Neuseeland: Von den Marlborough Sounds nach Kaiteriteri

Neuseeland: Von den Marlborough Sounds nach Kaiteriteri

Nach unserer zugegebenermaßen recht langen Nachtwanderung schlafen wir allesamt wieder bis weit in den Morgen hinein – damit verfällt der Plan, eine ausgedehnte Tageswanderung zu machen, denn bis wir nach Frühstück, erneutem Tiere füttern und aufräumen soweit sind, ist es schon fast 11 Uhr.

Also fahren wir nur ein paar Kilometer weiter bis zum Beginn des Queen Charlotte Treks. Dieser Wanderweg führt an einem der vielen Meeresarme der Marborough Sounds entlang, leicht erhöht durch den Wald. Titus darf seine nagelneuen Wanderschuhe anziehen, und mit vielen Geschichten auf Lager marschieren wir los. Der dichte Wald beherbergt gewaltige Farne, unbekannt zwitschernde Vogelarten und immer wieder auch ein paar Palmen, es ist wunderbar schattig, während vom wolkenlosen Himmel die Sonne scheint. Unter uns ziehen auf dem Meer unzählige Ruderer in Kayaks ihre Runden, ein paar Segelboote liegen träge auf dem Wasser.

Es geht über Stock und Stein, wir hüpfen über Matschpfützen, sammeln große Kiefernzapfen, suchen Wanderstöcke und motivieren den kleinen Wanderer solange, bis wir nach gut einer Stunde an einer kleinen Meeresbucht ankommen. Dort finden wir eine perfekte Picknickbank vor, sowie ein kleines Bächlein, in dem sich wunderbar ein Staudamm bauen lässt. Enten und andere freche Vögel lassen sich augenblicklich in der Hoffnung auf herabfallende Krümel zu unseren Füßen nieder, und wir lassen uns derweil unsere Brotzeit schmecken.

Außer uns ist hier keine Menschenseele, und wir genießen die Stunde Rast in der Sonne sehr. Irgendwann jammert Titus, dass es nun wegen des eiskalten Wassers an den Füßen doch frieren würde, und so treten wir den Rückweg an. Wieder marschiert der kleine Kerl tapfer bis zum Parkplatz zurück und freut sich sehr, als er unseren „Wohni“ entdeckt.

Nachdem alles verstaut ist und alle Platz genommen haben, treten wir unsere heutige Tagesetappe an. Fast drei Stunden lang dauert die etwa 170 Kilometer lange Fahrt bis nach Kaiteriteri, denn neben Abschnitten, die einer gut ausgebauten Landstraße gleichen und auf der ich fast 100 km/h schnell fahren kann, kommen immer wieder echte „Bergetappen“ mit Serpentinen und Haarnadelkurven, in denen maximal 30 km/h geboten sind. Zum Glück gibt es fast überall kleine Haltebuchten, dank denen ich die Autos hinter uns passieren lassen kann. Wir sind froh, dass wir uns für so eine „kleine“ Variante eines Camper Vans entschieden haben, denn mit einem richtigen, großen Wohnmobil kämen wir nicht so gut voran…

Titus jammert eine ganze Weile lang „seinen Lämmchen“ vom Campingplatz hinterher, die er augenscheinlich schwer vermisst. Zur Aufheiterung hören wir wieder die Geschichte vom „Räuber Hotzenplotz“, da gibt es nämlich genug zu lachen. Auch für ein Eis und eine Kaffeepause reicht die Zeit, ebenso für ein paar Zwischenstopps an besonders schönen Aussichtspunkten oberhalb der fjordähnnlichen Meeresarme.

Gegen 18 Uhr biegen wir endlich auf den Campingplatz in Kaiteriteri ein – der ist zwar immens groß, aber auch momentan ziemlich verlassen, so dass wir freie Platzwahl haben. Während Titus den Spielplatz erkundet und Norman in der Campingplatzküche das Abendessen zubereitet, kämpfe ich mit dem WiFi und lasse mir ein Fläschchen Craft Beer schmecken.

Auch an diesem Abend schläft Titus nach wenigen Minuten ein, die viele Bewegung an der frischen Luft scheint ihn wirklich müde zu machen. Es ist leider empfindlich kalt draußen, sobald die Sonne untergegangen ist, und so machen Norman und ich es uns mit einem Gläschen Weißwein im Camper gemütlich.

Die Nacht ist diesmal tatsächlich fast unangenehm kalt, Titus kuschelt sich im Schlaf eng an mich und rückt keinen Zentimeter von meiner Seite, was dazu führt, dass ich kaum schlafen kann. Zu allem Übel müssen wir auch noch früh aufstehen, das wir pünktlich am Hafen sein müssen. Also schlüpfe ich um halb acht schlotternd in meine Klamotten und werfe den Gasherd an, um Tee-/Kaffeewasser und heißen Porridge zuzubereiten und gleichzeitig Brotzeitdosen zu füllen. Titus verpennt alle diese Aktivitäten und wird erst in letzter Minute von mir geweckt.

Wir schaffen es trotzdem pünktlich zum Hafen und besteigen dort ein Rundfahrtschiff, dass uns drei Stunden lang entlang der Küste von Kaiteriteri und des Abel Tasman Nationalparks fährt. Hier legten im Jahr 1642 die ersten niederländischen Seefahrer an und trafen auf polynesische Inselbewohner – damit begann die Besiedlung Neuseelands durch Europäer. Der dem Entdecker gewidmete Nationalpark beherbergt dichte Wälder und viele Tierarten, unter anderem Kormorane und Seelöwen, von denen wir einige auf der Fahrt entdecken.

An einer der Buchten steigen wir aus und legen erst einmal eine Brotzeitpause ein – für Titus ist es undenkbar, ohne gut gefüllten Magen eine Wanderung anzutreten.

Mehr also zwei Stunden lang marschieren wir bergauf und bergab durch den Wald entlang der Küste im äußersten Nordosten der neuseeländischen Südinsel. Titus denkt sich gemeinsam mit Norman eine lange, lange Geschichte über eine tierische Geburtstagsparty aus, die ihn so fesselt, dass er die gesamte Wanderung über nicht eine winzige Erzähl- oder Gehpause einlegt.

So erreichen wir die wunderschöne Bucht, in der wir abgeholt werden sollen, und es bleibt noch genug Zeit, im fast weißen Quarzsand zu buddeln.

Das Kind ist jedenfalls sehr zufrieden mit unserem Ausflug, der für ihn wie im Flug verging. Zurück geht es wieder per Boot, und direkt nach unserer Ankunft am Hafen am späten Nachmittag entdeckt Titus dort einen tollen Abenteuerspielplatz, der ausgiebig erkundet werden muss. Mit den einheimischen Kindern unterhält er sich ganz unbefangen, und wieder einmal bin ich wirklich froh, dass Titus bereits als kleines Kind schon so gut englisch sprechen kann!

Zum Abendessen kehren wir in eine der Hafenbars ein, ich lasse mir eine Portion der großen Muscheln, die hier in rauen Mengen gezüchtet werden, mit einem Glas Weißwein schmecken, bevor wir zum Campingplatz zurückkehren.

Nach langen Überredungsversuchen lässt Titus sich dort überzeugen, die warme Dusche auszuprobieren, und macht es sich anschließend frisch gewaschen im Schlafanzug im Camper gemütlich – wo die Augen bald zufallen!

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