Gastbeitrag: Autofahren in Singapur

Gastbeitrag: Autofahren in Singapur

Im Februar hatte ich einen Post zum Thema „Verkehr in Singapur“ verfasst und darin verraten, dass Norman mit dem Gedanken spielt, den Singapurer Führerschein zu machen. Wie weit die Sache inzwischen gediehen ist, wie es sich mit dem Autofahren in der Stadt verhält und wie man so einen Führerschein erwirbt, erzählt er Euch im folgenden Gastbeitrag selbst:


Nadine bat mich in den letzten Wochen mehrfach um einen Gastbeitrag, denn ich habe zwischenzeitlich einen Singapurer Führerschein. Und die Geschichte dazu sollte aus erster Hand kommen!
Aber bevor es um meinen Führerschein geht, sollten doch erst einmal die Unterschiede zwischen deutschem und Singapurer Straßenverkehr bzw. Straßenbild beleuchtet werden!

Singapur rühmt sich in Asien sehr, einen gut fließenden Verkehr zu haben. Andere asiatische Metropolen, wie Jakarta oder Manila, sind in dieser Hinsicht überhaupt nicht vergleichbar. Denn dort herrscht absolutes Chaos und selbst für wenige Kilometer benötigt man zumeist Stunden, da man nur im Stau steht. Aber auch im Vergleich zu München, wo der Verkehr regelmäßig stockt und man viel Zeit auf dem Mittleren Ring verbringen kann – in Singapur ist es zur Rush Hour vielleicht mal “voll” auf den Straßen, aber echten Stau gibt es kaum.

Damit das auch so bleibt, hat der Stadtstaat zum Jahresbeginn 2018 beschlossen, die Anzahl zugelassener PKW zu deckeln („Singapur führt die Auto-Obergrenze ein“, Süddeutsche Zeitung, 01.02.2018). Es gibt derzeit knapp über 600.000 PKW in der Stadt (bei ca. 5.5 Mio. Einwohnern) – und mehr werden seit Februar auch nicht zugelassen. Das haben die Singapurer auch ohne großes Murren so hingenommen! Jetzt ist natürlich zum Einen in einem halb-demokratisch-halb-autokratischen Staat ohnehin kein Murren (aka Proteste) oder dergleichen erlaubt. Zum anderen ist jedoch die Alternative zum PKW, nämlich der ÖPNV (einschließlich Taxi/Grab) wirklich herausragend gut und günstig, so dass eigentlich niemand in der Stadt auf ein eigenes Auto angewiesen ist.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Dazu kommt, dass ein eigener PKW in Singapur wirklich teuer ist. Hier ist ja vieles (entlang durchschnittlich-deutschen Maßstäben) teuer, aber ein eigenes Auto ist wirklich seeehr teuer. Das geht damit los, dass die Voraussetzungen für ein eigenes Auto der Erwerb eines sogenannten COE (Certificate of Entitlement) ist. COEs werden monatlich versteigert, es gibt bestimmte Quoten je Fahrzeugklasse und sie befähigen dann zum Besitz eines Autos für 10 Jahre und zwar fahrzeuggebunden.
Nach zehn Jahren muss man dann ein neues COE ersteigern. Und jetzt kommt’s: die Preise schwanken natürlich (da Bieterprinzip), aber in 2017 lag der Durchschnittspreis bei ca. 50.000 SGD (also mehr als 30.000 EUR) – und da war das Auto selbst ja noch gar nicht dabei!
Aber auch Fahrzeuge an sich sind sehr teuer, auf Grund hoher Einfuhrzölle und Steuer/GST. Ich habe das mit einem Singapurer mal durchgespielt am Beispiel eines 5er BMWs, der in Deutschland neu vielleicht 65.000 EUR kostet. In Singapur liegt der Preis für das gleiche Auto 2,5 bis 3-mal höher. Übrigens kauft man hier ausschließlich Neuwagen, wegen des fahrzeuggebundenen COE.

Damit sind wir beim Straßenbild, welches in Singapur nicht viel anders aussieht als z.B. in München. Ok, vielleicht gibt es ein paar Japaner und Koreaner mehr; aber BMWs, Mercedes, Porsches, Audis und VWs sind sehr üblich. Die LTA (Land Transport Authority) stellt dazu monatlich alle Statistiken ins Internet, die ich ganz interessant finde.
Ende 2017 sah die nämlich folgendermaßen aus (PKW-Marken nach Volumen sortiert über alle ca. 600.000 PKW):

  • Toyota 140 Tsd.
  • Honda 95 Tsd.
  • Mercedes 55 Tsd.
  • BMW 45 Tsd.
  • Nissan 40 Tsd.
  • Mazda und Hyundai je 30 Tsd.
  • Volkswagen 27 Tsd.
  • Mitsubishi und Kia je 20 Tsd.
  • Audi 19 Tsd.
  • bisserl Unterschiedliches, aber dann bald…:
  • >5 Tsd. Porsche
  • jeweils (!!) ca. 700 Maserati, Bentley und Ferrari
  • 400 Rolls Royce
  • usw.

Ja, Autofahren ist sehr teuer hier…

Insofern stellt sich die berechtigte Frage, wozu ich denn überhaupt einen Führerschein benötige, bzw. ob ich mir meinen AMG GT schon konfiguriert und bestellt habe?! Nein, habe ich nicht!
Es ist lediglich so, dass ein ausländischer/internationaler Führerschein nur für ein Jahr in Singapur gültig ist, danach darf man damit nicht mehr fahren bzw. benötigt einen Singapurer Führerschein. Da es vielleicht durchaus mal vorkommen könnte, dass ich mir ein Auto ausleihe, beispielsweise für einen Familienausflug nach Melaka oder um einen
Elefantengott zu transportieren, möchte ich mir die Möglichkeit offen halten. Dazu kommt es, dass das Umschreiben eines deutschen in einen lokalen Führerschein recht kostengünstig ist. Aber dazu mehr Details im nächsten Gastbeitrag…


 

3 Replies to “Gastbeitrag: Autofahren in Singapur”

  1. Guten Morgen!

    Wenn ich mir das so durchlese, sollte man diese Preisgestaltung auch bei uns einführen. Dann würden sich Diskussionen um Feinstaub und Dieselfahrverbote vielleicht erledigt haben. (Und man könnte davon ausgehen, das fast alles neuwertige Fahrzeuge mit KAT sind. Hier fahren noch einige ohne herum. So verlernt man das Luftanhalten nicht.)

    Liebe Grüße
    Franziska

    1. Du hast Recht, das wäre sicher auch eine Lösung für viele deutsche Probleme. Allerdings ginge dann wohl ein Aufschrei durch das Land, das ließe sich politisch niemals durchsetzen!

  2. da hast du Recht, liebe Nadine, das wäre in Deutschland schlimmer als der Weltuntergang – unvorstellbar allein schon der Gedanke !!

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