Konzert und Bird Park

Konzert und Bird Park

Ist das Wochenende etwa schon wieder vorbei? Wie kann das sein???

Hat das etwa damit zu tun, dass ich den kompletten Freitag Abend in der Chorprobe verbracht habe? Nach drei Stunden Orchesterprobe war kein Taxi zu bekommen – kein Wunder, findet die Probe doch auf einem recht abgelegenen Schul-Campus statt, da kommen nach 22.30 Uhr eher keine Autos mehr zufällig vorbei. Also steige ich nach mehreren erfolglosen Versuchen, einen Fahrer zu buchen, in den Bus, und komme erst kurz vor Mitternacht dort an.

Immerhin bleibt am Samstag Vormittag ein bisschen Zeit, um gemütlich zuhause zu lesen, zu spielen und Weihnachtslieder zu singen (!).
Titus marschiert erneut freudig in seine Extra-Musikstunde, und Norman und ich können gar nicht fassen, dass wir dadurch, dass er dort alleine bleiben möchte, nun an einem Samstag alleine Zeit zuhause haben.
Die Zeit brauche ich auch, um meine Konzertkleidung herauszukramen und meine Schuhe zu putzen – ich trage hier nie geschlossene schwarze Schuhe!

Nach einem schnellen Mittagessen sause ich dann auch schon los und stehe pünktlich um 13 Uhr im Konzertsaal der School of the Arts zur Generalprobe. Die zieht sich schier endlos lange, nach über vier Stunden, in denen wir im völlig unterkühlten Gebäude komplett durchgefroren wurden, bekommen wir eine Stunde Pause. Wie die meisten meiner Mitsänger brauche ich dringend frische (= warme) Luft und einen heißen Kaffee, danach erwachen die Lebensgeister spürbar wieder, und wir werfen uns allesamt in Schale, sofern das bei komplett schwarzem Dresscode überhaupt geht.

Norman und Titus verbringen einen ähnlich musikalischen Nachmittag. Sie besuchen das Kinderkonzert des Singapore Symphony Orchestra, und Titus darf an der Harfe zupfen und den Geigenbogen schwingen.

Er ist recht zufrieden mit dem Konzertbesuch, Norman dagegen findet, dass die Musik selbst bei dem ganzen Kinderquatsch viel zu kurz gekommen ist.
Den Rest des Tages verbringen die beiden mit Spielen, einem Kochexperiment aus dem Lieblingskinderkochbuch und dem zweiten Teil der „Little Mermaid“, der aber für Titus viiiiel zu gruselig ist.

Ich sitze und stehe derweil auf der Bühne und versuche in gut zwei Stunden Aufführung mein Bestes bei Haydns Oratorium Die Schöpfung.

Irgendwie bin ich mit dem Stück das ganze Semester über nicht richtig warm geworden, Haydn liegt mir nicht so richtig, obwohl die Harmonien eingängig sind – zumindest für die Europäer im Chor, der Rest tut sich deutlich schwerer mit dem Erlernen der Gesangslinien. Wir singen auf Englisch, was seltsam klingt in meinen Ohren, die Rezitative und Arien sind schier endlos und der Chor hat verhältnismäßig „wenig“ zu tun und lange Wartezeiten.

Doch am Ende die große Überraschung: Die Solisten sind toll, das Orchester inzwischen auch, der Chor hat sich vor allem in der letzten Woche erstaunlich gemausert, und das Publikum ist am Ende war verständlicherweise er“schöpft“, aber auch begeistert.

Ganz entgegen meiner Erwartungen bin ich deshalb tatsächlich in Feierlaune, und so lasse ich den Abend bei ein paar Gläschen Wein mit Chorkollegen und Gästen aus dem Publikum im kleinen, italienischen Bistro Etto ausklingen. Erst um Mitternacht mache ich mich per Bus auf den Heimweg, doch in Singapur ist das ja alles kein Problem: der Bus kommt pünktlich auf die Minute, und um die eigene Sicherheit muss man sich hier selbst zu später Stunde keine Sorgen machen.

Leider gilt bei uns am Wochenende immer für mich Aufstehpflicht, und weil Titus ganz gewissenhaft immer erst auf dem Handy kontrolliert, ob es nach 7 Uhr ist (vorher darf er mich nicht wecken), habe ich nichts entgegenzusetzen, auch wenn es nur wenige Minuten nach sieben ist. Bei einer Tasse Kaffee bzw. einem Glas Milch gucken wir zusammen die letzte Folge der „Maus“ und hüpfen bereits um halb neun in den Pool.

Die Regenzeit in Singapur gestaltet sich nämlich so, dass es morgens und vormittags meist strahlend schön ist, und spätestens ab 14 Uhr die Regenwolken aufziehen. Also ist die Idee gar nicht so schlecht, zumindest am Wochenende noch vor dem Frühstück eine Runde Schwimmen zu gehen. Als Vorbereitung auf unseren anstehenden Weihnachtsurlaub hat Titus nun zusätzlich zum Schwimm- das Schnorcheltraining in sein Übungsprogramm mit aufgenommen, und paddelt vergnügt so lange im recht kühlen Pool herum, bis er komplett durchgefroren ist.

Leider ist der Boiler in unserem Bad mal wieder kaputt, so dass es danach nur eine lauwarme Dusche gibt. Hoffentlich hat der Handwerker gleich am Montag Zeit, sich das mal anzuschauen!

Ich muss heute dringend ein bisschen raus, nachdem ich am Samstag fast neun Stunden in einem fensterlosen Konzertsaal verbracht habe.
Also fahren wir mit dem Taxi nach Jurong, von uns aus am anderen Ende der Stadt gelegen, und besuchen dort zum ersten Mal den Bird Park.

Dieser Vogelpark ist der letzte der vier großen Zoos der Stadt, der mir auf meiner Stadtbesichtigungs-Liste noch gefehlt hat, und ich bin tatsächlich sehr angetan davon, auch wenn ich jetzt nicht die größte Vogel-Liebhaberin aller Zeiten bin.

Zum einen ist es hier erstaunlich leer, obwohl es Sonntag Mittag ist. Die einzigen Gäste sind indischer oder chinesischer Abstammung und treten im Großfamilien-Verband auf, nach dem obligatorischen Regenguss am frühen Nachmittag verabschieden sich davon aber die meisten, und haben das Gefühl, mehr oder weniger allein hier unterwegs zu sein.

Zum anderen sind die hier lebenden Vögel schon besonders. Es gibt sechs Pinguin-Arten, und Titus erklärt jedem, der es hören will, sogleich, dass er ja die kleinste Pinguinart erst kürzlich in Neuseeland gesehen hat.
Dann kommen wir genau rechtzeitig zur Fütterung von Normans Lieblingstieren, der Pelikane, von denen gleich acht verschiedene Gattungen hier leben. Titus kriegt sich schier nicht mehr ein über die großen Schnäbel und die lustigen „Frisuren“ der Vögel, muss aber während der Fütterung dringend gleichzeitig selbst seine Brotzeit verspeisen. Immer wieder versuchen Störche, sind unter die Pelikane zu mischen und auch einen Fisch abzugreifen, werden aber vehement von Tierpflegern verjagt.

Pfaue, Fasane, Krontauben spazieren in gigantischen Volieren frei herum, was Titus ein wenig unheimlich ist, weil diese gerne unvermittelt losflattern. Die Papageien sind wunderschön anzusehen, die Nashornvögel und Tukane ebenso, und dass der Vogelpark wie auch die anderen Zoos der Stadt mitten im originalen Regenwald beheimatet ist, lässt vergessen, dass wir uns in einem Zoo befinden. Störche und Pelikane sind frei, können kommen und gehen wie sie wollen, finden aber wohl die festgelegten Fütterungszeiten so bequem, dass sie gerne hier bleiben.

Ehe wir uns versehen, sind drei Stunden vorbei, und wir haben genug Federvieh gesehen. Zuhause stehen das wöchentliche Großeltern-Telefonat an, anschließend bereite ich das Abendessen zu, dass mein Sohn mit den Worten „Nein, danke, das esse ich nicht, das ist eklig“ von sich schiebt. (Nachtrag: es gibt simple Tomatensuppe – extra fein püriert! – und dazu köstliches, frisch gebackenes Maisbrot. Natürlich ohne 
Jalapeños). Immerhin ist er mit Alternative Butterbrot zufrieden, und fällt ziemlich müde um kurz nach acht ins Bett.

Den Sonntag läuten Norman und ich ganz gemütlich zuhause mit einem früher absoluten Pflicht-Ritual aus: mit nur einer Woche Verspätung schauen wir den Jubiläums-„Tatort“ aus München an. Das haben wir schon seit Monaten nicht mehr gemacht, und da werden die Heimatgefühle schon wieder ziemlich wach. 


Mehr „Wochenenden in Bildern“ findet Ihr auf Susanne Mieraus Blog „Geborgen Wachsen “!

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