Unser Wochenende: Walzer, Briefmarken, Party und Konzert

Unser Wochenende: Walzer, Briefmarken, Party und Konzert

Entwarnung: Titus ist bereits am Freitag Mittag wieder quietschfidel und hält mich mit Bastelarbeiten auf Trab. Nach einem akuten Hungeranfall (der nur mit Grießknödelsuppe gestillt werden kann), scheint die Krankheit passé zu sein. So hatten wir eigentlich nicht gewettet!

Immerhin kann ich das Kind überreden, neben Malen und Basteln die Aufzeichnung des Wiener Opernballs vom Abend vorher anzusehen – für mich ein jährlicher Pflichttermin!

Bis zum Nachmittag ist Titus jedenfalls wieder völlig hergestellt und kann zur Klavierstunde gehen. Dort fragt mich die Klavierlehrerin, ob ich ihr bei der Bestellung eines musikpädagogischen Fachbuches behilflich sein könnte, welches von einer Salzburger Professorin verfasst wurde – und in Singapur nicht auffindbar ist bzw. nur mit horrenden Versandkosten bestellt werden kann. Wenige Klicks später ist die Bestellung über meinen Account beim deutschen Online-Buchhändler getätigt, meine Eltern reisen nächste Woche an und bringen das Buch dann einfach mit. Große Freude!

Titus hat schon wieder Hunger und freut sich unbändig, dass wir mit unseren Besuchern und ein paar weiteren Bekannten aus Deutschland zum Abendessen zu „unserem“ Food Centre, dem Newton Hawker, spazieren. In großer Runde lassen wir uns dort die Köstlichkeiten schmecken: indisch, chinesisch, malaysisch – für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Am Samstag verabschiedet sich Norman mit unseren Besuchern, denn auf meine Empfehlung haben haben sich alle für einem Food Hop bei Veg This City angemeldet, die ich vor einem halben Jahr gemacht habe – und schwerst begeistert war!

Titus und ich bleiben zuhause und entrümpeln das Kinderzimmer. Nachdem die gesamte Familie im Marie Kondo-Fieber ist, müssen heute Spielsachen daran glauben. Wir kommen erstaunlich gut voran, nach einer Stunde haben wir eine Mülltüte zur Entsorgung und einen Stapel zum Weiterverschenken aussortiert. Jetzt ist Platz für Neues!

Um keinen Stubenkoller zu bekommen, fahren wir anschließend mit dem Bus in die Innenstadt und statten dem Singapore Philatelic Museum einen Besuch ab. Dieses wird ab dem 18. März für ein Jahr wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, letzte Chance also für uns!

Auch wenn ich Briefmarken nicht allzu viel abgewinnen kann, ist die Ausstellung über Singapurs Postsystem interessant. Titus ist fasziniert davon, wie lange früher die Beförderung eines Briefes von Singapur nach Europa gedauert hat (117 Tage). Heute braucht unsere Post nur noch maximal eine Woche.

Vor allem der Raum mit den Sondereditionen sorgt bei uns für große Belustigung: aufgedruckte Hologramme und 3D-Effekte oder besondere Materialien wie Fußballleder und Seide wurden für die besonderen Briefmarken verwendet. Es gibt welche mit Geruch – und auch mit Geschmack.

Im Erdgeschoss ist momentan, die dem Buch „Der Kleine Prinz“ und seinem Autor gewidmet ist. Antoine de Saint-Exupéry war nicht nur ausgebildeter Pilot, der eine Luftfracht- und Postlinie in Argentinien einrichtete, sondern auch ein leidenschaftlicher Briefschreiber.

Während ich also die vielen Briefe von Saint-Exupéry lese, die seine Lebensgeschichte und die Entstehungsgeschichte seines erfolgreichsten Werkes abbilden, beschäftigt Titus sich ausgiebig mit dem Kleinen Prinzen.

Allerdings ist es ihm ein wenig unheimlich, dass außer uns kaum andere Besucher im Museum sind – er hat sichtlich Angst, dass wir die Schließzeit übersehen haben und nun dort eingesperrt sind. Zum Glück gibt es genug Mitmachangebote für Kinder:

Auf einer Tafel zeichnet er ein Schaf und durchschaut praktisch sofort, dass es sich bei der berühmten Abbildung auf der ersten Seite des Buches NICHT um einen Hut handeln kann: „Da ist doch ein Auge, das muss ein Tier sein.“

der kleine prinz on Tumblr

Groß ist die Freude, als wir in Glaskasten neben Übersetzungen in viele, viele Sprachen auch eine deutsche Version der Geschichte finden, die ich Titus dann auch gleich vorlese.

Der bekannteste Satz „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ ist in einem eigenen Raum stimmig umgesetzt. Der Raum ist nur äußerst spärlich beleuchtet, wir bekommen Augenmasken und werden an der Hand einer blinden Museumsführerin herumgeführt. Sie weist uns an, die ausgestellten Skulpturen mit den Händen zu ertasten und zu erraten, um welche Buchfigur es sich dabei handelt. Titus ist die Sache ein wenig unheimlich und er spickt unter seiner Maske hervor, hält sich aber eisern an der Hand unserer Expertin fest. Eine tolle Idee und eine spannende Erfahrung!

Nach zwei Stunden haben wir genug und fahren per Bus nach Hause. Titus teilt sich die vorderste Bank oben im Doppeldeckerbus mit einem gleichaltrigen Mädchen, die beiden genießen sichtlich die Aussicht.

Norman, Tina und Tomo kommen am Nachmittag mit vollen Bäuchen nach Hause und brauchen eine Pause, um die Mengen an Essen zu verdauen.

Am Abend finden wir uns im Party House des D’Leedon Condos ein. Normans Arbeitskollege hat Geburtstag, und seine Frau hat eine Überraschungsparty organisiert. Die Freude des Geburtstagskinds ist dann auch riesig groß, und wir verbringen einen schönen Abend bei gutem Essen, netten Gesprächen und ausreichend Getränken.

Titus vergnügt sich fast die gesamte Zeit im Pool mit den anderen Kindern, er taucht nur hin und wieder auf, um sich ein Stück Kuchen in Windeseile in den Mund zu schieben.

Da der Samstag doch ein ziemlich mit Programm beladener Tag war, lassen wir es am Sonntag ruhig angehen. Es wird gespielt, gebastelt und im Pool geschwommen, während Tomo ständig seine Kamera in der Hand hat, um ein paar schöne Alltags-/Familienfotos von uns zu schießen – das macht er nämlich beruflich, und ich bin jetzt schon gespannt auf das Resultat.

Als unsere Mägen knurren, fahren wir nach Little India und lassen uns bei Ananda Bhavan Samosa Chat, Papdi Chat und Dosas schmecken.

Sonntags ist hier im Viertel immer irre viel los, ganz Little India ist auf den Beinen, doch wir wagen uns gestärkt trotzdem in meine persönliche Einkaufshölle, das große Kaufhaus „Mustafa„. Zwar finde ich nicht einen einzigen Artikel von meiner Einkaufsliste, kaufe aber dann eben irgendwas anderes, das ich schon längst haben wollte. Tina und Tomo sind sehr angetan von diesem leicht anarchischen, chaotischen, engen und vollen Shoppingtempel, und wenn Baby Noah nicht lautstark nach Nahrung verlangen würde, würden wir wahrscheinlich immer noch von Stockwerk zu Stockwerk und durch die Gänge irren.

Zuhause bereite ich schnell ein Picknick vor (dieser Salat hier ist mein absoluter Favorit, da er nicht matschig wird), packe einen Rucksack, und gegen halb fünf machen wir uns auf den Weg in den Botanischen Garten. Ohne Norman, der sich zeitgleich Richtung Flughafen aufmacht, da er geschäftlich nach Jakarta muss.

Im Botanischen Garten findet auf der Seebühne heute mal wieder Gratiskonzert statt. Der taiwanesische Pop, der heute auf dem Programm steht, ist gar nicht so übel, die Jungstars geben jedenfalls alles, die Regenwolken verziehen sich, Titus tobt mit einem neu gefundenen Freund über die Wiesen und ist bald klatschnass geschwitzt und wir lassen uns das Essen schmecken und genießen die Atmosphäre mitten im dichten Grün des Parks.

Einen Spaziergang und eine Busfahrt später sind wir pünktlich zuhause zur Bettgehzeit zuhause, Titus eilt freudig voraus, darf er doch heute an Papas Stelle bei mir im Bett schlafen. Das habe ich als Kind auch immer sehr genossen! Kaum ist er eingeschlafen, klingelt es auch schon an der Tür, ein Bote bringt wie jeden Sonntag Abend den Wocheneinkauf, und damit ist das Wochenende offiziell beendet!


Mehr Wochenenden in Bildern gibt’s auf dem Blog Große Köpfe!

4 Replies to “Unser Wochenende: Walzer, Briefmarken, Party und Konzert”

    1. Ich fand es wieder mal sehr schön: Der Blumenschmuck! Die Kleider! Die Moderatoren! Das Ballett! Die Netrebko!
      Unser japanischer Gast Tomo war ebenfalls schwer begeistert und möchte nun seinen Sohn in 20 Jahren dort debütieren lassen…

  1. ja sehr schön, dann sind wir uns in der Beurteilung sehr ähnlich, noch deine fachliche Beurteilung zu Netrebkos Mann ? Da singt doch Netrebko – bei allem Respekt – in einer anderen Liga ?

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