3. Advent: Familien-Zusammenführung

3. Advent: Familien-Zusammenführung

Freitag Abend stehen gleich zwei wichtige Termine im Kalender: zum einen veranstalten die Eltern von Titus‘ Kindergartenfreundin Alisha eine „kleine Weihnachtsparty“. Darauf freuen die Kinder sich schon die ganze Woche, und die „kleine Party“ ist eine Untertreibung: in der Wohnung der Gastgeber tummeln sich nämlich innerhalb kürzester Zeit etwa dreißig Kinder zwischen 2 und 5 Jahren, dazu natürlich sämtliche Eltern, es gibt eine Dame, die Glitzertattoos auf Kinderarme malt und ein eher seltsamer Weihnachtsmann-Verschnitt macht mit den aufgedrehten Kindern Partyspiele, wozu offenbar Musik in ohrenbetäubender Lautstärke benötigt wird. Im Wohnzimmer ist ein großes Büffet (!) aufgebaut, es gibt von Tannenbaum-Cupcakes bis dreistöckiger Motivtorte und zig Pizzen alles, was das Kinderherz begehrt – und zum Glück schenkt Vivek, der Gastgeber-Papa, sehr großzügig Rotwein aus. 

Selbst Titus wird der Trubel nach knapp zwei Stunden zuviel, und nun steht eh der zweite Höhepunkt des Tages an: die Großeltern sind da! Norman hat diesmal den Abholservice am Flughafen gemacht, und zur Begrüßung spazieren wir sogleich alle zusammen zu unseren Haus- und Hof-Hakwer an der Newton MRT.

Bei Satay-Spießen, Fried Rice, Papadums, Carrot Cake und kaltem Tiger-Beer stoßen wir auf das Wiedersehen an, und es ist auf dem Food Court, wo Freitag Abends immer alle Tische bis auf den letzten Platz besetzt sind, wirklich gemütlich.

Nach dem langen Flug sind die Besucher müde, und so lassen wir den Abend recht früh ausklingen. Zum ersten Mal testen Norman und ich nun einmal unser Gästebett (eine große Luftmatratze, Komfort, versteht sich) und überlassen den Besuchern unser Schlafzimmer. Titus freut sich beim nächtlichen Auswandern jedenfalls darüber, dass er auch mal auf der LuMa schlafen darf, Norman wandert derweil ins Kinderzimmer aus – ganz normal bei uns…

Am Morgen ist die Begeistert groß, als Titus zwei volle Koffer mit Mitbringseln auspacken darf. Was da alles zum Vorschein kommt!

Während Norman Peter und Anneliese am Samstag Vormittag durch Chinatown führt, dabei das Chinatown Heritage Centre und den Buddha Tooth Relic Temple besuchen, absolviert Titus die letzte Klavierstunde für dieses Jahr, und hat danach ordentlich Hunger.

Beim Nudelmann in der Smith Street in Chinatown treffen wir am späten Mittag also den Rest der Familie und lassen uns köstliche Suppe schmecken. Gestärkt spazieren wir über den Ann Siang Hill durch Telok Ayer, wo sic die Stadt wieder mit all ihren Gegensätzen präsentiert.

Der Himmel ist bewölkt, es ist also erträglich draußen, und deshalb schaffen wir es tatsächlich mit einer kurzen Busfahrt bis zum Singapore River. Dort lassen wir uns sehr wohlverdient (Eis-)Kaffee und Torte schmecken, während Titus aus der Kinderecke Buch um Buch anschleppt und den Opa zum Vorlesen verdonnert.

Zu Fuß geht es weiter bis ins Ausgehtviertel am Clarke Quay. Die Stadt ist wegen der bereits begonnen Weihnachtsferien wie ausgestorben, selbst am Samstag Abend ist hier kaum was los, und dank Reservierung bekommen wir problemlos einen Tisch im Lieblings-Hot Pot Restaurant.

Wie immer ist der Auftritt des teigschwingenden Nudelkochs ein großer Spaß für alle, das Essen ist köstlich, Titus lässt sich routiniert von den netten Bedienungen umsorgen und in den Kinderbereich geleitet, so dass wir ungestört zwei Stunden lang schmausen können.

Titus ist zuhause so aufgeregt, dass er ewig nicht einschlafen kann. Bis ich aus dem Kinderzimmer komme, hat sich die Familie zum Großteils schon mit vollen Bäuchen ins Bett gelegt. Das Kind darf ab sofort ein wenig später ins Bett, schließlich sind Ferien und wir alle profitieren dann davon, wenn er morgens ein bisschen länger schläft

Das klappt auch tatsächlich gut, am Sonntag liegen fast alle bis halb neun  in den Federn, und danach wird auch schon zum Aufbruch geblasen: zum Frühstücken geht es ans Meer. Im Privée an der Keppel Bay lassen wir uns mit Blick auf den Yachthafen und bei leichter Brise das Essen schmecken.

Anschließend erklärt sogar Titus, dass er jetzt Lust auf eine Wanderung hätte. Also lassen wir uns mit dem Taxi auf den Mount Faber fahren und wandern die Henderson Waves bis hinunter zur Alexandra Road. Obwohl ich diesen Weg nun schon zum dritten oder vierten Mal ablaufe, finde ich die Kombination aus wildem Urwald, Meerblick, dem Häusermeer Singapurs und der interessanten Architektur der Holz-Wanderwege immer noch so spannend wie beim ersten Mal. Nun kommt allerdings die Sonne raus und es wird merklich heiß, und es wird Zeit für einen Abstecher zum heimischen Pool!

Titus und ich verabschieden uns vom Rest der Familie und treten den Weg zum sonntäglichen Kinder-Yoga an. Diesmal dürfen Eltern mitmachen, und so haben wir eine vergnügliche Stunde mit lustigen Klettereien und schönen Geschichten.

Ein wichtiges Projekt steht zuhause noch an: der Wunschzettel an’s Christkind muss endlich geschrieben werden. Innerhalb der letzten zwei Wochen hat Titus unheimlich gut schreiben gelernt, auch wenn er immer wieder die deutschen und englischen Alphabete durcheinander wirft. So buchstabiert er zum Beispiel das Wort „Weihnachtsbäckerei“ mit einem „Y“ am Anfang – denn das wird ja im Englischen wie „WAI“ ausgesprochen. Darauf muss man beim Lesen all der Texte, die er mir täglich vor die Nase hält, erst mal kommen!

Nun also der Brief ans Christkind: 

LIBS KRISTKIND ICH WÜNSE MIA AIN KLAWIA.

Unterstützt wird er beim Schreiben von den anderen Großeltern, die wir über FaceTime dazuschalten. Es ist so schön, dass man sich beim Telefonieren sehen und so wenigstens ein bisschen am Alltag teilnehmen kann!

Der Nachmittag vergeht so wie im Flug, und sämtliche Pläne, zum Abendessen noch einmal das Haus zu verlassen, fallen der akuten Müdigkeit zum Opfer bzw. buchstäblich ins Wasser, da es ab 17 Uhr wie aus Eimern schüttet. Also schieben wir eine Folge der „Maus“ ein, und Norman holt aus dem Einkaufszentrum gegenüber schnell eine Auswahl an koreanischem Bibimbap und chinesischem Gemüse und Reis, das wir uns lassen auf dem Balkon schmecken lassen. Ein schöner dritter, tropischer Advent!

2 Replies to “3. Advent: Familien-Zusammenführung”

  1. Oh Gott. Carrot Cake!
    Sofort sehe ich Ozzy Osbourne vor mir.

    Eine schöne vorweihnachtliche Woche wünscht euch
    Franziska

    1. Da muss ich passen – was hat denn Ozzy Osbourne mit Carrot Cake zu tun? Die Singapurer Variante jedenfalls ist weit entfernt von jeglicher Kuchenform. „Carrot Cake“ ist eine Art Omelette, gemischt mit einer chinesischen Rettichart, die auf englisch eben mit „carrot“ übersetzt wird: Chai Tow Kway

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