Kochclub, Kinderkonzert und Karaoke

Kochclub, Kinderkonzert und Karaoke

Endlich ist wieder Kochclub-Freitag – die Sommerpause dauerte lange, die meisten meiner Mitköchinnen waren von Juni bis September im Urlaub, aber nun sind die Ferien vorbei und unser zweiwöchiger Turnus läuft wieder an.

Ich nehme also Birgit ins Schlepptau, und wir treffen pünktlich um halb elf am Freitag Vormittag bei Nitika ein, während draußen wahre Sturzbäche herabregnen. Die Gastgeberin stammt aus Indien, genauer gesagt aus dem nordwestlichen Bundesstaat Gujarat. Da sie weiß, dass vor allem die Nicht-Inderinnen in unserer Gruppe große Verehrer der indischen Küche sind, hat sie für uns ein Menü mit Gerichten aus ihrer Heimat zusammengestellt.

Zunächst einmal darf ich ihr über die Schulter schauen, während sie uns frischen Masala Chai (Gewürztee) zubereitet. Sie reibt Ingwer ins heiße Wasser, mörsert Kardamomsamen und schüttet diese zusammen mit losen Teeblättern in den Topf. Anschließend kommt Milch und Zucker hinzu, und köstlicher Duft steigt auf: der Tee schmeckt herrlich, zuhause kriege ich ihn einfach nicht so hin!

Nach dieser Stärkung werden wir nun zu Küchenarbeiten eingeteilt: Unmengen Gemüse muss klein geschnippelt werden, Kräuter werden gezupft und gehackt, und wir haben dabei genügend Muße, um uns ausgiebig zu unterhalten.  Nitika schuftet derweil in der Küche, und ihre Haushaltshilfe kümmert sich um den knapp zweijährigen Sohn. Schon praktisch, so eine Maid, sie spült zwischendurch ab und räumt auf, muss aber wegen der ziemlich kleinen Wohnung auf einem Extrabett mitten im Wohnzimmer schlafen…
Während der Reis kocht, Gemüse brutzelt und Kichererbsen-Küchlein gedämpft werden, bereiten wir Teig zu, der ausgerollt und anschließend frittiert wird.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos
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Bei den vielen Gerüchen läuft uns allen das Wasser im Mund zusammen, schließlich haben alle wohlweislich das Frühstück ausfallen lassen. Der Hunger ist dementsprechend groß, als nach zwei Stunden die fertigen Gerichte auf dem Tisch stehen:

Vegetarisches Biryani (Reis mit Gewürzen und Gemüse)
Poori und Chole (besagtes frittiertes Brot mit Kichererbsen-Eintopf)
Dhokla (gedämpfte Küchlein aus Gries und Kirchererbsenmehl, die in Gewürzsud getränkt und mit frisch geriebener Kokosnuss serviert werden)
Dazu serviert Nitika noch selbstgemachten Joghurt, der ganz traditionell in einem großen Tontopf daherkommt.

Als Dessert gibt es Sevai, in Milch, Zucker und Gewürzen gekochte feine Nudeln.

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Nachdem wir noch das obligatorische Gruppenfoto gemacht haben, dürfen wir endlich loslegen: Es ist köstlich, wie erwartet! Wir sind von allen Gerichten begeistert, und essen und essen und essen, bis wir uns kaum noch bewegen können. Vor allem das Kichererbsen-Curry ist der Renner.

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Die Sättigung hält noch den gesamten restlichen Nachmittag und Abend an, und ich nehme mir fest vor, dieses Menü sehr bald zuhause nachzukochen!

Am Samstag Nachmittag steht endlich mal wieder ein Konzertbesuch auf unserem Programm: Das Singapore Symphony Orchestra veranstaltet in der ehrwürdigen Victoria Concert Hall ein Kinderkonzert, und da müssen wir natürlich hin. Ein Erzähler berichtet den Hunderten anwesenden Kindern sehr launig die Geschichte des kleinen Jungen namens Tony Stradivarius, der mittels komplizierter Zaubersprüche die Orchesterinstrumente zum Leben erweckt und lernt, diese zu dirigieren. Das Stück mit dem Titel „The Conductor’s Spellbook“ erklärt so spielerisch die verschiedenen Instrumentengattungen und Instrumente sowie ihre Funktionsweise und die Besonderheit ihres jeweiligen Klanges. Die Kinder dürfen lauthals die Zaubersprüche, die auf eine große Leinwand projiziert werden, mitsprechen, und Titus hat großen Spaß dabei.

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Die Lautstärke im Publikum nimmt von Minute zu Minute zu, asiatische Eltern sehen es oft nicht so eng, wenn ihre Kinder im Konzert laut reden oder Quatsch machen. Titus bekommt von all dem Trubel kaum etwas mit, so gebannt schaut er hin und hört zu. Vor allem die Flöte hat es ihm diesmal angetan, vor den lauten Pauken gruselt er sich allerdings ein wenig.

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Nach einer guten Stunde ist das Konzert leider schon vorbei, von mir aus hätte es ruhig etwas länger dauern dürfen!

Aber am Abend darf ich zum Glück selbst Musik machen. Zusammen mit neun meiner Chormitsänger und Besucherin Birgit gehen wir zum Karaoke – für mich das erste Mal in Singapur! Das Karaokestudio, welches auserkoren wurde, liegt wie eigentlich alles in dieser Stadt mitten in einem Einkaufszentrum. Von außen macht es mit seinen Blinklichtern und Plüschsesseln einen etwas anrüchigen Eindruck, aber als wir „unseren“ Raum betreten, den wir für drei Stunden gebucht haben, staune ich: er ist ausgestattet mit einem riesigen Ledersofa, einem Billard-Tisch, Massagesesseln und diversen Musikinstrumenten sowie natürlich mit zwei großen Monitoren für die Liedtexte! Über zwei lange Gänge verteilt reihen sich sicherlich um die fünfzig solcher Räume aneinander, und je später der Abend wird, umso lauter erklingt Gesang und Gelächter daraus hervor.

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Auch wir legen natürlich sofort los, per Touchscreen können wir aus Abertausenden von Songs wählen. Die vier Mikrophone werden gerecht verteilt, aber es singt eh jeder der Anwesenden bei allen Lieder mit, schließlich läuft Musik, die jeder kennt – egal, ob Singapurer, Australier, Inder, Deutscher oder Franzose! ABBA, Beatles, Simon & Garfunkel, Spice Girls, Prince – wir singen, grölen und tanzen uns durch die Hitparaden der 1950er bis 1990er Jahre und haben dabei einen Heidenspaß. Musik dient eben Völkerverständigung!

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Die Zeit vergeht wie im Flug, die drei Stunden sind viel zu schnell vorbei, und kurzerhand verlängern wir nochmal um zwei weitere Stunden. Da wir auf Anraten unseres Organisators Vivek allesamt flaschenweise Wein und Bier in Taschen und unter Pullis versteckt hereingeschmuggelt haben (die Getränkepreise sind nämlich horrend!), ist die Stimmung natürlich bald ziemlich ausgelassen, und wir wanken erst weit nach Mitternacht sehr beschwingt aus dem fensterlosen Raum hinaus.

Das will ich unbedingt bald wieder machen, ein Muss für jeden Besucher aus Deutschland!

7 Replies to “Kochclub, Kinderkonzert und Karaoke”

  1. Liebe Nadine,

    da tauche ich auch mal wieder auf, kurz zumindest. Vielen Dank, daß du die Rezeptnamen mitlieferst (und dann auch noch gleich mit Verlinkungen ,,O.O,, ). Das Kichererbsencurry und auch die frittierten Fladen lassen den Zahn schon triefen.

    Mit den Konzerten, habt ihr da vor Ort wohl richtig Glück! (Da hält sich selbst die Beethovenstadt bedeckt, was wohl an der deutschen Stoffeligkeit liegen mag.)
    Hast du eigentlich nach dem langen Abend noch Stimme, oder bist du heute zum Krächzen verdonnert?

    Beste Sonnengrüße!
    Franziska

    1. Gerne – Essen und Kochen ist nun mal meine gar nicht so heimliche Leidenschaft…
      Was die Konzertszene angeht, sind wir aus München natürlich ziemlich verwöhnt, dagegen finde ich das Angebot der Metropole Singapur eher bescheiden. Da spielt ja eher Shoppen und Business die wichtigere Rolle.
      Ich habe den Karaoke-Abend stimmlich sehr gut verkraftet, der Schlafmangel hingegen hat sich sehr bemerkbar gemacht.
      Liebe Grüße, Nadine

      1. Wie, in München tut sich mehr, und du schreibst uns hier von den kostenlosen Konzerten in Singapur? O.O
        Lach!
        Das ist nämlich das, was hier dann ankommt. Shoppen und Business haben hier im Rheingebiet mittlerweile auch mehr tragende Rolle, als gut ist. Dennoch bemüht sich die Stadt Bonn, manches – wie das Taschenlampenkonzert neulich – einfach kostenfrei zu halten.

        LOL! Hattest du den Waschbärlook?

        Liebe Grüße und einen angenehmen Sonntag! Ich werde meinen mit den beiden neuen Mitbewohnerinnen hmmm…brunch-rocken. Lach.

        Franziska

      2. P.S. Was ich schon die ganze Zeit fragen wollte, und wegen des fehlenden ting-backs(????) bei mir auch nie ankam: Was macht denn dein Krankenhauseinsatz? Es las sich so vital und cool, und dann kam nichts mehr darüber. Ist damit alles ok?

        1. Naja, da ich viele Jahre in München an der Bayerischen Staatsoper und anschließend bei einem der größten Konzertveranstalter der Stadt tätig war, kenne ich die Musikszene dort einfach so viel besser.
          Meine Tätigkeit in der Kinderkrebshilfe pausiert momentan, da ich ja seit Anfang August quasi ununterbrochen auf Reisen war bzw. Besuch hatte. Mal schauen, wann ich dort wieder einsteigen kann!
          Liebe Grüße und hab eine schöne Woche,
          Nadine

  2. Das klappt! Was den Kulturbetrieb in München, oder meinetwegen Stuggi oder Bonn angeht (Bonn versucht einiges im Rahmen des Machbaren – also bitte keine Menschen mit Bierflaschen wie 2008/2009 auf den Kopf hauen zum Beispiel), das ist ein Kultur-Erziehungs-Ding. Und ich glaube, hier vor Ort fehlt es an einiger Erziehung. Gilt auch für ehrenamtliche Posten. Da hast du in Singapur ganz andere Möglichkeiten (auch in München oder Ulm oder so, da macht man eine Ansage, die sitzt normalerweise).

    Danke dir, drücke mir bittebitte die Daumen!! Ich schreib dir noch, wofür, drück sie mir bitte einfach!

    Liebe Grüße und genießt ihr beiden den Heimaturlaub!
    Franziska

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