Mitbringsel und Indo-chinesisches Essen

Mitbringsel und Indo-chinesisches Essen

Wir haben Besuch! Seit Donnerstag Abend sind Tina, Tomo und Noah bei uns zu Gast. Tina ist eine Schulfreundin von Norman und mir, die mit ihrem Mann und Sohn drei Monate Elternzeit in Asien verbringt.

Singapur ist die erste Station ihrer Reise, und Noah mit seinen fünf Monaten unser jüngster Besuch.

Titus packt morgens nach dem Aufstehen mit großer Begeisterung den Koffer aus, der ausschließlich mit Mitbringseln und unseren Bestellungen gefüllt ist. Was da alles zum Vorschein kommt! Kaffee, Tintenpatronen, Süßigkeiten, Drogerieartikel, Wein, Taschentücher, mehrere Packungen des Lieblingsmüslis, dazu mehrere Laibe Brot und zig Brezn, die ich gleich im Gefrierschrank verstaue. Fast wie Weihnachten!

Nachdem ich Titus halbwegs erfolgreich davon abgehalten habe, gleich alles zu verkosten, und ihn im Kindergarten abgeliefert habe, mache ich mich auf den Weg nach Tanah Mehra im Osten der Stadt. Als Sparfuchs nutze ich in letzter Zeit des Öfteren Grab Share, also den privaten Taxiservice, bei dem man aber ggf. Mitfahrer hat. Kostet deutlich weniger als ein “eigenes” Taxi, man muss aber ein paar Minuten zusätzlich für die Zwischenstopps einplanen. Das habe ich heute nicht einkalkuliert, deshalb komme ich ein bisschen zu spät zu Nitika, die die heutige Gastgeberin unseres Kochclubs ist.

Sämtliche Inderinnen sind schon da, und sofort werde ich aufgezogen: Die Deutsche kommt zu spät? Wie kann das sein?!

Nitika serviert uns Thandai, ein indisches Milchgetränk, das traditionell zu Holi serviert wird – dann versetzt mit Bhang (Hanf), das high macht. Darauf verzichten wir natürlich, durch die vielen Gewürze, allen voran Kardamom und Ingwer und den Zucker schmeckt es auch ohne Rauschmittel erfrischend und füllt ein wenig die knurrenden Mägen.

Zu sechst sitzen wir am Esstisch und schnippeln einvernehmlich Gemüse – heute stehen Indo-Chinesische Gerichte auf der Speisekarte. Diese stammen von den nach Indien eingewanderten Chinesen, die sich vornehmlich in der Gegend von Kalkutta angesiedelt haben. Die daraus entstandenen Gerichte sind ein Konglomerat aus indischen Speisen/Zutaten, aber in typisch chinesischer Zubereitungsweise und mit chinesischer Würzung – also Sojasaucen statt Kreuzkümmel, Fenchel und Co.

Bald brutzeln vier Pfannen auf dem Herd, in denen Nitika würzigen Gemüse-Reis brät, Nudeln mit Chilisauce erhitzt und Manchurian (kleine Gemüsebällchen, frittiert und in sämiger Ingwersauce serviert) herstellt.

Das Essen schmeckt wunderbar unaufgeregt, richtiges Soul Food, und vor allem die Gemüsebällchen werden komplett aufgegessen.

Der Nachtisch – Taro Coconut Tapioca Pudding – ist noch warm, sämig und süß – und danach sind wir alle satt und zufrieden und treten die Heimreise an.

Unsere beiden Streithähne waren heute beide verhindert, also konnte ich die Lösung des Problems noch ein wenig aufschieben…

Am Abend zeigen wir unseren Besuchern den wunderschönen Lau Pa Sat Hawker, wo sich bald unser Lieblingsspeisen auf dem Tisch versammeln: Dosas, Popiah, Satay – da ist für jeden etwas dabei.

Singapur zeigt sich beim anschließenden Spaziergang rund um die Marina von seiner besten Seite: der Blick auf die hell erleuchtete Skyline ist immer wieder beeindruckend!


Fotos von Kochclub by Anshu Ajitsaria

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