Neuseeland: von Christchurch nach Auckland

Neuseeland: von Christchurch nach Auckland

Allen Wettervorhersagen zum Trotz scheint mir am Mittwoch Morgen die Sonne ins Gesicht, als ich die Wohnwagentür aufschiebe. Da hätten wir doch eine schöne Wanderung machen können! Aber egal, nun überlegen wir uns ein Stadt-Programm. Titus unterhält währenddessen die deutschen Camper in der Küche mit Gesangs- und Tanzeinlagen und freut sich sichtlich, dass er sich auf dem Trampolin ein bisschen austoben kann.

Mit dem Linienbus fahren wir in die Innenstadt. Leider haben wir nicht genügend Kleingeld für die Tickets, und der Busfahrer kann den großen Schein nicht wechseln. Kurzerhand schenkt uns eine ältere Dame, die unsere Misere mitbekommt, die fehlenden Münzen – einfach so. Am Busbahnhof steigen wir aus und spazieren ins Stadtzentrum. Christchurch ist sichtlich immer noch im Aufbau, bei dem großen Erdbeben 2011 wurden große Teile der Stadt zerstört. Sämtliche Kirchen sind im Wiederaufbau, Stützkonstruktionen verstellen die Sicht, ganze Straßenzüge sind teilweise gesperrt. Wir verzichten auf eine Rundfahrt mit der historischen Tram und spazieren stattdessen die Fahrtroute entlang vieler kleiner Cafés bis zum Botanischen Garten.

Hier ist der Frühling eingekehrt, überall harken und pflanzen Gärtner, die Beete sind an vielen Stellen bereits jetzt ein Blumenmeer, und die Sonne gewinnt an Kraft, so dass wir bald die warmen Jacken ablegen können. Im Rosengarten, der in voller Blüte steht, staunen wir über die hundert verschiedenen Sorten, während Titus die Funktionsweise der großen Sonnenuhr in der Mitte erkundet.

Am Spielplatz scheucht das Kind mit großem Enthusiasmus Gänse, Enten, Spatzen und Möwen umher, liefert sich mit einem kleinen Bub Wettrennen und schaukelt bis in den Himmel.

Anschließend statten wir dem Canterbury Museum einen Besuch ab, das – wie auch schon das in Dunedin – keinen Eintritt kostet. Im Erdgeschoss führt uns der Weg hinaus durch eine rekonstruiertes Christchurch, wie es vor einhundert Jahren ausgesehen hat. Über Lautsprecher werden typische Geräusche – Rufe von Händlern, Pferdegeklapper, Türklingeln und Möwengeschrei – eingespielt, Kinder dürfen ausdrücklich auf die ausgestellten Pferde und Hochräder klettern und die ausgestellte Ware im Spielwarengschäft bewundern.

Wir müssen uns im obersten Stockwerk mit tollem Blick auf den Botanischen Garten erst einmal mit Kaffee und Muffins stärken. Auch hier gibt es eine Spielecke, Gratis-WLAN und an den Eingangstüren künden Aufkleber: „Breastfeeding welcome“. Letzterer findet sich an fast allen Gastronomiebetrieben und öffentlichen Gebäuden, häufig in Kombination mit einem gemütlich eingerichteten „Nursery Room“. Eine tolle Sache!

Titus will endlich ins Museum, und während ich noch am Notebook arbeite, erkunden die Männer die Ausstellungen. Als sie mich nach einer Stunde abholen, will Titus mir noch die wichtigsten Ausstellungsstücke zeigen: zum einen ein komplettes Saurierskelett, zum anderen eine echte Mumie. „Die ist in Geschenkpapier eingewickelt“, erklärt mir das Kind mit wichtiger Miene, als wir vor dem Ägypter stehen.

Inzwischen ist es bereits später Nachmittag, und wir erklären die Stadtbesichtigung für beendet. Beim Weg zurück zum Busbahnhof müssen wir aber unbedingt noch ein weitere wichtige Sehenswürdigkeit besuchen: nämlich ein Pub. Mit T-Shirt in der Sonne sitzend lassen wir uns ganz kiwi-typisch ein Cider schmecken, um uns herum sind alle Tische mit Anzugträgern und sonstigen Feierabend-Einkehrern belegt. Sämtliche „normalen“ Cafés schließen in Neuseeland stets um 15 Uhr, danach ist „pub-time“.

Diesmal haben wir den Fahrpreis passend in Kleingeld parat, und machen uns zurück auf dem Campingplatz schnell an die Zubereitung des Abendessens. Da es unser letzter Camping-Abend ist, gibt es Restessen: Couscous mit allen möglichen Gemüsesorten und Feta, dazu leeren Norman und ich anschließend noch im Campingbus die letzte Flasche Wein.

In dieser Nacht brauchen wir den Heizlüfter kaum noch, und am Morgen können wir endlich wieder draußen in der Sonne sitzend frühstücken. Auch hier gilt das Prinzip der Restevernichtung, denn wir brechen anschließend auf und fahren einmal quer durch die Stadt zur Autovermietung.

Der Abschied von unserem Bus, der uns 19 Tage lang auf dieser Rundreise treu begleitet hat, fällt schwer, Titus möchte ihn am liebsten mitnehmen.

Es dauert eine Weile, bis wir unsere Besitztümer aus den vielen Fächern ausgeräumt und in unsere Rucksäcke verpackt haben, die angebrochenen Lebensmittel stelle ich ins extra dafür bereitstehende Regal in der Autovermietung: hier können sich die nächsten Reisenden kostenlos mit Vorräten eindecken.

Der Shuttle-Service der Autovermietung bringt uns in Windeseile zum nahe gelegenen Flughafen, und kurz darauf steigen wir in die Maschine nach Auckland. Nach gut einer Stunde Flugzeit landen wir auf der Nordinsel, da wir einen Inlandsflug hatten, geht am Flughafen alles sehr schnell und schon bald sitzen wir im Bus Richtung Innenstadt.

Auckland ist deutlich urbaner als z.B. Christchurch, auf der Shoppingmeile ist unheimlich viel los, und wir müssen uns auf dem Weg zu unserem Apartment ganz schön durchkämpfen, bepackt wie wir sind. Wieviel praktischer war es doch, einfach direkt mit dem „eigenen“ Auto überall vorfahren zu können! Ich bin jedenfalls nach den zehn Minuten Fußweg schon erschöpft, aber dafür ist die Lage unserer Unterkunft direkt am Jachthafen sagenhaft.

Wir machen uns dann auch gleich auf zu einem Rundgang und staunen über die schicken Segeljachten und die vielen Restaurants, die den Hafen säumen. Das gesamte Gelände wurde 2011 umgewidmet, statt Industriehafen entstehen dort nun schier unbezahlbare Wohnungen, Geschäftsgebäude, Parks, Sportanlagen und ein Ausgehviertel, alles davon direkt am Meer und mit herrlichem Blick über die gesamte Bucht und den weiten Himmel.

Wir genießen jedenfalls die warme Sonne und den Trubel und verbringen anschließend einen launigen Abend mit Kathrin und René, die es inzwischen ebenfalls nach Auckland verschlagen hat. Im „Soul“ lassen wir uns ein sehr gutes Abendessen schmecken, holen uns zum Nachtisch Macarons in der Patisserie um die Ecke und trinken einen Absacker in einem kleinen Bistro unter freiem Himmel (bzw. Heizstrahlern). So eine Großstadt (mit immerhin 1,4 Millionen Einwohnern) hat eben auch ihre schöne Seiten!

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