Stressfreie Adventszeit

Stressfreie Adventszeit

Wie anders ist doch die Adventszeit in Singapur. Natürlich ist es schwierig, in Weihnachtsstimmung zu kommen, wenn es immer noch so warm ist, dass wir kurze Hosen tragen können. Einen Jahreszeitenwechsel gibt es quasi nicht, momentan ist zwar Monsun-Zeit und es regnet viel, aber mehr Unterschiede zum Rest des Jahres gibt es nicht.
Es wird genauso spät bzw. früh dunkel wie den Rest des Jahres, und der Bedarf nach heißem Tee und sonstigen wärmenden Gerichten und Getränken hält sich in Grenzen. Dafür müssten wir die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen lassen, und da diese eh momentan undicht sind und tropfen, lassen wir das lieber.

In Titus‘ Kindergarten ist er quasi das einzige Kind, dass auf Weihnachten hin fiebert und seine Erzieherinnen mit „Jingle Bells“ und „In der Weihnachtsbäckerei“ auf Trab hält. Er durchmischt nun fleißig sämtliche Traditionen rund um Christkind, Weihnachtsmann, Nikolaus und Santa Claus. So hat er erst gestern ein Bild gezeichnet, das ihn zeigt, wie er morgens (!) aus dem Bett steigt und unter dem Weihnachtsbaum Geschenke vorfindet. Größte Sorge hierbei ist, dass  wir gar keinen Kamin für Santa Claus haben. Gleichzeitig will er aber unbedingt einen Wunschzettel für das Christkind schreiben, und dass der Nikolaus entgegen jeglicher anglo-amerikanischer Bräuche am 6.12. zu Besuch kommt, findet er gar nicht so schlecht.

Allerdings übernimmt er sehr begeistert die Idee, dem Nikolaus einen Teller mit Gebäck und einem Getränk sowie ein paar Karotten für die Rentiere bereitzulegen.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Wundersamerweise ist dann am Abend alles weggenascht, nur an einem Karottenrest kann er Knabberspuren der Zugtiere erkennen – große Freude, natürlich auch über die Geschenke.

Die Stadt selbst hat sich prächtig herausgeputzt, ist doch das Weihnachtsfest ein weiterer Anlass, um die Einkaufswut der Singapurer weiter anzufachen.

Die Christbäume in den Einkaufszentren und die Straßenbeleuchtungen sind prächtiger als irgendwo sonst auf der Welt, mit dem Weihnachtsfest selbst hat aber alles eher wenig zu tun.

Da bereits sämtliche lokalen Schulen Ferien haben, überbieten sich die Einkaufszentren gegenseitig darin, mit überzogenen Kinderaktionen Eltern und Kinder in die Malls zu locken.

Mir kommt dieses „Halbgare“ gerade recht, ich empfinde diese „Alles kann, nichts muss“-Mentalität, was Weihnachten angeht, als sehr angenehm. Wenn ich Lust auf Plätzchen backen, Weihnachtsshopping, einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt und Weihnachtsliedersingen habe: kein Problem, es gibt nichts, was es nicht gibt.
Auf der anderen Seite ist das Weihnachtsfest hier dermaßen unwichtig für Dreivertel der Bewohner, dass es eine solche Unart wie Vorweihnachtsstress überhaut nicht gibt, da praktisch niemand außerhalb der europäischen/amerikanischen Filterblase die Feiertage (die hier keine sind) auf dem Schirm hat. Wir picken uns deshalb nur die „Rosinen“ raus: Titus und ich LIEBEN es, Plätzchen zu backen, Norman geht gerne zur Firmen-Weihnachtsfeier, wir besuchen den Weihnachtsmarkt, weil es bei 30°C so schön albern ist, dekorieren ein klein wenig unser Zuhause und Titus erfreut sich täglich am Adventskalender.

Und gleichzeitig werden wir das eigentliche Weihnachten einfach wie letztes Jahr schon ausfallen lassen. Stattdessen verbringen wir den Jahreswechsel mitsamt den Großeltern, Onkel und Tante am Strand unter Palmen in Thailand verbringen. Ohne Weihnachtsfest, ohne Geschenke, einfach nur im Familienurlaub.
Und vielleicht findet Titus bei unserer Rückkehr nach Singapur Anfang Januar ja doch noch ein Beweisstück für den Besuch des Christkinds auf dem Balkon vor…

7 Replies to “Stressfreie Adventszeit”

  1. Ja, das sieht doch alles gut aus ! Übrigens, bei dem Wetter hier hält sich die Weihnachtsstimmung auch in Grenzen, zumindest bei uns Alten !
    Tschau, der S- Vater Opa Peter

  2. Wenn Titus sein Grinsen beibehält, wird er später mal ein Frauenschwarm!

    Um eure entspannt antretbare Vorweihnachtszeit beneide ich euch. Hier gibt es nur zwei Zustände: Besoffen (dank diverser Feiern und Weihnachtsmarkt) oder hyper-gestreßt-aggressiv-aus-Gründen. *facepalm*
    Ich war bisher einmal auf dem Weihnachtsmarkt und befand ihn direkt für Naja. Wirklich schöne Dinge sind nicht mehr dabei. Dafür singende Elchköppe!
    Lieber in einem Café sitzen und gemütlich lesen.

    1. Die Asiaten – männlich wie weiblich – bezirzt er jetzt schon sehr erfolgreich.
      Danke, die Weihnachtsmärkte vermisse ich tatsächlich überhaupt nicht. Zu viel Ramsch und pappig-süße Getränke, brrrr!
      Dir trotzdem eine schöne Adventszeit!

      1. Danke sehr, habe ich! Weil mir bis auf jetzt am Sonntag (ist versprochen an eine Bekannte) dann noch mal „da raus“ gehen werde. Also Innenstadt und dann diesen Mief ertragen.

        Keine Bange, die ist vorhanden, ich geh jetzt schlafen. War vorhin auf Termin bei Babysturm (geht eindeutig noch schlimmer), Regen und „Bus kommt nicht??“ (á la ET nach Hause telephonieren). Liege seit dem im Bett und hab mir „So wie du bist“ angeschaut. Mit Wärmflasche. Die kennt ihr in Singapur gar nicht mehr, hm? Lach.

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