuss mit einem eigens für Elizabeth Taylor bei ihrem Besuch in Singapur kreierten Parfüm eingenebelt wird. Die Preise sind allerdings saftig.

Freitag – oder: Ab in den Urlaub!
Titus ist aufgeregt und möchte nach dem Aufstehen am liebsten sofort in den Urlaub fliegen. Er lässt sich aber doch überzeugen, in den Kindergarten zu gehen, nachdem ich ihm erklärt habe, dass Norman und ich zwar heute tagsüber zuhause sind, dort aber trotzdem arbeiten (Stichwort: Home Office).
Immer noch strahlt die Sonne vom knallblauen Himmel, und es ist heiß – unsere stetig wachsenden Tomaten und Kräuter auf dem Balkon freuen sich darüber.

Um 16 Uhr brechen wir auf zum Flughafen – endlich. Korea, wir kommen!

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