Trauminsel Koh Yao Yai

Trauminsel Koh Yao Yai

Die Überfahrt von Koh Lanta nach Koh Yao Yai ist zeitaufwändig. Erst einmal geht es per Tuk-Tuk an den Hafen. Titus ist immer noch schlecht, und bei der wackeligen Fahrt bleibt es nicht aus, dass er sich wieder einmal übergeben muss. Wir sind da ja inzwischen sehr versiert, haben Tüten, Feuchttücher, Wasserflaschen und Ersatzkleidung griffbereit, drücken dem verdutzten Fahrer ein paar Extrascheine in die Hand und eilen zum Pier. Das Kind päppeln wir mit ein paar Schlückchen Cola auf und besteigen bald die hölzerne Fähre. Jeder Fahrgast bekommt einen Aufkleber verpasst, der genau ausweist, wohin die Reise geht – so behält die Crew auf dem überfüllten Anlegesteg den Überblick und pünktlich legen wir nach einer Stunde sehr ruhiger Fahrt auf Koh Phi Phi an.

Die Insel, bekannt durch „The Beach“, ist völlig überlaufen. Wir haben nur eine halbe Stunde Aufenthalt hier, doch das genügt völlig, denn außer Menschenmassen, Souvenirshops und Fast-Food-Ketten gibt es nichts zu sehen. Per Speedboat geht für uns deshalb die Fahrt weiter, mit über 50 km/h braust der Kapitän weiter nordwärts und wir werden dabei ganz schön durchgerüttelt, während Titus seelenruhig ein Nickerchen macht. Am späten Nachmittag legen wir auf Koh Yao Yai an. Die Insel ist bislang noch nicht besonders touristisch, nur gut 4.000 Menschen leben hier und außer ein paar kleinen Dörfchen mit Straßenrestaurants sind auf der Tuk Tuk-Fahrt nicht zu sehen. Bald biegen wir von der nur mittelmäßig gut geteerten Hauptstraße ab und erreichen das Kaoh Yao Yai Village, wo wir drei wunderschöne, mitten im Dschungel gelegene Hütten beziehen.

Die Tage verbringen wir am wunderschönen Pool – selbst ich, die ich sonst dem ganztätigen Herumliegen nicht viel abgewinnen kann, bin sehr angetan vom Blick über die Phang Nga Bay mit ihren eindrucksvollen Inseln und Felsen.

Titus, der schnell wieder gesund ist, schwimmt Stunde um Stunde alleine im Becken, wir sind alle höchst erstaunt über seine Schwimmkünste und seine Ausdauer. Dementsprechend gut schläft das Kind denn auch nachts, und wir ebenso – es ist fast schon gespenstisch ruhig nachts im Wald und dank schattenspendender Bäume auch einigermaßen kühl, während uns tagsüber die Sonne bei 35 Grad auf die Köpfe brennt. Alle sind tief gebräunt und die ganze Familie ist mit der Auswahl der Unterkunft mehr als zufrieden.

Das Meer ist zwar wunderschön und fast zu warm zum Baden, doch nachdem Norman gleich am ersten Tag schmerzhafte Bekanntschaft mit einer Feuerqualle macht, gucken wir lieber, anstatt hineinzuwaten.

Des Abends kehren wir in ein kleines Lokal an der Hauptstraße ein und lassen uns sämtliche Varianten thailändischer Küche schmecken. Hier gibt es auch Bier und Cocktails, was auf der rein muslimischen Insel eine Ausnahme ist.

Natürlich finden wir auch hier Zeit für Ausflüge. Mit einem traditionellen Holzboot mit weit nach außem verlagerten Antrieb (wegen der vielen Felsen unter Wasser und der ausgeprägten Ebbe) werden wir morgens direkt am Strand vor unserem Hotel abgeholt. Dieses haben wir nicht völlig überteuert über das Hotel gebucht, sondern einen örtlichen Touranbieter aufgetan, der sich rührend um uns kümmert. Wir schippern auf dem Longtail-Boat nordwärts bis in die Bucht, und können von den Blicken auf die Tausenden dicht bewachsenen Felsen nicht genug bekommen, während wir uns den Fahrtwind um die Nase wehen lassen.

Am sogenannten „James Bond-Felsen“ steigen Norman, Titus und ich in ein kleines Kayak um und lassen und von einem schwitzenden Bootsmann kreuz und quer um die Felsen rudern, in Höhlen hinein und unter Überhängen hindurch. Wenn es nicht so heiß und so abartig voll wäre, wäre der Anblick noch spektakulärer. So aber wird es fast schon eng, Hunderte von Kayaks sind dort unterwegs, ein babylonisches Sprachgemisch aus Chinesisch, Russisch, Niederländisch, Deutsch und Hindi ist zu hören.

Wir steigen wieder auf unser kleines Privatboot um, weiter geht es zum schwimmenden Dorf Panyee, wo wir Mittagspause machen. Auch hier liegen eine unüberschaubare Anzahl an großen Ausflugsschiffen vor Anker, in den Hafenrestaurants werden Tausende Touristen mit Meeresfrüchten abgefüttert, und wir sind froh, nach einem kurzen Spaziergang durch das auf Stelzen erbauten Dörfleins wieder weiterschippern zu können.

Stunde um Stunde fahren wir in der Andamanen-See herum, liegen faul auf den Sitzbänken und genießen das Nichtstun, denn der Lärm des Motors macht Unterhaltungen schier unmöglich. Erst am späten Nachmittag werden wir wieder an unserem Hotelstrand abgesetzt und sind sehr zufrieden mit unserem Tagesausflug.

Pierre ist so angetan von der Landschaft hier, dass er anregt, doch noch einmal einen Tauchgang zu organisieren. Also telefoniere ich dem einzigen Tauchbüro hinterher, das auf Koh Yao Yai stationiert ist, und wir werden am nächsten Morgen wie verabredet von einem Fahrer erwartet, der uns an die Westküste bringt. Mit vier anderen Tauchern und drei Tauchlehrern geht es im Schnellboot hinaus Richtung Phuket. Auf halber Strecke liegt dort eine Autofähre unter Wasser, de 1997 nach einem Zusammenstoß mit einem Riff gesunken ist. Das Wrack befindet sich auf knapp 30 m Tiefe und ist nach zwanzig Jahren komplett mit Muscheln und Korallen überwuchert, und bietet einen beliebten Rückzugsort für Fischschwärme aller Art. Selten habe ich so viele Fische auf einem Haufen gesehen, man kann kaum das Wrack selbs erkennen, so dicht schwimmen die Schwärme darum herum. Die „King Cruiser“ ist mit 30 Metern Länge ganz schön groß und wie immer finde ich Wracktauchen ein wenig beklemmend – vor allem, als wir die aufgebrochenen Toiletten entdecken, in deren Kloschüsseln nun Seeigel heimisch sind.

Der zweite Tauchgang führt uns zum „Shark Point“ genannten Korallenriff, und auch hier ist eine Fülle von Fischarten zu sehen, wie ich es bisher nirgendwo erlebt habe. Ganze Schwärme von Tintenfischen sind über unseren Köpfen auf der Jagd, an jeder Ecke paddelt ein bis zu 75 Zentimeter großer Kugelfisch, Barrakudas und Thunfische schnellen durch Schwärme kleiner Beutefische, Scharen an Feuerfischen und Muränen wohnen in Höhlen – kurz: der Ausflug hat sich definitiv gelohnt, Pierre, Norman und ich sind jedenfalls sehr selig, als wir am späten Nachmittag zurück ins Hotel kommen.

Titus hat derweil Bekanntschaft mit einem österreichischen Mädchen gemacht („Das ist meine Freundin!“) und wir bekommen ihn selbst beim Abendessen kaum noch zu Gesicht. Am meisten freut er sich, dass Ella auch bei der großen Silvestergala dabei sein wird, nach zehn Tagen Familienurlaub braucht er sichtlich die Gesellschaft anderer Kinder!


Aber nun: kommt alle gut ins neue Jahr, der nächste Bericht folgt dann 2019 wieder aus Singapur!

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