Java und Bali: Von Sukamade nach Lovina

Java und Bali: Von Sukamade nach Lovina

Das einzige, was mich nachts kurz weckt, ist der heftige Regenguss, der tatsächlich für ein wenig Abkühlung sorgt. Um 5:50 Uhr klingelt doch tatsächlich der Wecker, schon wieder ist die Nacht früh zu Ende für uns, und Titus ist wirklich schwer wachzukriegen.

Erst der Ranger, der mit zwei Eimern frisch geschlüpfter Schildkröten auf uns wartet, weckt sämtliche Lebensgeister. Die kleinen Schildkröten sind vielleicht fünf Zentimeter lang und furchtbar aufgeregt. Wir machen uns also bei leichtem Regen auf den Weg zum Strand, Titus marschiert Hand in Hand mit dem Hotelchef und fragt ihn Löcher in den Bauch. Am Strand angekommen, darf Titus jede Baby-Schildkröte einzeln aus dem Eimer nehmen, ihr einen Namen geben und sie in den Sand setzen. Sofort rennen die Kleinen zielstrebig Richtung Meer los – manche unheimlich schnell, manche mühen sich sichtlich ab. Zu dieser frühen Stunde sind noch kaum Vögel oder andere Jäger unterwegs, nur ein Adler kreist über unseren Köpfen und unternimmt ein paar Versuche, sich die bereits erfolgreich in den Wellen schaukelnden Schildkrötchen zu erwischen. Der Adler geht heute zum Glück leer aus, und wir hoffen, dass die insgesamt 40 Tiere es schaffen, sich so lange im Meer zu behaupten, bis sie selbst zur Eierablage in vielen Jahren an diesen Strand zurückkommen.

Nach einem Frühstück, Katzenwäsche und Zähneputzen im Freien machen wir uns auf die Rückfahrt. Hotelchef Mos ist etwas besorgt, dass der nächtliche Regen den Fluss zu sehr hat anschwellen lassen, und drängt zum Aufbruch. Wir schaukeln also los, über die bekannte Schlagloch-Matschpiste, durch das Dorf und vorbei an den vielen Plantagen und durch das Urwalddickicht. Bald erreichen wir das erste Flussufer, unser versierter Fahrer meistert die Durchquerung problemlos. Schon kurz darauf stehen wir am zweiten Ufer: Der Fluss ist sichtlich tiefer als gestern und die Strömung deutlich heftiger. Mir wird mulmig, ich hasse Flussdurchquerungen mit dem Auto. Aber der Fahrer gibt Gas, und wir rutschen und schlittern durch das Flußbett. Durch ein rostiges Loch in den Seitentür dringt bald Wasser in unseren Fußraum, ich sehe uns schon abtreiben, als wir tatsächlich die richtige Stelle an der gegenüberliegenden Böschung erreichen, die flach genug ist, um zurück auf den Weg zu fahren.Geschafft! Die restliche Fahrt, die insgesamt wieder knapp zwei Stunden dauert, ist fast ein Klacks dagegen.

Endlich erreichen wir das Dorf am Rande des Meru Betiri Nationalparks und das Haus von Chef Mos, wo unser Fahrer Adit uns schon erwartet. Mos besteht darauf, uns noch Kaffee von seinen eigenen Bohnen zu servieren, und zur großen Freude von Titus besteigt er schnell noch eine der vielen Kokospalmen, um uns eine frische Frucht anzubieten. Im Schuppen nebenan lässt er uns selbst eingekochten Kokosblütenzucker verkosten, es gäbe so viel zu entdecken in diesem schmucken, kleinen Dörfchen am Rande des Dschungels – Titus würde am liebsten hier bleiben, denn es ist ein Paradies für Kinder. Aber wir müssen leider los, der Abschied von Mos und Anna fällt schwer, und wir müssen für diverse Abschiedsfotos mit sämtlichen Handys posieren, bis wir uns schmutzig, verschwitzt und müde in den etwas komfortableren Sechssitzer setzen und losfahren. Wir sind sehr zufrieden mit diesem Kurztrip, konnten wir doch ein bisschen wilde Natur erleben und Einblick in ein sehr ursprüngliches, dörfliches Leben bekommen. Zwar war die Unterkunft sehr einfach und die An- und Abreise beschwerlich, aber das war es definitiv wert!

Trotzdem sind wir erleichtert, als wir endlich die geteerte Straße erreichen, und die drei Stunden Fahrt zurück nach Banyuwangi vergehen einigermaßen schnell. Natürlich gibt es noch ein ausgiebiges Mittagessen in einem Warung; während wir noch die Speisekarte studieren, spaziert Titus bereits Hand in Hand mit einer Bedienung davon, um die Koikarpfen im Teich zu füttern. Berührungsängste hat dieses Kind nun wirklich keine, und die Indonesier sind allesamt auch sehr bereitwillig in ihren Bemühungen, sich mit ihm zu beschäftigen.

Kurz nach 14 Uhr erreichen wir Ketapang, den Hafen von Ost-Java. Fahrer Adit kümmert sich rührend um uns, bis wir die Fahrkarten erstanden haben, sämtliche Mitarbeiter am sehr einfachen Hafengebäude lotsen uns bis zur Fähre. Der Abschied von Adit fällt deshalb viel zu kurz aus, ist aber umso herzlicher – was für ein toller, hilfsbereiter und aufmerksamer Fahrer!

Wir besteigen die Autofähre, und schnell ist klar, warum die Überfahrt nur umgerechnet 0,40 Euro pro Person kostet: der Kutter ist komplett durchgerostet und wir hoffen sehr, dass wir die kurze Strecke bis nach Bali noch heil damit bewältigen können. Um uns abzulenken, genießen wir noch ein letztes Mal den Blick auf Java und den Vulkan Ijen.

Im Minutentakt legen die Fähren zwischen den beiden Inseln ab und an, ständig kommt es zu lauten Hupkonzerten und Beinah-Zusammenstößen, und als wir nach einer halben Stunde Überfahrt Balis Hafen in Gilimanuk erreichen, müssen wir dort noch einmal so lange warten, bis unsere Fähre einen freien Anlegeplatz ergattert.

Ich bin froh, den rostigen Kahn verlassen zu können. In Gilimanuk steht ein Abholservice für uns bereit, und schon wieder sitzen wir im Auto. Zwei Stunden Fahrt dauert es, bis wir das knapp 80 Kilometer entfernte Lovina an der Nordküste Balis erreichen. Schon diese Strecke reicht aus, um die Unterschiede zwischen Java und Bali deutlich zu machen: statt Moscheen stehen hinduistische Tempel am Straßenrand, die Frauen tragen keine Kopftücher mehr und alles ist ein winziges bisschen schicker und gepflegter. Affen gibt es hier wie dort zuhauf, Reisfelder, Bananen- und Kokospalmen ebenso, und die Motorrollerfahrer sind fast noch waghalsiger in ihren Überholmanövern.

Nach fast elf Stunden Anreise erreichen wir endlich unsere Unterkunft für die nächsten drei Nächte: 1000 Dreams Bungalow liegt direkt am Meer, die Wellen rauschen, als wir ein köstliches Abendessen genießen. Titus ist völlig erledigt nach dem langen Tag, mit Müh und Not können wir ihm noch eine Dusche im Außen-Bad verabreichen. Bei einem kalten Bier, das hier noch deutlich günstiger ist als auf Java, lassen wir den Abend auf der gemütlichen Terrasse vor unserem Zimmer ausklingen.

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