Bali: Von Lovina nach Ubud

Bali: Von Lovina nach Ubud

Herzlich fällt die Verabschiedung am Montag Morgen in Lovina aus; nach drei Nächten hier fühlen wir uns fast schon heimisch. Unser Taxifahrer steht schon bereit, er wurde bereits sowohl von der Hotelchefin als auch von Norman, den er am Tag zuvor zum Flughafen chauffiert hat, vorgewarnt, dass Titus gerne mal beim Autofahren schlecht wird.

Das nimmt sich unser Taxler schwer zu Herzen: wie mit rohen Eiern wird er die 65 Kilometer nach Ubud fahren, jede Kurve nimmt er im Schneckentempo und achtet stets darauf, für ausreichend Durchlüftung und Sauerstoffzufuhr zu sorgen.

Titus nimmt die ganze Aufregung um ihn gelassen hin. Er hat es sich auf meinem Schoß auf dem Beifahrersitz gemütlich gemacht, knabbert Cornflakes und hört ein Hörbuch nach dem anderen. Meine Eltern und ich haben also ausreichend Zeit, die wunderschöne Panoramastrecke durch Zentral-Bali zu genießen, die uns zunächst vom Meer aus südwärts in die Berge führt – von 0 auf 1.400 Meter. Sämtliche Dörfer, durch die wir fahren, sind bezaubernd geschmückt, denn der wichtigste hinduistische Feiertag Balis, Nyepi (Tag der Stille), liegt gerade einmal zehn Tage zurück. Die Vegetation ist üppig, alles ist in den unterschiedlichsten Schattierungen von Grün dicht bewachsen, und der Blick auf Vulkane und Meer gleichzeitig lässt wieder einmal mein Herz für diese Insel höher schlagen.

Nach gut einer Stunde Fahrt erreichen wir Ulun Danu Batur, einen der wichtigsten Tempel Balis, der am Ufer des Batursees liegt. Wir genehmigen uns einen ausgedehnten Spaziergang durch die liebevoll bepflanzte Anlage und bestaunen die bildhauerischen Details der Türme und Torbögen.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Massen an Besuchern sind hier unterwegs, ein babylonisches Sprachgewirr ist zu hören, und Titus erntet große Begeisterungsstürme, als er selbstvergessen auf Mandarin vor sich hin zählt. Auf dieser Höhe mitten in den Bergen ist es angenehm “kühl”, die Luft ist klar und die Pause tut uns allen gut.

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Wir steigen ausgeruht wieder ins Auto, es geht weiter Richtung Süden, aber nur für kurze Zeit. Bald schon biegt unser Fahrzeug auf den nächsten Parkplatz ein. Auf einer kleinen Plantage werden wir in die Kaffeeherstellung eingewiesen und dürfen zig Kaffee- und Teesorten verkosten – unter anderem auch den teuersten Kaffee der Welt: den Katzenkaffee… Zwar schmeckt dieser tatsächlich gut, doch der enorme Preis lässt uns vom Kauf absehen. Immerhin sind wir durch die vielen Schlucke Kaffee nun sehr aufgeweckt, so dass wir die letzte Stunde Fahrt durch Reisterrassen, Maisfelder, vorbei an Steinmetzwerkstätten und Schreinereien hinein nach Ubud gut hinter uns bringen – ohne Übelkeitsanfälle oder sonstige Malheure.

Unsere Unterkunft, Pondok Pundi Village Inn, liegt mitten im Zentrum von Ubud, zwischen Affenwald und Königspalast. Wir beziehen zwei riesige Zimmer im ersten Stock, packen aus und richten uns häuslich ein, bevor wir mitten im spätnachmittäglichen Nieselregen zu einem Spaziergang aufbrechen. Zuallererst braucht das Kind aber neue Flipflops, die alten sind dermaßen abgelaufen, dass sie gar kein Profil mehr haben und Titus bereits im Hotel zweimal auf rutschigen Fliesen auf die Nase fällt. Tatsächlich gibt es im Laden neben welche im Dino-Design, die Freude ist groß. Doch weit kommen wir auch damit nicht, denn der Nieselregen wird bald zu einem Tropengewitter, so dass wir notgedrungen in ein hübsches Café einkehren und eine Pause machen “müssen”.

Titus verputzt eine Portion Gnocchi, wir stärken uns mit frischer Kokosnuss und Bier, bevor wir weiter die Jalan Monkey Forest, Jalan Dewisita und die verkehrsberuhigte Jalan Gootama entlang schlendern. Im Gegensatz zu meinem letzten Besuch in Ubud im August ist die Stadt verhältnismäßig ruhig: ganz deutlich ist momentan Nebensaison, und wir spazieren sehr entspannt durch fast leere Gässchen, können in Ruhe Schaufenster und typisch balinesische Hauseingänge bestaunen, ganz ohne Gedränge.

Im rein vegetarischen Restaurant Kismet genießen wir ein köstliches Abendessen, mit Burgern, Bowls und laut Titus “der besten Tomatensuppe seit immer”.

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Ich glaube, meine Eltern habe ich bereits jetzt mit meiner Bali- bzw. Ubud-Begeisterung angesteckt, sie sind jedenfalls sehr, sehr angetan, und in bester Laune verbringen wir den restlichen Abend bis Mitternacht bei Kartenspielen auf der Terrasse. Denn das Bier hier im Supermarkt ist sogar noch günstiger als bisher!

Leider werde ich bereits um kurz vor fünf Uhr von einem überambitionierten Nachbarshahn geweckt und brauche Ohrstöpsel, um wenigstens noch zwei Stündchen weiterzuschlafen. Auch Titus setzt sich kurz darauf im Bett auf und verkündet: “Der Hahn hat mich geweckt.”

Wir sitzen also recht früh beim Frühstück und genießen den Blick über Ubuds Dächer und die Berge im Sonnenschein.

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Das gute Wetter muss genutzt werden, wir suchen also den Hotelpool und werden fündig, nachdem wir durch ein sehr beeindruckendes Tor getreten sind.

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Vorbei an zig aus Blättern gebastelten Opferkörbchen, die allesamt mit Blüten, etwas Reis, Keksen oder anderen Leckereien und Räucherstäbchen befüllt sind, steigen wir einige Stufen hinab bis zum Pool. Auf der Wiese daneben mümmelt friedlich das hauseigene Kaninchen, und Titus springt ohne zu zögern ist doch recht kalte Wasser. Wir sind ganz alleine hier, direkt hinter der Abgrenzung des Beckens wuchert der Dschungel, und wir verbringen eine gemütliche Stunde im Sonnenschein.

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Dann mahne ich zum Aufbruch, denn für den Nachmittag ist wieder Regen angekündigt, und wir wollen das noch sonnige Wetter für eine kleine Wanderung nutzen. Die beginnt nach einer kurzen Taxifahrt – nach zähen Verhandlungen, denn Grab und Gojek sind im Stadtzentrum von Ubud verboten, wir müssen also einen der auf der Straße herumlungernden Fahrer ansprechen – im Karsa Kafe, nördlich von Ubud. Das Kind stärkt sich mit gegrillten Maiskolben, meine Eltern und ich genießen Kaffee und den Blick über die Reisterrassen, während sich der Himmel merklich verdunkelt.

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Wir marschieren also los, den Campuhan Ridge Walk entlang eines Flußlaufs hinunter. Die meisten Ubud-Besucher gehen den Weg in die andere Richtung, dabei muss man aber stetig bergauf gehen. Unsere Variante ist die deutlich angenehmere, denn es geht ausschließlich bergab – zuerst an Reisfeldern und wunderschön gelegenen Ferienhäusern vorbei.

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Die Sonne brennt urplötzlich wieder vom Himmel, und wir kommen ordentlich ins Schwitzen. Zum Glück gibt es auch für Titus ausreichend Ablenkung, so dass er gar nicht erst bemerkt, dass es anstrengend wird. Schließlich muss er sämtliche Mimosen am Wegrand “streicheln”, mit einem Stock umherfuchteln und “Harr!” rufen (aktuell ist er in der Piratenphase), und demonstrieren, wie ausgezeichnet er in den neuen Sandalen rennen, hüpfen und klettern kann.

Meine Eltern sind begeistert von den Blicken über das Flußtal und die Tempel, die wie verwunschene Paläste unvermittelt im Pflanzendickicht auftauchen.

Der Trubel Ubuds hat uns allerdings bald wieder, wir können einigen der Boutiquen nicht widerstehen und ich erstehe endlich eine der Handtaschen von Smateria, die mir letztes Jahr hier schon ins Auge gefallen sind. Die Tasche selbst werden von Kambodschanerinnen aus alten Fischernetzen und Industriekunststoffen hergestellt und sind dabei auch noch schick. Meine Mama ist sofort davon überzeugt und schlägt auch zu.

Vor dem nun doch auf uns niederprasselnden Regen schützen wir uns im River View Café, besichtigen anschließend Lotus Tempel und Königspalast und läuten dann – schließlich ist schon später Nachmittag – die Cocktail-Runde ein, während Titus seine dritte warme Mahlzeit des Tages verlangt.

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Da er heute so großartig mitgelaufen ist und überhaupt sehr, sehr kooperativ ist, erfülle ich ihm anschließend noch einen großen Wunsch: er möchte unbedingt ins Fish Spa – und überredet auch die Großeltern dazu, die Füße ins Fischbecken zu hängen und sich abknabbern zu lassen.

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Ein großer Spaß, Titus bekommt gar nicht genug davon und wünscht sich sofort eine Zehner-Karte zum nächsten Geburtstag. Keine Ahnung, warum er so großen Gefallen an so einer kitzeligen Angelegenheit findet.

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Derart fuß-verwöhnt, schafft er es abends dann auch noch zu einem weiteren Spaziergang in die Jalan Hanoman, wo wir eine wirklich gute Holzofenpizza bekommen. Da in Singapur selbst die einfachste Pizza um die 20 Euro (oder mehr) kostet, schlagen wir immer zu, wenn wir im Urlaub sind. Als wir unser Hotel erreichen – inzwischen ist es weit nach 21 Uhr -, verkündet mein Schrittzähler auf dem Handy, dass wir heute knapp 9 Kilometer marschiert sind. Wir alle, d.h. auch Titus. Kein Wunder, dass nicht nur er verkündet, dass er nun aber genug vom Laufen hat und ins Bett möchte!

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