Kuala Lumpur: Teestunde, Petronas Towers und Wasserspiele

Kuala Lumpur: Teestunde, Petronas Towers und Wasserspiele

Wir sind wirklich erstaunt darüber, wie ruhig es nachts rund um unser Hotel ist. Bis auf den Muezzin, der kurz nach 5 Uhr für einen kurzen (und schönen!) Gebetsruf ansetzt, ist es quasi totenstill. Obwohl wir der quirlige Nachtmarkt und die vielen Kneipen und Bars sowie die große Einkaufsstraße nur wenige Meter entfernt sind. Wir schlafen jedenfalls bestens.

Zum Frühstück kehren wir ins Antipododean Café ein, das gleich um die Ecke ist. Die Auswahl ist beeindruckend und das Essen und der Kaffee bzw. Tee sehr ansprechend, und wir genießen den Blick über die so langsam erwachende Jalan Alor.

Mehrere Stunden verbringen wir anschließend im typischen Stadtrundfahrt-Bus, diesmal meiden wir aber das offene Oberdeck, denn die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel, und wir haben vom Ausflug zu den Batu Caves am Vortag noch leicht gerötete Nasen.

Wir lassen uns durch Chinatown, Little India und durch den Botanischen Garten kutschieren, amüsieren uns über die vielen Einkaufszentren und die vielen ungesicherten und unaufgeräumten Baustellen. Ein großer Unterschied zu Singapur!

Am Präsidentenpalast steigen wir kurz aus, um ein Foto zu schießen, doch der Istana Negara ist hermetisch abgeriegelt, und so fahren wir lieber weiter zu den Petronas Towers und zurück in die Innenstadt.

So richtig überzeugt uns die Stadtrundfahrt nicht, während der Fahrten gab es keinerlei Informationen zu den Sehenswürdigkeiten entlang des Wegs, und es ist mangels vernünftiger Karte auch schier unmöglich, an dem einen Halt auszusteigen und später an einem anderen Halt wieder zuzusteigen. Als wir gerade überlegen, ob wir die Rundfahrt für beendet erklären, gibt es einen ohrenbetäubenden Knall, der den gesamten Bus durchrüttelt und die Passagiere zu Tode erschreckt, und ohne ein einziges erklärendes Wort fährt der Fahrer den nächsten Halt an, um dort ausgiebig die Reifen zu begutachten. Wir verabschieden uns daraufhin gerne und legen lieber einen kurzen Abstecher im Kraf Jalan Conlaya Kunstmarkt ein, der leider nicht sehr lohnenswert ist.

Der Himmel ist inzwischen bedrohlich schwarz, und kurz darauf regnet es in Strömen. Zum Glück haben wir bereits Pläne für einen Schlechtwetter-Nachmittag geschmiedet: ein kurzes Telefonat und eine noch kürzere Fahrt mit dem Taxi später steigen wir am Ritz-Carlton Hotel aus, wo wir bereits erwartet werden.

Im Salon des Hotels ist bereits für die nachmittägliche Teestunde eingedeckt, und wir lassen uns zwei Stunden lang die typischen Köstlichkeiten eines “Afternoon Teas” schmecken: warme Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade, kleine Quiches, Törtchen, und natürlich viel Tee. Ein Quartett aus Pianist, zwei Geigern und einem Kontrabassisten untermalen mit dezenter Musik das Geschehen, und wir fühlen uns “very British”!

Unser anschließender Verdauungsspaziergang zu den Petronas Towers verläuft nicht wie geplant: eine Großbaustelle versperrt uns dermaßen den Weg, dass wir am Ende ein Taxi bestellen, das uns zu den Zwillingstürmen bringt.

Das 452 Meter hohe Gebäude, von 1998 bis 2004 das höchste der Welt, kann nur mit Voranmeldung besichtigt werden, zum Glück hat Christiane längst Tickets gebucht.

Also fahren wir um 19 Uhr nach ausgiebiger Taschenkontrolle zunächst auf die 58 Meter lange Skybridge, die die beiden Türme auf 170 Metern Höhe miteinander verbindet. Die Stadt liegt im Abendlicht vor uns, doch so recht überzeugt sind wir noch nicht. Schon werden wir in den nächsten Aufzug gescheucht, wenige Sekunden später steigen wir am Observation Deck im 86. Stockwerk aus. Von 360 Metern Höhe ist der Blick über die Stadt beeindruckend, und der Vollmond lässt die Stahlteile des Nachbarnturm silbern leuchten.

Die Besuchszeit ist nach insgesamt vierzig Minuten zu Ende, und darüber sind wir dann auch gar nicht böse, denn uns knurrt der Magen, und wir müssen im Einkaufszentrum im Erdgeschoss direkt den nächstbesten Running Sushi-Laden ansteuern.

Die Lieblingsbeschäftigung der Einheimischen scheint – ebenso wie in Singapur – Shopping zu sein. Großfamilien, beladen mit Tüten der schicken und teuren Geschäfte, schlendern gemütlich durch die Gänge oder finden sich im angrenzenden KLCC Park ein, um die „Lake Symphony“ auf dem kleinen See zu bestaunen. Pünktlich um 21 Uhr ertönt „We are the World“, und die Düsen im See spritzen im Takt der Musik Wasserfontänen in die Luft, die in allen Farben des Regenbogens angestrahlt werden. Hübsch, aber von Singapur sind wir halt schon ziemlich verwöhnt, was Lichter- und Wasserspiele angehen.

Ähnlich geht es uns eine Stunde später, als wir per Taxi zurück zum Fluß Klang zurückkehren. Dort soll es laut diverser Tipps im Internet eine Lichtershow geben, die man auf keinen Fall verpassen sollte. Leider verpassen wir sie aber, so dass wir mehr als eine halbe Stunde am Ufer sitzen und warten müssen. Zum Glück ist die Nacht sehr lauschig, nur die vielen Motorrad- und Rollerfahrer, die auf den Nebenstraßen ihre Motoren aufheulen lassen, trüben ein wenig die Stimmung. Punkt 23 Uhr herrscht dann bei den Umsitzenden große Aufregung, Kameras werden gezückt und Stative aufgebaut, als die ersten Takte von Ennio Morricones Filmmusik zu „Once Upon a Time in the West“ ertönen. Das Flusswasser wird vernebelt, und zwar so dicht, dass von der hübsch erleuchteten Moschee gegenüber kaum noch etwas zu sehen ist, ein paar bunte Strahler erleuchten einen Springbrunnen, und nach weniger als fünf Minuten ist die „Show“ auch schon wieder vorbei. Nun ja, dafür hat sich die Warterei eher nicht gelohnt.

Etwas ernüchtert bestelle wir ein Taxi (wie auch in Singapur funktioniert hier „Grab“ ganz wunderbar) und lassen uns in unser Hotel zurückbringen. Auf Christianes dringenden Wunsch lassen wir uns noch eine randvolle Kokosnuss beim Inder nebenan schmecken, bevor wir ins Bett fallen. Heute sind die Füße nicht ganz so schwer, schließlich waren es nur 15.000 Schritte!

Am Montag morgen packen wir uns Handgepäcks-Köfferchen und können gar nicht fassen, wie schnell das geht, wenn man nicht für die ganze Familie noch mitpacken muss. Ein sehr aufmerksamer Fahrer bringt uns zum Flughafen, dann klappt alles wie am Schnürchen, und nicht einmal eine Stunde nach der Landung in Singapur bin ich so rechtzeitig wieder zuhause, dass ich Titus vom Kindergarten abholen kann. Der freut sich natürlich wie verrückt, weicht den restlichen Nachmittag nicht mehr von meiner Seite und streichelt und knutscht ständig meinen Arm. Besonders gelungen ist mein Mitbringsel: ein Kuschel-Koala aus Koala (!) Lumpur!

Meine liebe Reisebegleiterin und ich sind jedenfalls sehr zufrieden mit dem Ziel unseres Wochenend-Ausflugs! Die Stadt bietet genug Beschäftigungsmöglichkeiten für ein paar Tage, sie ist hinsichtlich Unterkunft, Transport und Verpflegung deutlich günstiger als Singapur. Von der Lage unseres Hotels sind wir schwer begeistert, wir konnten praktisch alles in der Stadt zu Fuß erreichen, direkt vor der Tür gab es Einkaufsmöglichkeiten und viele, viele Restaurants und Essensstände. Der Ausflug zu den Batu Caves war sicherlich das absolute Highlight und die Eindrücke haben uns lange beschäftigt. In Kuala Lumpur gibt es sicher einige „Schmuddel-Ecken“ mehr als in Singapur, doch ist die Stadt unheimlich lebendig, international und vielfältig. Einzig die vielen Bettler und Obdachlosen, viele davon mit kleinen Kindern, machten uns das Herz ganz schön schwer…

3 Replies to “Kuala Lumpur: Teestunde, Petronas Towers und Wasserspiele”

  1. Beim Koalaphoto und den Köpfen von Titus und Koala nebeneinander, dachte ich erst „Man, ist DER groß!“ – um dann beim Weiterscrollen grad bitter enttäuscht zu werden. Das ist ja nur ein Kopf!

    Liebe Grüße
    Franziska

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