Spätsommerglück

Spätsommerglück

So wenig ich das Leben in einer Kleinstadt in meinem Alltag vermisse – schließlich bin ich vor 18 Jahren weggezogen -, so sehr genieße ich die ländliche Abgeschiedenheit in unserem Urlaub.

Meine Tage verbringe ich weitestgehend damit, unsere Freunde, die in der Heimat geblieben sind, zu besuchen, und ihre gerade fertig gebauten Häuser und Grundstücke zu bewundern. Apfel- und Zwetschgenkuchen immer inklusive, die Bäume entlang der Straßen biegen sich unter den schweren, reifen Früchten, die dringend verarbeitet werden müssen.

Titus genießt es, einfach in den Garten rennen zu können, dort in der Sandkiste zu wühlen, Blumen zu gießen und Matschepfützen anzulegen. Auf dem großelterlichen Dachboden findet sich der Trettraktor meines Bruders, es ist Liebe auf den ersten Blick. Schon schön, wenn Kinder so viel Platz zum Spielen draußen haben – das fehlt in Singapur definitiv, dort geht alles nur unter Aufsicht. Mein größtes Glück ist es, dass ich mich einfach auf’s Fahrrad schwingen kann und jederzeit überall hinradeln kann. Strecken, die ich als Kind als schier unüberwindlich empfunden habe, sind in Wirklichkeit problemlos zu bewältigen.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos
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Abends veranstalten wir ein Grillfest im Hof meiner Eltern, zwar wird es nach Sonnenuntergang merklich kühler, aber die Luft riecht immer noch mehr nach Sommer als nach Herbst. Die Wespenplage geht zum Glück zurück, die Sonnenblumen blühen auf den Feldern, und während ich bei meiner Bekannten Eddi eine wirklich tolle, private Yogastunde in ihrem Garten genießen darf, wiehern die Pferde von der Koppel nebenan.

Abends kehren wir in urige Gaststätten ein, in denen ich in meiner Kindheit Dauergast war, und lassen uns das Bier dort schmecken. Immerhin, denn für Vegetarier gibt es auch heute noch nur Salat oder Kässpätzle zur Auswahl, das war schon vor 30 Jahren so.

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Einen Nachmittag lang wühle ich mich durch unsere eingelagerten Kisten, die im Keller meines Schwiegervaters untergebracht sind. Unfassbar, wie viel Kram wir besitzen, den wir gar nicht erst nach Singapur mitnehmen konnten! Das gute Geschirr, viel Elektronik, aber natürlich auch Herbst- und Winterkleidung, Wintersportgeräte aller Arten, Bücher, Ordner mit diversem Papierkram – alles wird irgendwann wieder mit uns in München einziehen.

Ich bin aktuell auf der Suche nach unseren Skiklamotten, denn für unseren Skiurlaub in Japan im kommenden Jahr möchten wir gerne unsere eigene, erprobte Kleidung mitnehmen. Dank wirklich guter Beschriftung auf den Kisten – ich bin sehr froh über die Zeit, die wir trotz Umzugstress darin investiert haben – werde ich zum Glück recht schnell fündig und packe eine große Tasche voller Skisocken, -unterwäsche, Funktionsshirts, Fleecewesten, Skibrillen, Handschuhen und Jacken zusammen.

Sehr spannend, was sich da noch so alles findet, ich wusste gar nicht, dass ich so viele Paar Stiefel besitze, und erst dieses ganzen Pullis und langärmlige Shirts und Blusen und lange Hosen – ein ganzer Kleiderschrank wartet dort auf mich. Zum Glück finde ich auch eines meiner Dirndl, die anderen sind in Singapur und haben nicht mehr in die Koffer gepasst. Nun bin ich einigermaßen gerüstet für die Wiesn!

Titus spielt derweil selig mit beiden Opas an der großen Modelleisenbahnanlage, wird mit selbstgemachten Semmelknödeln und Apfelkuchen verwöhnt und umsorgt und ist sichtlich selig über die uneingeschränkte Aufmerksamkeit, die er bekommt. Diese intensive, lange Zeit mit der Familie tut ihm sehr gut, und ist eigentlich viel wertvoller als die kurzen Wochenendbesuche der vergangenen Jahre!

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2 Replies to “Spätsommerglück”

  1. Liebe Nadine,

    ich bin hin und weg! *.* Diese Formulierung, es rieche noch imme rmehr nach Sommer als nach Herbst, ist schon sehr plastisch! Hier in Bonn ist es gerade nicht anders. Die Sonne knallte noch 1600 runter, wir hatten locker 27 Grad und es hat kein Bißchen nach Herbst gerochen. (Das verwirrt dann doch etwas, ist man es doch gewohnt, irgendwann kommt der Jahreszeitenwechsel und dann mit Geruchsankündigung, nicht nur optisch. Hmpf.) Bei den Obstkorb-Bäckerein, eßt für mich bitte mit! Hier muß man lange nach Streuobstwiesen und Co. suchen, ein Manko. Dafür hat man den Rhein vor der Nase und tatsächlich ab der südlichen Hälfte von Bonn auch mehr bergigen Charakter. Lach. Vor- und Nachteile. Viel Spaß beim Skifahren in Japan und wehe, WEHE! wir bekommen keinen „Alle Knochen noch heile“-Bericht! Lach. Bis dahin ist ja noch Zeit. Nettes Highlight zur Wiesn, ist übrigens der Twitter der Wiesn-Wache. Da spitz ich seit 2016 immer mal rein, weil.es.zu.göttlich.ist. Falls ihr da noch nie reingeguckt habt.

    Und jetzt, einen schönen Donnerstag-Abend! *eine Zwetschge rausangel*
    Franziska

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