Japan: Ab auf die Piste!

Japan: Ab auf die Piste!

Drei Tage Skifahren liegen hinter uns. Drei ganz wundervolle Tage – an deren Ende ein frisch gebackener Jung-Skifahrer steht, der von seinem neuesten Hobby schier nicht genug bekommen kann.

Dass die Skischule keinen Platz mehr für Titus hatte, stellte uns zum Glück vor keine allzu großen Probleme. Die Vormittagsschicht übernahm daraufhin Norman, der sich schließlich viele Jahre lang nebenbei als Skilehrer verdingt hat.

Im Skigebiet Sakka durfte Titus für ein paar hundert Yen (~ 4 Euro) den ganzen Tag lang den Kinderbereich nutzen, der über einen “magic carpet” verfügte. Das Kind hatte schnell den Bogen raus: selbstständig stellte der kleine Rennläufer sich auf den “fahrenden Teppich”, positionierte sich oben und kam im Pflugbogen wieder nach unten gesaust. “Nochmal!”

Ich machte derweil die weiter oben gelegenen Pisten unsicher und verfeinerte meine Kenntnisse im Buckelpisten-Fahren – weniger aus Begeisterung, mehr aus Notwendigkeit, denn so manche Abfahrten bestanden nur aus Kratern. Alleine Ski zu fahren, finde ich ja extrem entspannend. Und dank der vielen Australier hier im Skigebiet hatte ich im Lift immer beste Unterhaltung, denn die Aussies sind einfach Meister im freundlichen Smalltalk. “Hey darl, how’s your day been so far?” ist ein beliebter Einstieg.

Nach einer gemütlichen Mittagspause übernahm ich dann die Nachmittagsschicht mit Titus, lieferte mir mit ihm erbitterte Zipfelbob-Rennen, zwischen denen der kleine Mann immer wieder die Skier anschnallte und an seiner Kurventechnik feilte.

Praktischerweise sparten Norman und ich uns so einen Skipass, denn die Tageskarte teilten wir uns. Doch leider konnte der Göttergatte seine Skizeit gar nicht mehr genießen, denn am Vormittag kollidierte im Kinder-Bereich eine Ski-Anfängerin derart mit ihm, dass sein Knie so schmerzte, dass an exzessives Skifahren nicht mehr zu denken war…

Zum Glück brachte Arnika-Salbe und ausgiebige Bäder im Onsen (und vielleicht auch der eine oder andere Schluck Sake?) dann doch Linderung.

Am letzten unserer insgesamt fünf Skitage war es dann soweit: wir erklärten Titus, dass er nun wunderbar auch auf der “normalen” Skipiste fahren könne, und lösten kurzerhand zwei Skipässe für das Skigebiet Iimori. Kinder unter sechs Jahren fahren in ganz Hakuba kostenlos. Titus durfte also mit uns im Sessellift Platz nehmen und meisterte nach anfänglicher Panik ob der langen und “steilen” Piste Abfahrt um Abfahrt meisterhaft.

So meisterhaft, dass er die von mir verordnete einstündige Mittagspause schier nicht aushielt – auch wenn der Hunger groß war, das Kind hat in diesem Skiurlaub einen unstillbaren Kohldampf und braucht bis zu sechs Mahlzeiten täglich.

Nachmittags zeigte Titus mir dann einer von ihm selbst angeordneten “Abschlussprüfung”, was er alles gelernt hat: Pflugbogen und Slalomfahren. Die heiße Schokolade, die ich zur Feier des Lernerfolgs spendierte, wurde mit “Bäh, eklig” abgelehnt. Aber der hiesige Baumkuchen erfreute sich großer Beliebtheit.

Pünktlich zum Abschluss des Skitags verabschiedete sich die Sonne und machte dicken Regenwolken Platz, so dass wir gar nicht ungern am Nachmittag in den Skibus stiegen, unsere Leih-Ausrüstung zurückgaben und die Skisaison 2019 damit für beendet erklärten – aber nur unter der Bedingung, dass wir spätestens in zwei Jahren den nächsten Skiurlaub fest einplanen.

4 Replies to “Japan: Ab auf die Piste!”

  1. Das war wieder eine schöne Reiseserie. Bei dem vielen Schnee lief mir hier ja ein bissel das Wasser aus den Augen. Hier ist es so trist! Winter schaut anders aus.
    Mein persönliches Highlight sind die Makaken im heißen Pool. Vor allem diese Selbstverständlichkeit in ihren Gesichtern á la „Das macht man so.“ Da ist die Ähnlichkeit zum Menschen gar nicht mehr so weit her.

    Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

    Liebe Grüße
    Franziska

    1. Danke! Weißer Winter ist tatsächlich schön – nur von der Kälte haben wir langsam genug.
      Die Affen machen es jedenfalls genau richtig, der Gesichtsausdruck spricht jedenfalls Bände!

  2. Liebe Asien Korrespondentin, wir kommen gerade aus Jungholz. Dort hat es so viel Schnee wie seit Jahren nicht aber auch herrlichen Sonnenschein, auf der Terrasse immerhin 20° C – freilich in der prallen Sonne, es freut mich, daß Titus zumindest auf seinen Vater kommt, der konnte im selben Alter auch so fahren, dann pflegt mal sein Knie, daß er wieder mithalten kann. hG Stadthalter Peter

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