Go where the locals go

Go where the locals go

Am Dienstag Nachmittag machen wir uns nach dem Kindergarten per Bus auf Toa Payoh. Das älteste HDB-Viertel der Stadt liegt direkt neben unserem Wohnviertel, doch ist der Charakter ein völlig anderer. Wir sind weit und breit die einzigen „Langnasen“, die hier die Fußgängerzone entlangbummeln, vorbei an Bekleidungs- und Handygeschäften, Nagelstudios und Obstständen, Haushaltswarenläden und Drogerien.

Die Preise sind extrem günstig hier, und deshalb kann ich dem Angebot eines Friseurgeschäfts nicht wiederstehen. Bei Titus und mir ist schon längst drigend ein Spitzenhaarschnitt nötig. Auch ohne Termin bekommen wir bei Snip Avenue gleich zwei freie Stühle zugewiesen. Eine Weile beobachten wir den Friseurbetrieb, eine ältere Dame winkt uns freundlich vom Nachbarstuhl zu, und schickt dann sogar eine Angestellte zu uns, als Titus nach zehn Minuten Wartezeit zappelig wird.

Der junge Mann weist die Friseurin genauestens an („Only one centimetre!“) und ist innerhalb kürzester Zeit fertig.

Die für mich zuständige Dame spricht kaum Englisch, versteht aber doch, dass sie ein paar Zentimeter abschneiden soll. Ein wenig irritiert betrachtet sie meine Naturwellen, und kämpft mit dem feinzinkigen Kamm, mit dem sie die Haare durchkämmen will. Dann packt sie die Schere aus und schneidet beherzt einmal ringsum, nach fünf Minuten ist die Sache erledigt.

Man hier ist hier sichtlich nur asiatisches, glattes, schwarzes, dickes Haar gewöhnt. Das ist auch der Grund, warum alle westlichen Damen in Singapur ausschließlich die auf Expat-Haar spezialisierten Friseure aufsuchen und in Kauf nehmen, für Haarschnitt und Farbe jedes Mal S$ 300 oder mehr hinzublättern.

Wir staunen dagegen an der Kasse nicht schlecht: S$ 3.80 (NICHT: S$ 380!) berechnet man uns pro Person, das war der günstiste Friseurbesuch aller Zeiten.

Die folgenden zwei Stunden verbringen wir in der großartigen Stadtbücherei. Titus hat seine Liebe zu Sachbüchern entdeckt, und wir schmökern durch sämtliche Tierbüchern, die hier meterlange Regale füllen. Auch hier sind außer uns nur asiatische Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern, die über Titus Begeisterung schmunzeln, die ihn manchmal zu einem lauten Ausruf verleitet. Vollbepackt mit einem Stapel neuem Lesestoff fahren wir eine MRT-Station bis nach Hause, zurück in unser deutlich internationaler ausgerichtetes Viertel.

Das Kontrastprogramm erwartet mich am Donnerstag Abend. Mit meiner Ausgehrunde treffe ich mich auf der Dachterrasse des „Potato Head“ in der Keong Saik Road in Chinatown. Hier steppte schon in den 1930er Jahre der Bär, damals war hier das Rotlichtviertel der Stadt. Heute tönt laute Musik aus allen Kneipen und Bars, die sich hier versammelt haben. Hinter den liebevoll restaurierten, bunten Fassaden der alten „Shop Houses“ befinden sich schicke Boutique Hotels, und der Blick auf das Geschäftsviertel mit seinen Wolkenkratzern ist spektakulär.

Ebenso wie die Getränkepreise, Cocktails gibt es ab S$ 20 aufwärts, aber die warme Nachtluft und die netten Gespräche mit den vier anderen deutschen Damen lassen mich großzügig darüber hinweg sehen.

Und dann das: Nach einer ziemlich unruhigen Nacht , in der das Kind sich unruhig hin- und herwälzte, will ich zu meinem heutigen Kochtreffen aufbrechen. Ich treibe Titus zur Eile an, irgendwie kommt er heute nicht recht in die Gänge, was wirklich ungewöhnlich für ihn ist. Kurz darauf rennt er ins Badezimmer und hängt über der Kloschüssel – und damit lösen sich alle Pläne für den heutigen Tag in Luft auf.

Ich entschuldige mich bei meinen Kochdamen und bleibe zuhause. Dort machen wir es uns auf dem Sofa gemütlich, lesen stapelweise Bücher, hören Hörbücher, gucken ein paar Kindersendungen und nehmen uns zusammen eine echte Auszeit. Eine Tasse Fencheltee und ein paar Scheiben Brot später hat das Kind wieder Farbe im Gesicht und ist sichtlich fitter. Wie gut, dass das Wochenende vor der Tür steht!

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