Philippinen: von Coron nach Cebu

Philippinen: von Coron nach Cebu

Während Norman einen weiteren Tag beim Tauchen verbringt, lassen Dennis, Titus und ich unseren Aufenthalt in Coron bei einem sehr gemütlichen Pool-Tag im Hotel ausklingen. Hin und wieder regnet es, aber das tut der Badebegeisterung von Titus keinen Abbruch.


Auch am Abend zeigt sich, dass die Wahl der Altrovo-Pizzeria ein Glücksgriff ist: die Pizzen sind ausgesprochen gut, die Flasche Wein kostet nur ein paar Euro, und als wir das Restaurant verlassen, reicht die Schlange der auf einen Tisch Wartenden die ganze Straße entlang.

Nach sechs Tagen verabschieden wir uns am Freitag MIttag aus Coron, per Shuttle-Bus geht es bei heftigem Regen in rasanter Fahrt zurück zum Flughafen. Der ist winzig, die vier Schalter für die vier lokalen Fluglinien sehen eher provisorisch aus, und der Wartebereich bietet längst nicht allen einen Platz. Wegen des heftigen Gewitters scheinen sämtliche Flüge Verspätung zu haben, nach und nach werden die Passagiere in zum Teil sehr kleinen Maschinen in alle Richtungen und philippinischen Inseln verfrachtet.

Die Flughafenmannschaft scheint ihren Job dabei nicht allzu ernst zu nehmen, beim Einweisen und Entladen der Maschinen wird ganz schön viel Quatsch gemacht, wie wir durch die Fensterfront gut beobachten können.


Endlich heben auch wir mehr als zwei Stunden später als geplant mit der Propellermaschine ab, wegen der dichten Wolkendecke ist der Flug nicht sonderlich komfortabel, und ich bin froh, als wir nach einer guten Stunde endlich in Cebu landen.

Nur gut zehn Minuten später verlassen wir mit unserem Gepäck das Flughafengebäude und werden am Ausgang bereits vom Abholservice erwartet. Unser Fahrer knurrt uns nur ein kurzes „Vier Stunden Fahrt!“ und „Zwei Stunden Verspätung!“ entgegen und stürzt sich dann in den dichten Verkehr. Allein, um aus der Millionenstadt hinaus zu kommen, brauchen wir mehr als eine Stunden, in der wir nur schrittweise vorankommen. Auf der mehrspurigen Hauptstraße drängen sich Autos, Motorroller und -räder sowie die philippinische Variante der Sammeltaxis zusammen, die ungefähr so groß wie Sprinter sind und in denen locker über 20 Fahrgäste dicht an dicht Platz finden.
Endlich lässt der Verkehr nach, was unser immer noch wortkarger Fahrer zum Anlass nimmt, das Tempo anzuziehen und in der Dunkelheit ständig waghalsige Überholmanöver auf der unbefestigten Landstraße zu vollführen. Ich sitze mit Titus auf dem Beifahrersitz und schließe des Öfteren die Augen, wenn uns wieder einmal wie aus dem Nichts ein Tuktuk ohne Beleuchtung entgegenkommt oder ein Lastwagen ohne Standlicht halb auf unserer Spur parkt. Kinder und Jugendliche spazieren ungerührt des Verkehrs am Straßenrand entlang, Hunde schlafen zusammengerollt teilweise mitten auf der Fahrbahn, und ich spiele vor meinem inneren Auge sämtliche Unfallvarianten durch.
Doch es geht noch schlimmer: Nach zwei Stunden biegen wir von der Küstenstraße ab und überqueren einmal die Insel. Dabei geht es im Höllentempo über Hügel, Haarnadelkurven inklusive. Diese halten unseren alternden Rennfahrer aber nicht davon ab, das Tempo unvermindert beizubehalten und lieber alle paar Meter voll in die Eisen zu steigen. Mir wird zunehmend übel, Titus ist zum Glück in seine Hörspiel-Geschichten vertieft, und Norman befindet sich derweil mitten in einer beruflichen Telefonkonferenz, während Dennis das Ganze offenbar mit Humor nimmt.
Irgendwann bleibt mir nur noch, dem Fahrer ein „Please, stop!“, zuzurufen und mich im Straßengraben zu erleichtern, während der Rest der Reisetruppe den unfreiwilligen Halt für eine Pause nutzt.
Da ich ein wenig mehr Platz und Luft brauche, übernimmt anschließend Norman auf dem Beifahrersitz die Betreuung von Titus, während ich vom Mittelsitz hinten die Straße im Auge behalte. Der Fahrer nimmt ungerührt wieder volles Tempo auf, und reagiert auch nicht auf meine Bitten, doch etwas weniger schnittig zu fahren. Das geht ungefähr zwanzig Minuten lang gut – bis Titus ohne Vorankündigung sämtliches Essen von sich gibt. Auch jetzt hält der Raser erst auf unsere eindeutigen Bitten hin an, und während wir zu dritt das Kind und das Auto mit Wasser und Feuchttüchern säubern und Titus frisch einkleiden, sitzt unser Fahrer ungeduldig am Steuer und scheint unbeeindruckt von der Sauerei zu sein.

Um kurz vor 22 Uhr erreichen wir endlich unser Hotel und verlassen schleunigst das miefende Gefährt. Nun wird dessen Besitzer aber doch gesprächig, schließlich will er nun Geld für die Reinigung des Autositzes von uns. Als auch das erledigt ist, beziehen wir unsere zwei hübschen Bungalows, machen uns unter Dusche gründlich frisch, waschen verschmutzte Kleidung aus und verfrachten das völlig fertige Kind ins Bett.
Zum Glück hat die Hotelbar noch geöffnet, und nach den Strapazen der Anreise benötigen wir dringend noch einen Absacker, den wir auf der Terrasse genießen, während das Meer rauscht und die Geckos rufen. Das Abendessen lassen wir heute alle ausfallen, Hunger hat definitiv keiner mehr…

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