Bali: Ubud und Umgebung

Bali: Ubud und Umgebung

Schon in den frühen Morgenstunden ereilt mich das Unglück: ein klassischer Bali Belly hat mich fest im Griff, und ich hänge über der Kloschüssel. Zum Glück scheint der Rest der Familie nichts abbekommen zu haben, es lag wohl wieder einmal an der Rohkostplatte oder am Salat – von ungekochtem Gemüse ist definitiv abzuraten!

Nichtsdestotrotz steigen wir um halb zehn ins Auto, denn für heute haben wir einen Halbtagesausflug gebucht, und der kann leider nicht mehr abbestellt werden. Sitzen und herumfahren lassen klappt für mich einigermaßen gut, Titus darf heute mal auf Omas Schoß Platz nehmen und ist sehr zufrieden damit.

Unser Fahrer nimmt extra die Panoramastrecke und wir fahren über schmale Sträßchen aus Ubud hinaus, so dass wir beeindruckende Blicke auf liebevoll geschmückte Familientempel, schöne Wohnhäuser und Reis- und Gemüsefelder.

Die Bevölkerung ist heute durchweg in Tracht unterwegs, denn es ist Vollmond und dieser Ereignis wird mit besonderen Zeremonien gefeiert. Frauen in traditionellen Sarongs balancieren Türme voll Obst auf dem Kopf, der Duft von Räucherstäbchen wabert durch die Gassen und sämtliche Götterstatuen sind mit Tüchern behangen und blumenbekränzt.

Unserer erste Station ist Tegallalang. Die Reisterrassen sind hier an besonders steilen Hängen angelegt und oft nur so groß wie ein Handtuch. Durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem werden bis zu drei Ernten pro Jahr gezüchtet, natürlich ausschließlich in mühevoller Handarbeit.

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Alles wirkt picobello gepflegt, ein Bauer, der gerade sein Feld düngt und barfuß bis zu den Knien in der matschigen Erde steht, grüßt freundlich.

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Von einer ausgiebigen Wanderung über die steilen Wege und festgestampften Dämme sehen wir ab und steigen lieber wieder ins klimatisierte Auto.

Die Fahrt geht weiter, durch deutlich “untouristischere” Dörfer und Landstriche, die Sträßchen werden noch schmaler und die Strecke führt stetig steil bergab und bergauf, da viele Flüsse die Gegend durchziehen.

Ich bin froh, als wir auf dem Parkplatz vor dem Tirta Empul bei Tampaksiring anhalten. Diese Tempelanlage aus dem 10. Jahrhundert ist bekannt für ihre Quelle vulkanischen Ursprung, deren Wasser heilig ist. Im großen Wasserbecken steht deshalb hunderte Gläubige – und Touristen – und lassen sich von diesem heiligen Wasser in ritueller Waschung säubern.

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Zwar lassen wir das aus,  müssen uns aber trotzdem alle einen Sarong überziehen und die Haare zusammenbinden, erst dann können wir in die Nähe des Heiligtums.

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Die gesamte Tempelanlage wird vom Ferienhaus des Präsidenten überblickt, in dem heute vor allem wichtige Staatsgäste untergebracht werden – unter anderem auch Angela Merkel im Jahr 2017.

Es ist brütend heiß hier, der Kunstfaser-Sarong führt zu Überhitzung, und wir sind mehr als unwillig, am Ausgang auch noch den umständlichen Umweg durch den lokalen Markt zu nehmen. Unser Fahrer kann überhaupt nicht verstehen, dass wir nicht alle Nase lang ein Gruppenfoto machen möchten, und wird minütlich wortkarger.

Endgültig beleidigt ist er, als wir trotz seiner vehementen Empfehlung den Besuch einer Kaffeeplantage ausschlagen; einmal Kopi Luwak genügt uns. Trotz meiner Warnungen, dass einige Mitfahrer an Reiseübelkeit leiden, drückt er nun zunehmend das Gaspedal durch und vollführt so manche scharfe Bremsung. Mir ist jedenfalls schlecht, als wir endlich in Penglipuran ankommen. Dieses Dorf ist so traditionell wie möglich gehalten, eine Art künstliche balinesische Vergangenheit, für die natürlich Eintritt verlangt wird. Mein Magen verlangt endgültig eine Pause, ich bleibe deshalb einfach auf einer schattigen Bank sitzen, während meine Eltern sich das blitzsaubere und etwas leblose Dörfchen anschauen.

Auf unserem Programm stünde noch ein weiterer Tempelbesuch, doch lassen wir diesen sausen und bitten den Fahrer, uns direkt zum Hotel zurückzufahren.

Es geht durch Bambuswälder, in denen die mindestens zehn Meter hohen Gewächse so dicht stehen, dass es stockfinster ist. Immer noch ungestümer geht unser Fahrer in die Kurven, und ich zähle die Minuten, bis wir endlich wieder Ubud erreichen.

Dort verziehe ich mich sofort ins Bett und verbringe den gesamten Nachmittag schlafend, während Titus ein paar Stunden lang die volle Aufmerksamkeit seiner Großeltern genießt, die mit ihm schwimmen, Pixi-Bücher vorlesen und spielen.

Am Abend fühle ich mich soweit hergestellt, dass ich dank einer großen Portion Elektrolyte zum Abendessen mitgehen kann, dass wir heute im Hotel einnehmen. Titus frönt seiner neu entdeckten Leidenschaft für Tomatensuppe, ich esse ein paar Löffel Kürbissuppe und gehe früh zu Bett, wo Titus und ich einmal ausgiebig ausschlafen.

Am Morgen sieht die Welt schon anders auch, ich bin deutlich fitter und nach dem Frühstück setzen Titus und ich uns gemütlich ins Café Maha. Dort lassen wir uns Banana Lassi schmecken, ich schreibe ein wenig am Laptop, während Titus die hauseigenen Kaninchen beobachtet und fotografiert. Meine Eltern besichtigen derweil alleine den Monkey Forest, denn Titus hat sich einem erneuten Besuch dort unmissverständlich verweigert.

Nachdem sie fertig mit dem Besuch bei den Affen sind, leisten sie uns Gesellschaft, und wir amüsieren uns über die aus dem Affenwald ausgebüchsten Primaten, die auf dem Hausdach sitzen, die drei Kaninchen im Garten, die Ratte über unseren Köpfen und das heisere Krähen des Hahnes im Nachbarhof. So quirlig und touristisch Ubud ist, so dörflich ist es an vielen Stellen auch geblieben.
Ich gönne mir anschließend für einen Spottpreis eine Maniküre im Salon gegenüber, wo vier Angestellte untätig auf dem Boden sitzen und Löcher in die Luft starren. So sieht es in jedem Geschäft, Café und Spa der Stadt momentan aus, alle warten auf den Besucheransturm ab Mitte April.
Den Rest des Nachmittags verbringen wir am Pool, in dem Titus unermüdlich mehrere Stunden am Stück zuerst mit seiner Oma und danach mit seinem Opa schwimmt und springt und taucht und sich bewegt wie ein Fisch im – sehr tiefen – Wasser.

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Am frühen Abend steht noch Shopping auf dem Programm, ein paar Mitbringsel müssen besorgt werden, und ich übernehme erfolgreich die Verhandlungen mit den stets freundlich lächelnden Verkäufern.
Nach einem langen Bummel durch die Innenstadt kehren wir zum Essen in das vegan-vegetarische Lokal Atman ein, es gibt zum Glück eine Tomatensuppe für’s Kind und auf dem Heimweg einen erneuten Abstecher zum Fish Spa. Titus sitzt mutterseelenallein fünfzehn Minuten geduldig da und lässt seine Füße von den kleinen Fischchen beknabbern, während die hier ebenso “arbeitslosen” Mitarbeiter um ihn herumgurren und -kichern.

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Nachdem das Kind endlich eingeschlafen ist – trotz stundenlangem Schwimmen und Fußmärschen scheinen immer noch Energiereserven übrig zu sein – zocke ich mit meinen Eltern ein paar Runde Rommee auf der Terrasse, während ein Tropengewitter über uns hinwegzieht. Was für ein schöner, gemütlicher letzter Tag unserer Indonesien-Reise!

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