Ulm, Stuttgart, München, Salzburg: Rundreise

Ulm, Stuttgart, München, Salzburg: Rundreise

Samstag:

Vormittags drehe ich eine ausgiebige Laufrunde und statte dem Trimmdich-Pfad, über den ich als Schulkind bei gefühlt jedem Wandertag gescheucht wurde, einen Besuch ab. Auf dem Heimweg liegen praktischerweise gleich mehrere Bäckereien, so dass ich Titus mit frischen Brezn und Norman mit schwäbischen Seelen überrasche, die er zum Mittagessen ganz traditionell überbacken serviert.

Das Wetter bessert sich deutlich, und unser geplantes Treffen mit einigen unserer Klassenkameraden kann doch draußen stattfinden. Auf dem tollen Abenteuerspielplatz in der Ulmer Friedrichsau vergnügen sich dann auch die insgesamt sieben Kinder (zwischen 3 und 7 Jahren) bestens, so dass wir dazugehörigen Eltern ausgiebig Zeit haben, uns zu unterhalten.

Titus und die gleichaltrige Nina sind sofort ein Herz und eine Seele und lassen sich händchenhaltend in die Pizzeria tragen, wo es beim Essen am großen Tisch mit so vielen Kindern ganz schön wild zugeht. Richtig schön, wie bei einer Großfamilie!

Bis wir wieder zuhause eintreffen, ist es schon später Abend, und Titus geht willig ins Bett. Norman und ich trinken noch ein Glas Wein und genießen das selige Nichtstun.

Sonntag:

Norman muss Koffer packen, denn für ihn geht es abends zurück nach Singapur. Die vielen Einkäufe und Mitbringsel sind so schwer, dass es einiger Umschichtungen Bedarf, damit die Gepäckobergrenze nicht überschritten wird.

Dann heißt es, Abschied nehmen, denn Titus und ich bleiben noch elf Tage länger in Deutschland. Während Norman sich zum Flughafen aufmacht, steigen Titus und ich in den Zug und fahren nach Stuttgart bzw. weiter nach Ludwigsburg.

Dort statten wir Laura, angeheiratete Lieblingscousine und Bloggerin (Heute ist Musik), und ihren Lieben einen Besuch ab; die ganze Familie findet sich zu einem gemütlichen Kaffeeklatsch ein und wir haben uns viel zu erzählen, während sich Titus im Pferdehimmel wähnt und kaum noch von Luises Spielzeugpferd ablässt.

Zum Abendessen gibt es Pizza, bei drei Erwachsenen und vier Kindern am Tisch geht es ganz schön turbulent zu, und bis alle im Bett verräumt sind, dauert es. Leider findet Titus überhaupt nicht in den Schlaf und leistet uns, Hörspiele hörend, am Esstisch Gesellschaft, wo ich mit Laura noch ein Glas Sekt trinke.

Montag:

Bis wir Langschläfer aufwachen, sind sämtliche Kinder schon in die Schule bzw. den Kindergarten verschwunden. Um Laura bei ihrem Homeoffice-Tag nicht allzu lange zu stören, beschließen wir einen Ausflug zum Ludwigsburger Schloß.

Titus erinnert sich mit Begeisterung an unseren Besuch im Märchengarten vom vergangenen September, und freut sich riesig, dass wir noch einmal ausgiebig zu zweit ein paar Stunden dort verbringen.

Der Märchengarten ist wirklich herzallerliebst: in kleinen Häuschen sind viele bekannte Märchenszenen aufgebaut, und berührt man zum Beispiel beim Lebkuchenhaus die Klinke, ruft die Hexe in schönstem Schwäbisch aus dem Fenster heraus: „Knuschper, knuschper knaisle, wer knuschpert an mei’m Haisle?“ Wir fahren mit kleinen Bötchen einmal rundherum, lassen uns vom Froschkönig nass spritzen, füttern den Goldesel (der daraufhin Schoko-Goldtaler auspuckt) und den papierfressenden Drachen und haben richtig viel Spaß. Wer in der Nähe ist, solte unbedingt einmal den Märchengarten besuchen, große Empfehlung!

Vom Schlosspark spazieren wir gemütlich zum Ludwigsburger Bahnhof und sind gut zwei Stunden später wieder zuhause, wo wir es uns mit Eis und Kaffee gemütlich machen.

Anschließend kochen wir zusammen und singen dabei lauthals lustige Kinderlieder; der Rest der Familie freut sich, nach Feierabend einen gedeckten Tisch vorzufinden.

Ich bringe Titus ins Bett, der noch ein wenig Schlaf nachzuholen hat, und bleibe dann direkt bei ihm liegen, denn auch ich bin müde von dem ganzen Trubel der letzten Tage.

Dienstag:

Von 3 bis 4 Uhr sitze ich frühmorgens am Schreibtisch, heute ist wieder einmal Korrekturtag. „Leider“ geht es so flott voran, dass es noch viel zu früh für eine Laufrunde ist. Also lege ich mich wieder ins Bett und schlafe bis halb neun, bevor ich die Joggingschuhe anziehe.

Es ist wieder einmal herrlich, und der Sommer kehrt eindeutig zurück. Nach einer Stunde komme ich nassgeschwitzt und ausgepowert, aber zufrieden nach Hause und lasse mir auf dem Balkon das Frühstück schmecken.

Heute hat meine Mama Geburtstag, und Titus möchte unbedingt einen Kuchen backen. Gesagt, getan, unser Banana Bread gelingt sehr gut, dank der musikalischen Untermalung durch die besten Kinderdisco-Hits.

Am Nachmittag finden sich zum Geburtstagskaffeeklatsch meine Tante und meine Oma ein, zu Kaffee und Kuchen gibt es natürlich auch ein Gläschen Sekt und die Wangen röten sich.

Zur Feier des Tages kehrt die ganze Familie abends in die Lieblingspizzeria ein, Titus marschiert die zwanzig Minuten hin und zurück ohne Murren. Leider scheint ihm irgendetwas auf den Magen geschlagen zu haben, und er muss dringend ins Bett, so dass wir die lustige Runde, die sich im Garten zusammenfindet, um noch auf das Geburtstagskind anzustoßen, ziemlich schnell verlassen müssen.

Mittwoch:

Zum Glück wacht Titus heute relativ früh auf und ist quietschfidel, so dass wir ausreichend Zeit zur Verabschiedung haben. Während er sich bereits auf den Besuch des Kindertheaters freut, steige ich um 10 Uhr in den ICE nach München. Zugfahren ist toll, bis wir ankommen, habe ich alle Arbeitsaufträge erledigt und kann wohlgemut meinen Koffer am Bahnhof einschließen.

Ich verbringe fast zwei Stunden beim Besuch meines ehemaligen Arbeitsgebers, wo ich ausgiebig mit den Kollegen quatsche. Am meisten freue ich mich über das deutlich ausgesprochene Job-Angebot meiner Chefin; gut zu wissen, dass ich nach unserer Rückkehr einen Arbeitsplatz habe.

Beschwingt bummle ich anschließend bei schönstem Wetter durch die Hohenzollernstraße, die schönste Shoppingmeile Münchens. Ganz ohne Zeitdruck gucke ich mir Schaufenster an und genieße einen Cappuccino in der Sonne, plaudere mit den Nebensitzern im Cafe und muss zugegeben, dass dieses Schwabing schon ziemlich toll ist.

Nicht so gut gefällt mir danach der Bummel durch die Fußgängerzone in der Sendlinger/Kaufinger Straße, hier ist viel zu viel los und die Touristenmassen schieben sich über den Marienplatz.

Um halb sieben treffe ich mich in der netten Bar „Cole & Porter“ mit den Lieblingsfreunden Regina, Steffi und Andi. Im lauschigen Innenhof leeren wir Flasche um Flasche Weißwein und haben sehr viel Spaß miteinander. Bis Regina und ich in ihrer Wohnung in Pasing an- und ins Bett kommen, ist es schon fast halb zwei.

Donnerstag:

Nach dem feuchtfröhlichen Abend fällt das Aufstehen schwer, doch Regina muss pünktlich zur Arbeit und ich nutze den freien Vormittag für ein paar Arbeitsstunden und telefoniere mit Titus, der mir aufgeregt von seinem ereignisreichen Tag (Kindertheater! Besteigung des „Oma Münsters“! Konzertbesuch bei der Big Band, in der der hochverehrte Lieblingsonkel mitspielt!) berichtet und dabei zum Frühstück die selbstgemachten Spätzle der Oma mampft.

Zum Mittagessen fahre ich ins große Verlagsgebäude von Random House im Osten der Stadt, wo ich mich mit Regina in der ganz wundervollen Kantine treffe und anschließend am Ostbahnhof in den Zug nach Salzburg steige. Darin halte ich ein ausgiebiges Nickerchen, die kurze Nacht steckt mir merkbar in den Knochen. Als ich aufwache, zeigen sich bereits die Alpen vor dem Fenster, und kurz darauf fahre ich über die Salzach im Salzburger Bahnhof ein.

Mit Franziska und ihrem Mann Thomas genießen wir einen Aperitif mitten in der Altstadt vor dem Mozart-Wohnhaus. Sehr mediterran, im Abendlicht einen (oder zwei) Campari zu trinken! Nach einem Abendessen und sehr netten Gesprächen fallen wir alle gegen Mitternacht ins Bett.

Freitag:

Bereits um halb neun sitze im mit Franziska im Auto und wir fahren Richtung Berge. Nach einer knappen Stunde stellen wir den PKW auf dem Waldparkplatz ab und machen uns an den Aufstieg. Trotz Wochentag und früher Stunde sind bereits einige Wanderer unterwegs, die wir wegen Franziskas überaus flottem Gehtempo aber problemlos hinter uns lassen.

Nach gut zwei Stunden (und zwei Blasen an den Fersen – offenbar bin ich meine Wanderschuhe nicht mehr gewöhnt) durch Wald, Blumenwiesen, Pferdeweiden und steile Felsstufen erreichen wir den Gipfel der Regenspitz.

Leider herrscht dort eine unglaubliche Fliegenplage, so dass wir nur kurz ein Foto schießen und unsere Brotzeit lieber etwas unterhalb auspacken. Zur Belohnung für unsere Mühen kehren wir in der Feichtenbergalm ein und lassen uns Weißbier und köstlichen Marillen-Strudel schmecken.

Gegen halb drei am Nachmittag erreichen wir das Auto und fahren bis zum Fuschlsee. Im eiskalten Wasser bekommen wir an diesem überaus sonnigen Tag eine ziemlich willkommene Abkühlung, und mit so einem tollen Blick über die liebliche Berglandschaft vergeht der Nachmittag wie im Fluge.

Gegen 17 Uhr setzt Franziska mich in Salzburg am Bahnhof ab, wo ich mit ungefähr 800 Wartenden entsetzt verfolge, wie der Zug nach München schlichtweg und ohne Angabe von Gründen ausfällt. Na toll.

Immerhin dürfen wir mit der S-Bahn bis Freilassing fahren, dort funktionert das deutsche Handynetz wieder und ich kann mir die Wartezeit von über einer Stunde wenigstens gut vertreiben. Mich plagt ein fürchterlicher Hunger, und bis ich bei Regina in Pasing eintreffe, ist es halb neun und ich brauche dringend etwas zu essen. Zum Glück hat sie in weiser Voraussicht bereits Sushi geordert, die Champagnerflasche wird geköpft, und wir verbringen einen gemütlichen Abend auf ihrem Sofa – bis fast 2 Uhr wird gelacht und gequatscht.

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