Unser Wochenende: Yogyakarta

Unser Wochenende: Yogyakarta

Am Samstag morgen um 9 Uhr steigt die fünfköpfige Großfamilie mit Koffern und Taschen ins Taxi – das zum Glück ein Raumwunder ist, wir kriegen alles problemlos unter und fahren die Panoramastrecke (entlang der East Coast) zum Flughafen.

Wie stets ist der Singapurer Flughafen ein echter Wohlfühlort: Alles geht blitzschnell, so dass genügend Zeit ist, in den gemütlichen Sesseln mit Blick auf die Landebahn einen Kaffee zu genießen.

Wir heben pünktlich ab und landen gut zwei Stunden später in Yogyakarta, mitten auf der indonesischen Insel Java gelegen.

Mein Stolz, diese zweiwöchige Rundreise auf eigene Faust komplett durchorganisiert zu haben, bekommt bereits nach dem Verlassen des Flughafengebäudes einen herben Dämpfer. Das vorbestellte (und vorab bezahlte!) Taxi ist nicht da. Mehrmalige Anrufe beim Fahrer lehren uns Geduld, denn er vertröstet uns stets auf wenige Minuten Wartezeit. Nach einer Stunde endlich kommt ein zahnloses, gebeutetes Männlein auf uns zu: endlich ist unser Abholservice da. Leider hat er vor lauter Planlosigkeit sein Auto am anderen Terminal geparkt, Titus und ich marschieren also knapp zwei Kilometer hinter ihm her, um ihm dann mit Händen und Füßen (des Englischen ist er leider kaum mächtig) zu bedeuten, dass er den Rest der Familie – und vor allem das gesamte Gepäck – doch jetzt bitte mit dem Auto am richtigen Treffpunkt abholen möge. Wir sind erleichtert, als wir endlich im klimatisierten Fahrzeug Platz nehmen. Die Fahrt hinein ins Stadtzentrum von Yogyakarta stellt sich allerdings als weitere Geduldsprobe heraus, es geht nur sehr zäh voraus. Immerhin können wir die waghalsigen Überholversuche der Rollerfahrer aus nächster Nähe beobachten. Unser Fahrer hat keine Ahnung, wo unser Hotel ist, aber dank Datenroaming und Google Maps lotsen wir ihn in die richtige Seitenstraße und verlassen fluchtartig das Auto.

Das Griya Wijilan Syriah Hotel ist ruhig, schön und mitten im Stadtzentrum, wie wir beim Erkundungsspaziergang feststellen. Zwar hat der Sultanspalast nebenan schon geschlossen, aber wir wollen uns bewegen und spazieren die Jalan Malioboro entlang. Auf der Straße brausen Roller und selbst zusammengeschweißte Fahrradrikschas an uns vorbei, auf den Gehwegen drängeln sich die Menschen: Hier ist richtig was los!

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

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Zur Abkühlung gehen wir ins Sonobudoyo Museum und bestaunen javanesische Kunstgegenstände, bevor wir uns weiter ins Getümmel stürzen. Straßenmusiker spielen auf aus Bambus gezimmerten Instrumenten javanesische Musik, überall werden Grillfeuer entfacht und Spieße gebraten, an jeder Ecke versuchen Straßenverkäufer, Titus mit Seifenblasen oder albernem Spielzeug anzulocken, und wir kommen aus dem Gucken und Staunen gar nicht mehr heraus.

Zum Glück macht Norman bald eine in einer ruhigeren Ecke gelegene Bar ausfindig, wo wir uns frische Kokosnuss und Bintang-Bier schmecken lassen und die vielen neuen Eindrücke verarbeiten. Alkohol ist hier auf der streng muslimischen Insel zwar nicht überall und auch nicht spottbillig, aber immerhin günstiger als in Singapur zu bekommen. Also decken wir uns im Supermarkt noch mit ein paar Getränken und Snacks ein und besteigen anschließend wagemutig zu fünft zwei der auf Mopeds montierten Rikschas. Damit wird der weite Heimweg zu einem großen Spaß, nur Titus ist am Ende beleidigt, weil „seine“ Rikscha nicht als erste das Ziel erreicht hat.

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Wir lassen den Abend bei Kartenspielen im Hotel ausklingen, während aus der Moschee nebenan der Muezzin ohrenbetäubend laut singt.

Das tut er dann auch um fünf Uhr morgens erneut, alle außer Titus werden davon wach. Während ich schon um sieben Uhr bei einer Tasse Schwarztee im Innenhof sitze, pennt der Junior noch eine Stunde weiter und mäkelt dann über das Frühstück: Tempeh, indonesisches Bohnengemüse mit Omelett mag er nicht, stattdessen knabbert er Kokoskekse.

Um halb neun werden wir abgeholt und starten unseren vorab gebuchten Tagesausflug im Taman Sari Wasserschloss. Hier verbrachte der Sultan von Java gerne die heißen Sommermonate, die Räume sind kühl und das große Wasserbecken im Inneren brachte zusätzliche Erfrischung.

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Der Blick vom Dach zum Vulkan Merapi ist beeindruckend, und unsere anschließende Suche nach der unterirdischen Moschee führt uns durch entzückende enge Gässchen. Vor jeder noch so winzigen und ärmlichen Behausung hängen handgezimmerte Holzkäfige, aus denen Singvögel laut zwitschern, es grünt und blüht und jedermann grüßt freundlich.

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In den Tunneln der Moschee lässt es sich vorzüglich spielen, Titus ist schwer begeistert und hat keinen Blick für den Rest des Gebäudes.

Inzwischen haben sich graue Wolken am Himmel gebildet, und es beginnt zu regnen, was eine willkommene Abkühlung bringt. Nach einer Stärkung mit frischgepressten Fruchtsäften erkunden wir den Sultanspalast. Der kühle Wind, der durch die Innenhöfe weht, lässt uns fast ein wenig frösteln, und der Aufführung von Gamelanmusik lauschen wir nur kurz. Nachdem wir Titus lang und breit Sinn und Zweck einer ausgestellten Sänfte erklärt haben und den Palast von vorne bis hinten besichtigt haben (bis auf die Gemächer, in denen der Hausherr aktuell residiert und den Sonntag verbringt), steigen wir ins Auto. Inzwischen ist es Mittagszeit und der Hunger meldet sich. Die knapp 40 Kilometer nach Borobudur dauern eineinhalb Stunden, der Verkehr ist wirklich verrückt, und wir sind alle sehr erleichtert, als wir die Umgebung merklich grüner und bergiger wird und wir endlich auf den Hof eines Restaurants einbiegen.

Dort erwartet uns ein köstliches indonesisches Festessen, Schüsseln mit Suppe, eingelegtem Gemüse, gebratenen Nudeln, Reis, Tempeh und Chilisaucen stehen auf dem Tisch, und wir langen natürlich alle kräftig zu.

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Von unserem Tisch aus haben wir einen unverstellten Blick auf den Gunung Merapi (einer der gefährlichsten Vulkane der Welt), und Titus will dauernd wissen, wann denn mit einem Vulkanausbruch zu rechnen ist.

Nach einer Tasse Kaffee fühlen wir uns gestärkt genug, um die Hauptattraktion Yogyakartas (oder überhaupt Javas?) zu besuchen: Borobudur.

Dieses buddhistische Bauwerk stammt aus den Jahren 750 bis 850 n. Chr. und wurde – nachdem sie vom Dschungel überwuchert und nach einem Vulkanausbruch mehr oder minder in Vergessenheit geraten war – von Thomas Stamford Raffles, dem damaligen englischen Gouverneur Javas, im Jahr 1814 wiederentdeckt. (Genau derselbe Raffles, der im Jahr 1819 beschließen sollte, dass die südlichste Spitze des malaiischen Archipels genau der richtige Ort für einen britischen Freihafen sein sollte und damit den Grundstein des modernen Singapurs legte). Heute ist sie natürlich UNESCO-Weltkulturerbe und kostet einen stolzen Eintrittspreis.

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Der neunstöckige, pyramidenförmige Tempelbau ist schon von Weitem beeindruckend. Im Schweiße unseres Angesichts erklimmen wir die über 150 steilen Stufen. Auf jeder Ebene können wir per Rundgang die Steinreliefs an der Außenmauer bewundern, die Szenen aus der Lehre des Buddhismus darstellen.

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Wenn wir nicht gerade für ein Gruppenfoto oder Selfie herhalten müssen, denn die Heerscharen der einheimischen Besucher wollen uns am liebsten alle knipsen. Titus wird es schnell zu bunt, er mag diese ganze Aufmerksamkeit nicht, aber dann muss eben erst recht der Rest der Familie herhalten.

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Trotz des ganzen Rummels ist der Blick über die palmenüberwachsenen Berge und die wunderschönen Steinfiguren des Tempels jede Anstrengung wert.

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Wir finden sogar ruhigere Ecken, in denen wir alleine die Buddhastatuen und akkurat eingepassten Steine bewundern können, auf denen wir laufen.

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Bis wir uns wieder unten den Weg durch gleich zwei dazugehörige Museen und durch den unüberschaubaren Markt, durch den Besucher getrieben werden, gefunden haben, ist es bereits nach 17 Uhr, und auf der eineinhalbstündigen Rückfahrt nach Yogyakarta fallen einigen die Augen zu. Titus natürlich nicht, ihn beschäftige ich mit einer vorab heruntergeladenen Folge Benjamin Blümchen. Da wir alle immer noch vom reichlichen Mittagessen zehren, machen wir erneut einen Abstecher in den Supermarkt und bleiben nach einer dringend nötigen Dusche einfach im Hotel. Titus liebt asiatische Fertignudelsuppen, und verputzt nun bereits den zweiten Tag in Folge mit großem Genuss eine solche, bevor er sich von der Oma in den Schlaf wiegen lässt.

Ein toller, abwechslungsreicher Tagesausflug – und von Yogyakarta haben wir in zwei Tagen wirklich viel gesehen, das Wochenende verging jedenfalls wie im Flug!

Mehr “Wochenende in Bildern” gibts bei den Großen Köpfen!

2 Replies to “Unser Wochenende: Yogyakarta”

  1. Von dem Tempel bin ich restlos begeistert! An und auf ihm könnte man vermutlich Tage verbringen? Und dann diese grüne Wucht!

    Einen schönen Wochenstart wünscht dir
    Franziska

    1. Wenn es nicht so voll gewesen wäre, wären wir sicher auch noch länger dort geblieben. Sonntag ist wohl nicht der beste Tag für einen Besuch… Bislang sind wir jedenfalls begeistert von Java!
      Liebe Grüße!

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