Neuseeland: von Auckland nach Roturua

Neuseeland: von Auckland nach Roturua

Zwei sehr ereignisreiche Tage liegen hinter uns – ich weiß kaum, womit ich anfangen soll, so viel haben wir am Freitag und Samstag erlebt! Es fängt schon damit an, dass unsere einzige Nacht in Auckland eine sehr kurze ist. Zum ersten Mal in diesem Urlaub klingelt unser Wecker, und zwar um halb sieben!

Zwar steht das Uber-Auto schon vor der Tür, als wir mit unseren immensen Gepäckmengen pünktlich nach draußen treten, doch leider dürfen Privatfahrer (wie auch in Singapur) keine Kinder ohne Sitz befördern, und so fahre ich allein mit sechs Gepäckstücken zum Busbahnhof, während Norman mit Titus auf den Schulter hinterherspurtet.

Auf die Minute pünktlich besteigen wir den Rundreise-Bus, denn wir haben ja nun keinen fahrbaren Untersatz mehr, und so hat Norman ein zweitägiges Rundreise-Komplettpaket für uns gebucht. Leider fehlt wegen der Eile auf dem Weg zum Busbahnhof die Zeit für einen Kaffee bzw. ein Frühstück, so dass wir die erste Pause nach über 2 1/2 Stunden Fahrt wirklich herbeisehnen. Der Bus ist bis auf den letzten Platz besetzt, zum Glück findet sich entgegen der Aussage des Fahrers doch noch ein schmales Plätzchen für Titus, der ansonsten seinen Hörbüchern auf meinem Schoß hätte lauschen müssen.

Unser erster Halt führt uns zu den Waitomo Caves; diese unterirdischen Höhlen wurden von einheimischen Maori entdeckt. Im Dunkeln unter der Erde erfahren wir einiges zur Entstehung der Stalagmiten und Stalagtiten und lauschen einer Gesangsdarbietung einer jungen Dame aus underer Reisegruppe, denn die Akustik in der 18 Meter hohen Haupthöhle (auch „cathedral“ genannt), ist weltberühmt. Wie sich später herausstellt, hatten wir es hier mit einer Profi-Darbietung zu tun, das eher unscheinbare Mädel mit dem Blindenstock hat einen Plattenvertrag…

Unser persönliches Highlight ist aber wohl eher die Bootsfahrt über den unterirdischen Fluß: im Stockfinstern und bei fast absoluter Still bestaunen wir die Tausenden und Abertausenden von Glühwürmchen (oder eher: Glühmücken bzw. -larven), die über uns an der Höhlendecke hängen. Es sieht aus wie Sternenhimmel, leider ist die Fahrt allzu schnell vorbei und wir steigen bei Tageslicht wieder aus.

Über kurvenreiche Straßen geht es mit dem Bus weiter zum Agrodome, einem großen Bauernhof mit angeschlossenem Schau-Betrieb. Wir lernen am lebenden Beispiel, wie eine Schafschur vor sich geht, ein Hütehund darf sein Können zeigen, und im Traktor-Anhänger tuckern wir über Kuh- und Schafweiden, während die Fahrerin uns die Eigenarten der verschiedenen Gattungen erklärt. Die hofeigenen Alpakas dürfen ausgiebig gefüttert werden, und spontan verlieben wir uns alle in die kleinen Ferkel, die quiekend und grunzend um Streicheleinheiten bitten.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos
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Hier wären wir gerne noch länger geblieben, doch der Busfahrer pfeift zur Abfahrt, wir haben ein straffes Programm gebucht. Zwischen lauter angewiderten Asiaten, die ja oft Hygiene-Fanatiker sind, waschen wir uns den Bauernhof-Dreck an der extra dafür eingerichten Schuh-Wasch-Station von den Sohlen und sprinten zurück zum Bus.

Nächster Stop: das Maori-Kulturzentrum Te Puia. Begrüßt werden wir von einer echten Maori-Lady, die uns in den Ablauf des Begrüßungszeremoniells (powhiri) einführt, welches uns kurz darauf erwartet. Laute Drohrufe ausstoßend und wild mit Speeren fuchteln rennen die Männer des Stamms in vollem Kriegsornat auf uns zu und müssen erst einmal nach genauer Anleitung „besänftigt“ werden. Anschließend dürfen wir die Hütte betreten, und die Gruppe führt traditionelle Tänze und Gesänge vor, was von Titus mit offenem Mund fasziniert verfolgt wird. Vor allem das typische Ausstrecken der Zunge, das Gegner vor dem Kampf verunsichern soll, begeistert ihn ebenso wie die traditionelle Begrüßung, bei der Stirn und Nase aneinandergelegt werden. Beides wird sofort ausprobiert, und am liebsten würde er sich auch im Stöcke-Werfen und der Kunst des Poi probieren.

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Stattdessen spazieren wir zu einer der Hauptattraktionen Neuseelands: dem Pohutu-Geysir. Auf einem ehemals aktiven Vulkan haben sich zwar Vegetation und Menschen angesiedelt, doch vom vulkanischen Untergrund dieser Gegend zeugen zig heiße Quellen, zum Teil in privaten Vorgärten oder eben in größerer Ausdehnung hier. Es müffelt recht heftig nach Schwefel, aus Matschpfützen blubbert 95°C Dampf und aus Gesteinsformationen spritzen Wasserfontänen in die Höhe. Ich hatte mit viel heftigerem Gestank gerechnet, zumindest hat uns wirklich jeder im Vorfeld davor gewarnt, aber der Wind und das sonnige Wetter tragen dazu bei, dass sich der Geruch in Grenzen hält. Titus findet alles trotzdem ganz furchtbar ekelhaft und hält sich ständig einen Ärmel vor’s Gesicht.

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Sichtlich froh, dem ganzen entronnen zu sein, geht es per Bus in die rührige Stadt Roturua, die hauptsächlich aus Thermen und Hotels/Motels besteht. Auch hier wabert leichter Schwefelgeruch durch die Straßen, doch wir dürfen eh nich allzu lange unser recht einfaches Motel-Zimmer genießen, da wir von einer Maori in Fellmantel abgeholt werden – letzter Programmpunkt des Tages: Maori-Abendessen mit Show.

Der Stamm der Mitai, bestehend aus knapp 100 Mitgliedern, hatte vor einigen Jahren die gewinnbringende Idee, Touristen in ihr Dorf einzuladen, um denen ihre Kultur nahezubringen. Deshalb sitzen wir nun mit gut einhundert anderen Interessierten beeinander, während wir Maori-Wörter lernen, einer weiteren Tanz- und Gesangsdarbietung lauschen und zuschauen und lernen, wie traditionellerweise Essen bei den Maori zubereitet wurde bzw. hier immer noch wird. Das sogenannte „hangi“ wird in Kuhlen in der Erde gegart, entweder gleich über einer heißen Quelle oder mittels eines Feuerchens. Die zwar sehr lehrreiche Führung zieht sich so, dass Titus nur noch jammert, er wolle jetzt keinen Kriegstanz mehr sehen, sondern lieber endlich essen.

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Erleichtert stürmen wir dann auch zu später Stunde das Büffet, wo uns gegarte Süßkartoffeln und Salate erwarten. Doch wir haben es noch immer nicht überstanden; kaum sind die letzten Teller abgeräumt, scheucht uns ein knapp 2 Meter großer Maori in Fellmantel und kurzem Schurz noch einmal über das Gelände und erzählt uns alles über traditionelle Kleidung und Bemalung der Stämme. Auf Titus Nachfrage gesteht er schmunzelnd, dass die Umhänge früher zwar aus Kiwi-Federn oder Fellen gefertigt wurden, heute aber synthetisch sind. Die traditionellen Gesichtstätowierungen sind in den meisten Fällen „nur“ aufgemalt, nur noch die wenigsten Maori lassen sich wirklich dauerhaft Kinn und Wangen tätowieren. Auf einem kleinen Spaziergang am Fluß entlang, der sich aus einer vulkanischen Quelle speist, finden wir wieder Unmengen an Glühwürmchen in den Blättern der Bäume und Büsche.

Nun ist es aber wirklich spät geworden, Titus schläft auf der kurzen Fahrt zurück zum Hotel im Bus ein und wacht bis zum nächsten Morgen auch nicht mehr auf. Ich schlafe im weichen Bett wie ein Murmeltier, die harte Matraze im Camper Van war auf Dauer doch nicht so bequem…

2 Replies to “Neuseeland: von Auckland nach Roturua”

  1. Die Glühwürmchenhöhle in natura zu sehen, muß noch beeindruckender sein, als via Photo! (Irgendwann stolperte ich mal über diesen Punkt, keine Ahnung mehr, wie. Lach.)
    Wegen des Schwefelgeruchs erzählt man Titus besser nicht, daß er den Faule-Eier-Gestank noch im Chemieunterricht antreffen wird.

    Winterliche Grüße,
    Franziska

    1. Ja, es war wirklich beeindruckend in der Höhle, mit den vielen leuchtenden Punkten an der Decke!
      Offenbar stumpft man mit zunehmendem Alter ab, was Gerüche angeht: ich fand den Schwefelgeruch wirklich überhaupt nicht schlimm… 🙂

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