Kaffee oder Tee genießen wie ein echter Singapurer

Kaffee oder Tee genießen wie ein echter Singapurer

Anders als in vielen anderen asiatischen Ländern gibt es in Singapur keine typische Teekultur. Stattdessen hat sich hier tatsächlich schon im beginnenden 20. Jahrhundert eine lokale Kaffeekultur etabliert, deren Erzeugnis auch Kopi (Malaiisch für „Kaffee“) heißt und im Kopi Tiam (Hokkien für „Geschäft“) ausgeschenkt wird.

Die Inhaber der ersten Kopi Tiams stammten aus Hainan-China und waren zum Arbeiten nach Singapur gekommen. Neben Kaffee und Tee servieren diese Betriebe noch heute meist typische Snacks wie Mee Siam und vor allem das traditionelle Singapurer Frühstück (ebenfalls nach hainanesischem Vorbild): Kopi, Toast mit Butter und Kaya (eine Art Kokosmarmelade), dazu ein weichgekochtes, aufgeschlagenes Ei in einer Tasse, das mit Sojasauce abgeschmeckt wird.

Ganz im Gegensatz zu allen anderen Importgütern und zu den italienisch angehauchten Brüherzeugnissen, die man in schicken Cafés zu einem stolzen Preis bekommt, ist der Kopi, der in den rund zweitausend Kopi Tiams ausgeschenkt wird, ein echtes Schnäppchen.
Meist kostet ein Becher des Getränks um die ein bis zwei Singapur-Dollar – während ein Cappuccino in der Kaffeekette nebenan gerne für den vierfachen Preis gehandelt wird.

Traditionell werden die Kaffeebohnen für den Kopi in einem speziellen Wok zusammen mit etwas Zucker, Fett und manchmal auch Obstschalen geröstet. Anschließend werden die Bohnen gemahlen und in einem Baumwollfilter in Sockenform mit heißem Wasser und großen Gesten in riesigen Kannen aufgebrüht.

Ab jetzt wird es für den Kunden kompliziert, denn er hat die Qual der Wahl: soll der Kaffee schwarz, mit süßer Kondensmilch, auf Eis oder heiß serviert werden? Für alle diese Varianten gibt es spezielle Begrifflichkeiten, die man sich als Kaffeeliebhaber schnellstens einbläuen sollte. Diese spiegeln Singapurs buntes Völker-Wirrwarr gut wider, stammen sie doch aus dem Hokkien, Hainanesischen und Malaiischen.

  • Kopi (Malaiisch) = Kaffee mit gesüßter Kondensmilch

Dazu werden die folgenden persönlichen Vorlieben genannt:

  • Peng (Hokkien) = kalt / auf Eis
  • O (Hokkien) = schwarz mit Zucker
  • Kosong (Malaiisch) = schwarz, weder Milch noch Zucker
  • Siew Dai (Hokkien) = mit wenig Zucker
  • Ka Dai (Hokkien) = mit extra viel Zucker
  • Po (Hokkien) = mit Wasser verdünnter Kaffee
  • C (Hainanesisch) = mit normaler Milch und Zucker anstelle von gesüßter Kondensmilch. Die Abkürzung C stammt von der verbreiteten Milchmarke Carnation.
  • Gau (Hokkien) = extra starker Kaffee

Das ergibt dann abenteuerliche Kombinationen – mein Lieblingsgetränk ist zum Beispiel Kopi Peng Siew Dai (Kaffee mit Kondensmilch, nur wenig gesüßt, auf Eis).

Ähnliche Begrifflichkeiten gelten übrigens auch für Schwarztee (oder wie man in Singapur sagt: Teh), sie stammen alle aus dem Malaiischen, schließlich kommen aus den malaysischen Cameron Highlands die Teeblätter dafür.

  • Teh Tarik („gezogener Tee“) = Schwarztee mit Kondensmilch
  • Susu = mit normaler Milch
  • Ais oder Ping = auf Eis
  • Madu = mit Milch und Honig
  • Halia = mit Ingwer
  • Madras = mit geschäumter Milch
  • O, Kosong, C = siehe oben

Möchte man sein Getränk unterwegs genießen, fügt man noch Ta Pao hinzu („zum Mitnehmen“). Typischerweise und in den eher einfacheren Ständen bekommt man sein Getränk dann in einer Plastiktüte (!) serviert, die tropfsicher mit einem Gummiband verschlossen wird. Mich erinnert das ganze immer an einen Urinbeutel, und der Kaffee schmeckt ziemlich penetrant nach Plastik.

Die etwas moderneren Stände geben ihr Erzeugnis deshalb nur noch im Einwegbecher mit praktischem Tragebeutelchen aus, beide Varianten sind aus Umweltgründen aber sowieso nicht empfehlenswert. Die meisten Kopi Tiams akzeptieren aber inzwischen auch selbst mitgebrachte Mehrwegbecher und füllen diese gerne mit dem gewünschten Heiß- oder Kaltgetränk.

Nun steht dem nächsten Kaffeeklatsch nichts mehr im Wege, oder?

2 Replies to “Kaffee oder Tee genießen wie ein echter Singapurer”

  1. Ich hab hier mal im Viertel herumgefragt, wenn ich meinen eigenen Becher mitbringen würde, würde auch niemand etwas sagen. Ganz große Augen gab es noch im letzten Jahr, als ich einfach mal „dreist“ drum gebeten hatte, mir das Brot in den Baumwollbeutel zu stecken. Gleichzeitig gab es auch großes Hallo! – war und ist schön.
    Bei den zig Varianten an Kaffee und Tee komme ich hier in Deutschland übrigens nicht mehr mit.

    1. Zero Waste und Nachhaltiges Einkaufen ist ein großes Thema in unserem Haushalt. Singapur steckt da noch in den Kinderschuhen. Ich habe fast immer einen Kaffeebecher und eigenes Besteck/Strohhalm in der Handtasche – was in München ganz selbstverständlich war, ist hier immer noch die Ausnahme.
      Liebe Grüße, Nadine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.