„Feiertage“ und Bastelhimmel (oder -hölle?)

„Feiertage“ und Bastelhimmel (oder -hölle?)

Groß war meine Überraschung, als ich beim Blick in den Kalender feststellte, dass der Kindergarten am Freitag geschlossen hat. Ein ominöser „Teacher’s Day“ war dort eingetragen, das passte mir ja nun gar nicht in den Plan.

Während ich da eher an eine Fortbildungsmaßnahme für Erzieher dachte, staunte ich am Donnerstag Nachmittag nicht schlecht, als ich Titus nach nur einem einzigen Tag seit fast drei Wochen zu einem verlängerten Wochenende abholte: sämtliche Eltern versammelten sich vor dem Klassenzimmer, um den beiden Lehrerinnen Pralinenpackungen, Blumensträuße und sonstige Zuwendungen zu überreichen. Aus allen Gängen und Zimmer erschallte ein „Happy Teacher’s Day“ – und nur ich stand natürlich mit leeren Händen da, da ich von diesem besonderen Tag, an dem den Pädagogen gedankt werden soll, noch nie etwas gehört hatte. Natürlich sprangen mich beim anschließenden Besuch im Einkaufszentrum die vielen Sonderangebote für dieses Fest an, Lehrer scheinen sich hier vor allem über Leckereien und Stifte zu freuen

Titus fragte natürlich auch sogleich, warum wir kein Geschenk für seine geliebte Ms Chong dabei hätten, erklärte dann aber lakonisch auf meine Entschuldigung hin, dass wir dann eben nächstes Jahr doppelt soviel schenken müssten. Den Termin dafür habe ich mir jedenfalls sofort im Kalender notiert!

Nun jedenfalls musste ich mir etwas einfallen lassen, um das Kind den ganzen Freitag über zu beschäftigen. Zuerst einmal verpennte der junge Mann den halben Vormittag, die Anstrengungen des Besuchs, der Reisen und der vielen Kinder waren noch nicht ganz überstanden. So brachen wir erst am frühen Mittag auf, um ins „Playeum“ zu fahren. Dieses Kinder-Kreativzentrum durfte Titus bereits im Mai mit seiner Kindergartengruppe besuchen und war Feuer und Flamme von diesem Ausflug. Also bestiegen wir den Bus; während der gesamten Fahrt achtete der Junior peinlich genau darauf, ob dieser auch die gleiche Strecke zurücklegte wie der Kindergartenbus.

Nach fast einer Stunde Fahrt bis an die Westküste Singapurs stiegen wir bei den Gillman Barracks aus. Die alten Kasernen aus den 1930er Jahren beherbergen seit 2010 Gallerien, Cafés und die Hochschule für zeitgenössische Kunst; mittendrin befindet sich eben auch ein Kunstzentrum für Kinder bis 12 Jahre. Natürlich mussten wir dort angekommen zunächst einmal eine Mittagspause einlegen, bevor ich schlappe S$22 Eintritt hinblättern durfte. Drinnen erwartete uns eine wahre Fundgrube:
Musikinstrumente aus Alltagsgegenständen wollten bespielt werden, ein „Dschungel“ aus geknüpften Schnüren wartete darauf, durchstiegen und weiter entwickelt zu werden. Große Autoreifen luden zum Hüpfen und Umherrollen ein, die gemütlichen Leseecken waren Rückzugsorte.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos
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Am beeindruckendsten war aber die Bastelecke: Kisten voller Alltagsmaterialien standen bereit, um von den Kindern (und Erwachsenen!) kreativ umgestaltet zu werden. Pappe, Schnüre, Plastikflaschen, Stofffetzen, Spülschwämme, Holzstücke, Kronkorken, CD-Hüllen, Plastikkärtchen – kurz: alles, was in normalen Haushalten gerne einfach in den Müll wandert, wird hier mit großem Elan umfunktioniert.
Auf großen Tischen standen Stifte, Scheren, Klebebänder und Heißklebepistolen bereit, und Titus war völlig aus dem Häuschen, bastelt er doch für sein Leben gern. Ich fühlte mich eher, als wäre ich in der „Bastelhölle“ gelandet, aber gemeinsam erschufen wir ein Piratenschiff mitsamt Kanone und Anker.

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Jedenfalls nehmen die Pläne für eine eigens eingerichtete Bastelecke in unserem Arbeitszimmer jetzt deutlich konkretere Ausmaße an!

Besonders toll fand ich ja die indirekt beleuchtete Wand, auf der man Folienschnipsel „ankleben“ konnte (die mittels kleiner Schwämmchen befeuchtet wurden). Ganz simpel konnten wir dort verschiedene Muster anbringen, aber auch Farbmisch-Experimente durchführen: „Mama, rot und blau wird ja lila?!“

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Draußen prasselte ein heftiges Gewitter auf die Straße (der erste Regen seit Wochen!), das genau so lange anhielt, bis wir nach zwei Stunden bereit waren, die Klebestifte beiseite zu legen und den Heimweg anzutreten.

Und nicht genug der „Feiertage“: Welche wichtige Rolle Essen in Singapur spielt, kann ja gar nicht oft genug betont werden. Und deshalb unterstützen immer mehr Unternehmen den „Eat With Your Family Day“. So auch Normans Arbeitgeber, weshalb alle Angestellten die Erlaubnis bekamen, am Freitag extra früh Feierabend zu machen: „We encourage you to leave work at 4.00 pm on Friday 31 August 2018 to go home and share a meal with your family. Bon Appétit!“
Gesagt, getan: auf besonderen Wunsch des Juniors wurden Unmengen grün eingefärbter Pfannkuchen produziert, und mit zwei Folgen „Pumuckl“ auf dem Sofa starteten wir ins Wochenende!

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6 Replies to “„Feiertage“ und Bastelhimmel (oder -hölle?)”

  1. Liebe Nadine,

    womit habt ihr denn die Pfannkuchen grün gefärbt?
    Die Resteverwertung zum Basteln finde ich gut und sollte öfter genutzt werden. Vielen Dank an dieser Stelle für all die liebevollen Einblicke! Es macht total Spaß, bei dir mitzulesen, mental entführt zu werden. Einfach klasse!

    Ganz liebe Grüße
    Franziska

    P.S. Irgendwo sind noch Kommentare von mir, die du garantiert beantwortet hast, die mir aber durch fehlendes Blog-Feedback entgangen sind. Wenn du das noch einrichten könntest? Oder du schreibst mir direkt auf die Mailadresse, du hast den Darf-Schein. 🙂 (Neben meinem Tagesablauf, versuche ich so viel wie möglich im Kopf zu behalten. Das klappt nicht immer so gut, wie gedacht. Fiep.)

    1. Liebe Franziska,
      in die Pfannkuchen haben wir schlichtweg grüne Lebensmittelfarbe reingekippt. Einfach, aber sehr eindrucksvoll. Titus hat das bei einer Kochvorführung im Einkaufszentrum gesehen und wollte dann unbedingt auch bunten Teig machen.
      Danke für den Hinweis mit den Kommentaren – daran muss ich dringend mal herumwerkeln, damit Du benachrichtigt wirst, wenn ich eine Antwort schreibe. Denn das tue ich eigentlich immer, sofern das System nicht eigenmächtig Kommentare löscht (alles schon vorgekommen)…

      LG,
      Nadine

    1. Gute Comics – sehr passend!!! Bei uns steht in nicht allzu ferner Zukunft mal wieder ein Klassentreffen an – aber zu den meisten aus unserem Jahrgang haben wir eh den Kontakt gehalten. Schulfreunde sind eben prägend!

      1. Bonsoir, madame!

        Oui, dann machen wir es so! Wie gesagt, ich versuche, den Überblick zu behalten. (Nein, ich schreibe nicht 378.000 Bloggern, bei zweien wird es schon eng, das im Auge zu behalten. *lach*) Lebensmittelfarbe?? Keine Algen? ,,O.O,,
        Ja, Schulfreunde sind prägend, und ich wünsche dir-euch eine angenehme Woche, wenn es soweit ist. 🙂 (Ich geh mal davon aus, das ihr nicht nur für 5 Stunden herkommt.)
        Bei deinen kulinarischen Schilderungen, da trieft mir als 90%-Vegetarier ehrlich der Zahn. Nur, damit du das auch weißt. Lach.

        Ganz liebe Grüße
        die Kopfreisende

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