Java: Von Yogyakarta nach Surabaya

Java: Von Yogyakarta nach Surabaya

Der Muezzin schreckt mich um 5 Uhr aus dem Schlaf, doch ich döse gleich wieder ein und wache erst auf, als Titus mir ins Ohr kräht. Während er bereits mit den Großeltern frühstückt, packen Norman und ich die Koffer, bevor auch wir uns karamelisierten Tempeh, Chili-Tofu mit Gemüse und Schwarztee schmecken lassen.

Da auch in Indonesien private Taxianbieter wie Grab oder Gojek sehr verbreitet sind, bestellen wir per App einen solchen Fahrdienst und lassen uns für einen Spottpreis von 18.000 IND (ca. 1,20 Euro) zum Bahnhof Tugu fahren.

Die Zugtickets habe ich bereits von Singapur aus online gekauft. Dank der großartigen Webseite www.seat61.com, auf der sämtliche Zugstrecken der Welt akribisch aufgeführt sind, inklusive Buchungsmodalitäten, Sitzplatzempfehlungen und allem Wissenswerten, hat das erstaunlich gut geklappt. Einzig ein Live-Chat mit dem sehr hilfreichen Kundendienst der javanesischen Zuggesellschaft war nötig, die meine Kreditkarte freischalten mussten.

Am Bahnhof in Yogyakarta muss ich meine zuhause ausgedruckten Voucher an bereitsstehenden Terminals einscannen, dann spuckt der Automat die eigentlichen Fahrkarten aus. Nach Passkontrolle ist genug Zeit für einen Kaffee, Titus entdeckt Waffeln auf der Speisekarte und erklärt sich für ein zweites Frühstück bereit.

Mit ohrenbetäubendem Hupen fährt der Zug ein, wir finden unser Abteil und besteigen die sogenannte Bisnis-Klasse.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Hier ist die Sitzplatzreservierung obligatorisch, und wir nehmen, nachdem wir im vollen Abteil endlich alle Koffer, Rucksäcke und sonstiges Gepäck verstaut haben, auf unseren fünf Sitzen Platz. Schon geht es los, mit durchschnittlich 40-50 km/h rumpelt der Zug durch die Vororte von Yogya. Je weiter wir Richtung Osten fahren, desto ländlicher wird die Gegend. Bald sehen wir nur noch Reisfelder um Reisfelder in verschiedenen Stadien. Es wird gesät, geerntet oder gepflügt, alles in Handarbeit bis über die Knöchel im Wasser stehend oder mit minimaler Unterstützung von Gerätschaften. Die Bauern tragen allesamt handgeflochtene Hüte, über den Feldern wehen weiße Fähnchen, um die Vögel abzuschrecken.

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Bananenpalmen, Papayabäume und blühende Frangipani säumen die Zugstrecke, hin und wieder erhaschen wir einen Blick auf die Berge. Die Behausungen entlang der Gleise sind einfach, wellblechgedeckte Ziegelhäuser und Holzhütten sowie nagelneue Bahnhofsgebäude und ein perfekt ausgebautes Gleisbett sind zu sehen.

Wir lesen, Titus malt mit seinem Opa und hört stundenlang Hörbücher, es ist sehr gemütlich auf den weichen Sitzen.

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Immer wieder läuft Zugpersonal durch die Gänge und bietet Essen und Getränke an, wir haben uns aber im Supermarkt ausreichend mit Keksen, Obst und sonstigen Snacks versorgt.

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Natürlich bekommen wir kostenlos heißes Wasser ausgeschenkt, so dass Titus sein aktuelles Lieblingsessen – Fertig-Nudelsuppe – genießen kann.

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Die Zugtoilette ist einfach, aber benutzbar. Ein Stehklo immerhin mit Haltegriff, so dass man beim Gewackel während der Fahrt nicht umfällt. Toilettenpapier ist reichlich vorhanden, ein Waschbecken ebenfalls, trotzdem reinigen wir lieber alle mit Hand-Desinfektionsmittel nach. Als wir gegen 16 Uhr mit leichter Verspätung Surabaya erreichen, liegen über 320 Kilometer zwischen uns und Yogyakarta, insgesamt hat die Fahrt über sechs Stunden gedauert, der Fahrkartenpreis dafür beträgt umgerechnet etwa 13 Euro pro Person.

Vor dem Bahnhof ordert Norman routiniert wieder ein Grab-Auto, wir müsen mitsamt Gepäck eine sechsspurige Straße überqueren und sind schweißgebadet, als wir endlich im klimatisierten Auto Platz nehmen dürfen.

Unsere Unterkunft, das Artotel, ist nicht allzu weit entfernt. Wir checken ein, sind nach Umrechnen baff über den Zimmerpreis (25 Euro pro Nacht) und deponieren schnell das Gepäck im kleinen, aber sehr „künstlerisch“ gestalteten und sauberen Zimmer. Der Hunger ist groß, schließlich ist das Mittagessen ausgefallen, und so machen wir uns kurz darauf zu Fuß auf die Suche nach einem Restaurant.

Norman lotst uns gleich zweimal über dicht befahrene Straßen, in der zweitgrößten Stadt Indonesiens herrscht ganz schön viel Verkehr. Doch erstaunlicherweise klappt das Überqueren problemlos, die Rollerfahrer geben Handzeichen und winken uns über die Straße, während sie ihre Geschwindigkeit ein wenig drosseln. Ich bin trotzdem froh, als wir das Restaurant Primarasa erreichen. Wir sind die einzigen Gäste, auch wenn die Fotos an der Wand von zahlreichen Promigästen zeugen – sogar der indonesische Präsident mitsamt Gattin hat hier schon gespeist!

Bald stehen große Teller mit Mee Goreng (gebratene Nudeln), Kangkong (Wasserspinat), Reis, Tempeh und anderen Gerichten vor uns. Es schmeckt gut, wenn auch nicht überragend, nur Titus verweigert das Essen und verlangt nach einer weiteren Nudelsuppe aus der Tüte. Der Bezahlvorgang gestaltet sich aber als schwierig, gleich fünf Angestellte versammeln sich rund um die Kasse und diskutieren die korrekte Eingabe.

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Im Dunkeln – auf Java geht die Sonne bereits um 18 Uhr unter – machen wir uns also auf den Rückweg. Alle sind müde und die geplante Stadtbesichtigung wird ersatzlos gestrichen.

Die Innenstadt liegt einige Kilometer nördlich und laut Verkehrsprognose bräuchten wir per Taxi mehr als vierzig Minuten dorthin – wobei sich die Stimmen auf den diversen Reiseforen nicht einig sind, ob die Stadt überhaupt eine Besichtigung wert ist.

Also spazieren wir über den mit Schlaglöchern übersäten Gehweg zurück ins Hotel und bestellen in der Bar einen „Beer Tower“. Während wir das schnell abgestandene und lauwarme Bier trinken, tobt Titus mit den nicht allzu sehr beschäftigten Kellnerinnen herum und verputzt tatsächlich noch eine Nudelsuppe. Wie gut, dass wir ausreichend davon gekauft haben!

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2 Replies to “Java: Von Yogyakarta nach Surabaya”

  1. Der Preis für eure Bahnfahrt ist unschlagbar! Wir zahlen hier schon alleine 8,20 Eur für grade mal 30 km.
    Die DB sollte sich das mal abschauen in Indonesien. Dann hätten wir hier auch keine Diskussionen mehr wegen Feinstaub und Diesel.

    Was die Nudelsuppen angeht, kann ich Titus vollauf verstehen. Diese waren während der Call Center-Zeit meine Lieblingsnahrung. Wenn wir 0600 am Platz saßen – und erst mal nur Schreibkram anstand – kam öfter mal ein verwunderter Ausruf „Hier riecht es nach Mittagessen!“. Der Geruch kam von meinem Platz aus einer schön gefüllten dampfenden Schüssel. (O-Ton Kollegen: „Wie bekommst du das so früh schon runter??“ ) Kann nur sagen, um so früh schon powern zu können, ist diese Instant-Chemie-Pampe das beste!

    Liebe Grüße aus stormy Germany!
    Franziska

    1. Liebe Franziska,
      wir sind auch völlig verblüfft, wie günstig viele Dinge in Java sind. Zugfahren war die beste Idee überhaupt, nachdem wir nun einige Tage lang den indonesischen Straßenverkehr erleben durften…
      Ganz Deiner Meinung über Nudelsuppen: Ich esse diese Fertigsuppen bis heute gerne. Und jederzeit auch zum Frühstück, nichts füllt den Magen besser, finde ich!
      Viele Grüße,
      Nadine

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