Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon, der in München wohnt.*

Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon, der in München wohnt.*

München, Du bist so gut zu uns! Die Tage hier sind so zauberhaft, sonnig, warm und erlebnisreich – kein Wunder, dass jährlich so viele Touristen hierher reisen.

Wir machen Urlaub in der eigenen Stadt: Wann hat man schon Zeit, in seiner eigenen Heimatstadt, die man kennt wie seine Westentasche, einfach eine ganze, freie Woche zu verbringen?

Ich habe tatsächlich noch nie Urlaub zuhause gemacht, deshalb ist das eine ganz neue Erfahrung. Und München im Juli hat nun mal so viel zu bieten, dass wir wirklich jede Minute genießen.


Ein kurzer Rückblick auf die vergangenen Tage:

Samstag:

Bereits am Flughafen vertilgt Titus zwei Butterbrezn und bei sonnigstem Wetter erreichen wir das Haus unserer lieben Gastgeber Verena und Stefan.

Titus verschwindet mit Leander und Luise im Garten und taucht für Stunden nicht mehr auf.

Am Nachmittag radeln wir zur nahegelegenen Würm und baden im für uns eiskalten Fluss, danach gibt es zur Erfrischung ein Weißbier im Biergarten und abends wird im Garten gegrillt und die laue Sommernacht nimmt schier kein Ende. 

Sonntag:

Am Vormittag nehmen Verena und ich die neueste Folge ihres Podcasts auf, diesmal sitzen wir uns persönlich in ihrem Kleiderschrank (wegen der Akustik!) gegenüber.

Anschließend radeln wir alle zusammen zum knapp 5 Kilometer entfernten Lusssee, wo es zugeht wie am Strand von Rimini in den 80er Jahren. Von der Wasseroberfläche ist kaum etwas zu sehen, so voll ist es hier. Wir finden zum Glück noch ein schattiges Plätzchen, denn die Sonne brennt. 

Zum Abendessen geht es auf schönsten Radlwegen durch Wald und Wiesen in die Pizzeria; Titus genießt es, im Fahrradanhänger kutschiert zu werden, und ich bin selig: Fahrradfahren ist so schön! Der Ramazotti auf’s Haus am Ende beschwingt natürlich die Heimfahrt ungemein.

Montag:

Umzug in die Innenstadt, wir schlagen für die nächsten Nächte unser Domizil bei Familie Waitz in Schwabing auf. Diese Gegend kennen wir bestens, schließlich ist unsere eigene Wohnung nur drei Busstationen entfernt. 

Titus erinnert sich sofort an den Obststand (Erdbeeren!) und die Eisdiele gegenüber. Nach einer Schulbesichtigung geht es am Nachmittag in den Petuelpark, wo wir unsere Freundin Dajana und ihre zuckersüßen Zwillinge treffen und abends mit der Familie in ihrem gemütlichen Häuschen grillen. Allerdings in der Küche, denn es regnet,  und kühlt tatsächlich sehr angenehm ab. Trotzdem ist für uns das Stöhnen über die Hitze nicht ganz nachvollziehbar – offenbar sind wir doch ein anderes Klima gewöhnt. Allerdings sind die nicht-klimatisierten Trambahnen tatsächlich wie ein Gewächshaus.

Dienstag:

Morgens geht es lustig zu, der kleine Moritz freut sich unbändig, uns wiederzusehen, und wir fühlen uns sehr gut aufgehoben hier.

Mittags geht es zum Zahnarzt, und Titus schäkert ganz herzallerliebst mit unserer Zahnärztin, die ihn bei unseren Untersuchungen assistieren lässt.

Den Nachmittag verbringe ich mit Titus im für uns neuen Kinderkunsthaus in Schwabing: Eine echte Entdeckung! Basteln, Trickfilme drehen und Drucktechniken ausprobieren, und schon ist der Nachmittag vorbei.

Am Abend kommen Verena und ich in den Genuss, eine Aufführung von „Salome“ in der Staatsoper besuchen zu dürfen. Es ist wieder einmal ein echtes Erlebnis, und fühlt sich an wie „Nach-Hause-Kommen“. Auch über den legendären schlechten Service im „Brenner“ beim Drink anschließend muss ich nur selig lächeln. 

Mittwoch:

Titus marschiert wie selbstverständlich kreuz und quer durch die Innenstadt mit mir. Er ist sehr entspannt, und ist mit Brezn und hin und wieder einem Eis sehr leicht zufriedenzustellen. 

Besonders begeistert ist er vom Tollwood: Das alternative Sommerfestival im Olympiapark ist am frühen Nachmittag herrlich leer, und im Kinderzelt wird eifrig gebastelt. Der Barfusspfad trifft genau den Geschmack des Juniors, kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen, und München zeigt sich wirklich von seiner besten Seite.

Gemütlich spazieren wir von dort aus zu unserem alten (und nächstes Jahr wieder neuen) Zuhause, begutachten die Fortschritte des Gemeinschaftsgartens, und unser hauseigener Spielplatz ist viel interessanter als noch vor zwei Jahren.

Und wir entdecken vor Titus‘ ehemaliger Kita die Sitzbank, die das gemeinsame Abschiedsgeschenk aller Kindergarten-Kinder vor zwei Jahren war. Inklusive Handabdruck und Name.

Am Abend gesellen sich einige unserer Nachbarn zu uns und in der Nachbarschafts-Pizzeria lassen wir uns Pizza und Wein schmecken, während Titus mit einer schier unüberschaubaren Zahl von Kindern auf der Wiese nebenan spielt und nur hin und wieder aufkreuzt, um einen Happen zu essen oder einen Schluck zu trinken.

Zurück bei den Gastgebern fällt das Kind todmüde ins Bett; für uns gibt es natürlich noch einen ordentlichen Absacker.

Donnerstag:

Am Vormittag steht ein Besuch beim Kinderarzt auf dem Programm. Die Kinderärztin kann sich bestens an Titus erinnern, und die U9 dauert zwar fast eine Stunde, aber Titus ist völlig begeistert von den gestellten Aufgaben und nimmt auch die FSME-Impfung in Kauf, ohne mit der Wimper zu zucken.

Zur Belohnung gibt es eine große Portion Pommes am Kulturstrand, mit den Füßen im Sand und dem Plätschern der Isar in den Ohren verbringen wir schattige Mittagsstunden in Gesellschaft von Birgitta. Nur zwei Trambahnstationen weiter, am Wiener Platz, folgt der nächste „Termin“: mit Laura und Sohnemann Lukas muss der Biergarten erkundet werden, der zum Glück auch einen netten Spielplatz hat. Die Kinder sind selig, die Weißweinsschorle ist süffig und unter den großen Kastanienbäumen sitzt es sich sehr gemütlich.

Leider muss ich pünktlich zur Zahnreinigung und übergebe Titus an Norman, die ich am späten Abend in Allach wiedertreffe, denn wir sind erneut umgezogen und zurück bei Verena und Co. – wieder ist es wie „Nach-Hause-Kommen“!

Freitag:

Den Vormittag verbringe ich mit Titus gemütlich im Garten, bevor wir uns auf den Weg Richtung Innenstadt machen. Der Besuch im Deutschen Museum ist zwar mit knapp zwei Stunden natürlich viel zu kurz, aber keine Sekunde langweilig, und mit Kinderreich, U-Booten und Experimaten zur Funktionsweise von Lunge und Herz absolut kindertauglich.

Wieder steht anschließend eine Schulbesichtigung an, die praktischerweise direkt nebenan liegt. 

Den Nachmittag verbringen wir faul und gemütlich im Allach’schen Garten. Norman und Stefan schicken wir in „Le nozze di Figaro“ in die Oper, denn das Kartenglück war mir sogar erneut hold. Verena und ich füttern die Kinder ab und rufen den freitäglichen Filmabend aus. Bei „Drachenzähmen“ muss gekuschelt werden!


Unsere erste Urlaubswoche in der Heimat ist so schnell verflogen, wir haben viel gesehen, erledigt, viele liebe Menschen getroffen, gut gegessen und viele Stunden in der Sonne verbracht. Ohne Stress, ohne „Pflichten“ – einfach nur mit einem sehr warmen Gefühl im Bauch. Titus ist sehr glücklich bei der Vorstellung, in gut einem Jahr hier wieder dauerhaft zu leben, und ich muss zugeben: München im Sommer ist eine Reise wert. Die Münchner sind herzallerliebst, freundlich und umgänglich, egal ob im Bus, Biergarten, beim Einkaufen oder auf der Straße. Liegt das am sommerlichen Wetter oder war das immer schon so? 


*Zitat von Eugen Roth

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