Unser Wochenende auf Koh Lipe

Unser Wochenende auf Koh Lipe

Unser Samstag beginnt früh. Bereits um kurz vor sieben Uhr räkelt sich Titus unter dem Mückennetz, ich bin eh schon längst wach, geweckt vom Rauschen der einsetzenden Flut und den lauthals krakeelenden Vögeln.
Wir machen es uns auf einer der gemütlichen Sitzecken bequem und genießen ein sehr entspanntes Frühstück. Titus hört Bibi&Tina-Folgen und ich kann kaum aufhören zu lesen.

Auch der zweite Teil von Kevin Kwans Singapur-Romanen, „China Rich Girlfriend“, ist urkomisch, und enthält sicher weit mehr als ein Fünkchen Wahrheit über die Superreichen Asiens.

Titus ist in diesem Resort so entspannt, dass er auf eigene Faust das ganze Gelände erkundet und überhaupt keine „Betreuung“ braucht, sondern sich völlig selbstverständlich selbst beschäftigt, während ich eine Yogastunde besuche. Die Yogastunden werden hier dreimal täglich angeboten, und da sich deutlich spürbar die Nebensaison anbahnt, bin ich die einzige Schülerin und bekomme quasi eine Privatstunde. Leider spricht die Yogalehrerin Englisch mit so krassem Thai-Akzent, dass ich praktisch kein Wort verstehe und mir meist selbst zusammenreime, was sie von mir will…

Titus hat derweil die restliche Familie ausfindig gemacht, lässt sich in der Hängematte schaukeln, sortiert seine gesammelten Muschelschätze und macht einen etwas müden Eindruck. Ich nehme meinen Arbeitsplatz im Cafe ein und kann kaum fassen, dass ich das Glück habe, mit einem solchen Blick arbeiten zu dürfen. Besser geht Home Office nicht.

Es ist schier unerträglich heiß heute, dicke Wolken ziehen am Himmel auf und es wird zunehmend schwül. In der größten Mittagshitze spaziere ich mit Titus auf die andere Seite der Insel, bis wir dort angekommen, rinnt uns der Schweiß in Strömen von der Stirn.
Wir haben einen mehrstündigen Schnorchelausflug gebucht, und ich freue mich auf Abkühlung und eine frische Brise. Diese kommt schneller als erwartet: Kaum haben wir mit acht anderen Ausflüglern das hölzerne Longtail-Boot bestiegen und nehmen Kurs auf das offene Meer, beginnt es heftig zu regnen, und der dazugehörige Wind lässt uns frösteln.
Zum Glück ist das Meerwasser so warm, dass wir uns bei den beiden Schnorchel-Pausen tatsächlich aufwärmen können. Titus ist mit Schwimmweste gesichert und paddelt derart begeistert über den Korallenriffen umher, dass ich mit richtig anstrengen muss, ihn wieder einzufangen, bevor er gegen eines der vielen ankernden Boote schwimmt.
Wir sehen Heerscharen von Clownfischen in ihren Anemonen, Zebrafische, Papageienfische, riesige schwarze Seeigel und Muscheln, Halfterfische – es ist wie im Aquarium.
Nur der zunehmende Wellengang macht mir ein wenig Sorgen, und es gelingt nur mit der tatkräftigen Hilfe der Mitfahrer, Titus am Ende der Schnorchelzeit über die rutschige Leiter wieder ins Boot zu bugsieren.

Zurück an Bord werden wir ziemlich durchgeschüttelt, und da ich zu Seekrankheit neige, halte ich meinen Blick krampfhaft auf die Küste der vielen Inselchen gerichtet. Die Pause, die wir am Strand der unbewohnten Insel Koh Rawi einlegen – alle Inseln rund um Koh Lipe sind Teil des Tarotua Nationalparks – kommt da gerade recht. Inzwischen lässt sich auch die Sonne wieder blicken, und wir genießen die Wärme und den festen Boden unter den Füßen. Der weiße, pudrige Sand lädt zum Buddeln und Toben ein, wir stärken uns mit frischer Wassermelone und Ananas und fühlen uns danach bereit, die letzte Schnorcheletappe anzufahren.
Inzwischen sind die Wellen so hoch, dass die vorne sitzenden ständig nass werden. Unser Bootsführer hält nach einer halbstündigen Fahrt mitten auf dem Meer an einem mit Bojen abgesteckten Bereich an, hier soll es wohl besonders schöne Weichkorallen zu sehen geben. Doch bei dem Wellengang und den Erlebnissen mit der heftigen Strömung von meinen Tauchgängen entscheide ich mich, mit Titus im Boot zu bleiben – auf offenem Meer lasse ich ihn nur ungern schwimmen. Die anderen Schnorchler geben mir nach wenigen Minuten im Wasser recht, alle kehren nach kürzester Zeit zurück, und wir machen uns auf den Rückweg.

Titus döst vor Erschöpfung trotz lautem Motorenlärm und magenumdrehendem Geschüttel ein und mir ist sehr flau, als wir am frühen Abend endlich wieder den Steg von Koh Lipe erreichen.
Immerhin hat der Regen die Luft tatsächlich etwas abgekühlt und nach einer erfrischenden, ausgiebigen Dusche im Hotel und einem Aperitif geht es mir deutlich besser.
Zum Abendessen kehren wir in eines der kleinen Grill-Restaurants an der Hauptstraße ein, lassen uns Papaya Salat, Massaman Curry bzw. für Titus die obligatorischen Pommes schmecken; auch ein Eis auf dem Nachhauseweg darf nicht fehlen.

Während Norman mir von den heftigen Unwetter berichtet, die Singapur heimgesucht haben, zieht über Nacht auch über Koh Lipe ein Gewitter und Sturm auf, der sich in Dauerregen und Windböen entlädt, die die Kokosnüsse im Minutentakt auf den Boden fallen lassen.

Ich liege stundenlang wach und befürchte das Schlimmste, was unsere Überfahrt nach Langkawi am Sonntag Mittag angeht.
Doch bis zum Morgen ist das Unwetter in einen leichten Nieselregen übergegangen, und das Meer sieht erstaunlich ruhig aus.
Mein Rucksack ist schnell gepackt, und so haben wir genug Zeit, beim Frühstück ausgiebig zu lesen und den Blick auf Strand und Meer zu genießen. Endlich ist es auch nicht mehr ganz so heiß!

Gegen 11 Uhr geht es mit dem Motorradtaxi zum Pattaya-Beach, dort findet in einem recht ungeordneten Procedere der Check In für die Fähre nach Langkawi sowie die Passkontrolle mit Ausreise aus Thailand statt.

Nach einem Blick auf den Strand, der inklusive Anlegesteg von heftigen Wellen komplett überspült ist, bin ich sehr erleichtert, dass wir offenbar von der anderen Inselseite aus ablegen. Das bedeutet allerdings, dass 150 Passagiere zu Fuß durch die Hitze eine knappe halbe Stunde Fußmarsch zurücklegen müssen. Wenigstens das Gepäck wird per Auto transportiert. Am Ende landen wir wieder an „unserem“ Strand, von dem wir zwei Stunden vorher aufgebrochen sind.
Bis nach und nach alle Passagiere mit ihren Gepäckstücken auf die kleinen Longtailboote verladen sind – es passen bei jeder Fuhre nur maximal 16 Personen darauf, und so mancher holt sich beim Einsteigen in den Wellen eine nasse Hose – dauert es mal wieder. Die Bootscrew hat die Ruhe weg, und ich überschlage im Kopf schon die Möglichkeiten, die wir haben, sollten wir unser Flugzeug in Langkawi verpassen.

Endlich dürfen auch wir zur Überfahrt antreten und besteigen die gut 200 Meter vor der Küste ankernde Fähre, die mit einer guten halben Stunde Verspätung denn auch endlich volle Fahrt aufnimmt. Das führt bei dem aufgewühlten Meer zu heftigen Stößen, die bei Titus und mir zu sehr flauen Mägen führen. Wir sind froh, dass wi nach einer guten Stunde den Telaga Hafen in Langkawi ansteuern.
Außer uns müssen noch ein paar andere Passagiere Flüge erwischen, und wir schaffen es dann auch tatsächlich zügig durch die erneute, malaysische Passkontrolle. Während meine Tante und mein Onkel noch auf ihren Stempel warten, komme ich schon mit einem Taxifahrer ins Geschäft, der uns dann auch auf dem schnellsten Weg zum Hotel bringt, in dem der Rest der Reisegruppe drei weitere Nächte verbringen wird. Nach herzlichem Abschied düsen Titus und in weiter Richtung Flughafen, der zum Glück nur wenige Minuten Fahrt entfernt ist. Exakt zwei Stunden vor Abflug betreten wir das Abflugterminal, und als dann der Check-In und die Gepäckabgabe erfolgreich erledigt sind, fällt mir ein Stein vom Herzen.

Langkawis Flughafen ist winzig, zu Fuß geht es zum Flieger, der dann auch überpünktlich abhebt und uns zurück nach Singapur bringt.

Neun Stunden nach unserem Aufbruch im Hotel heute Vormittag betreten wir abends um viertel vor neun unsere Wohnung, wo wir von Norman mit selbst gekochtem Abendessen erwartet werden. Titus schläft danach praktisch sofort ein, und auch ich bin ziemlich erledigt.
Reisen ist manchmal eben nervenaufreibend, vor allem solche Tage wie heute finde ich anstrengend – aber sie sind jede Minute wert!



Wenn Ihr wissen wollt, wie andere Blogger ihr Wochenende verbracht haben, schaut wie immer bei den Großen Köpfen vorbei! 

2 Replies to “Unser Wochenende auf Koh Lipe”

  1. Hallo, ich habe Deinen Blog letzte Woche entdeckt und lese gerade sehr begeistert darin. Und das Fernweh packt mich dabei gehörig. Liebe Grüße aus dem gerade so gar nicht tropischen Ruhrgebiet, Simone

    1. Liebe Simone,
      wie schön, dass Du hier mitliest! Habe gleich bei Dir in der Bücherecke gestöbert – das Kinderbuch über Evolution ist genau das Richtige für unseren Sohn, das Thema beschäftigt ihn gerade sehr. Das werde ich beim nächsten Heimatbesuch besorgen.

      Liebe Grüße, Nadine

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