Heimatgefühle

Heimatgefühle

Nach sechs Monaten betreten wir am Montag morgen in aller Herrgottsfrüh Münchner Boden: Punkt 5 Uhr landet das Flugzeug aus Singapur, Titus und ich konnten einigermaßen gut und lange schlafen. Seit Wochen fiebert der Junior auf siene erste Breze hin, und da sich direkt nach der Gepäckausgabe ein Bäcker befindet, kehren wir dort für ein Frühstück ein. Ehe ich überhaupt meinen Kaffee umgerührt habe, hat Titus bereits zwei Butterbrezn verputzt und verlangt nach mehr.

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Vollbepackt besteigen wir die S-Bahn, die uns durch den Frühnebel und die aufgehende Sonne in die Stadt bringt. Die Fahrt dauert ewig, sämtliche Umsitzenden sind besorgt darüber, wie und ob wir die zig Taschen und Rucksäcke überhaupt transportieren können. Schwer bepackt marschieren wir zum Haus unserer Freunde, und Titus bekennt, dass es nun eigentlich doch ganz schön wäre, wenn der Papa hätte mitkommen können – dann hätten wir nämlich Hilfe beim Kofferschleppen gehabt.

Die folgenden Tage verbringen wir im Heimattaumel: so viele liebe Menschen, die wir zu ausgiebigen Spielplatz- und Cafébesuchen und zu ausgiebigen Gesprächen treffen! Das Wetter ist uns mehr als hold, die Sonne scheint vom blitzeblauen Himmel und München zeigt sich von seiner schönsten Spätsommerseite. Titus spielt Stunden mit Leander und Luise im Garten, freut sich über jede S-Bahn- und U-Bahn-Fahrt und isst Breze um Breze. Der Geruch aus den U-Bahn-Schächten lässt Heimatgefühle aufkommen, und ich genieße es, mich frei in der Stadt bewegen zu können, ohne mir vorher Gedanken zu machen, wie ich von A nach B komme – in 17 Jahren hier hat sich der Stadtplan fest eingeprägt, und ganz im Gegensatz zu Singapur kann ich mir dort bewegen, ohne ständig das Handy konsultieren zu müssen. Kann ich mangels Datenvolumen ja auch gar nicht…

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Bei der vormittäglichen Laufrunde entlang der Würm scheint mir die Sonne ins Gesicht, während ich an Feldern voller Sonnenblumen und Kürbisse vorbeirenne. Immer wieder muss ich anhalten, um Fotos zu schießen, das Licht ist so schön! Ich sammle die ersten Kastanien und kehre mit vollen Taschen zurück. In der Stadt ist die Vorfreude aufs Oktoberfest spürbar, überall hängen Plakate von Trachtenherstellern – und auch Titus und ich freuen uns schon sehr auf den Anstich in zehn Tagen!

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Wir dürfen uns ein Fahrrad von unseren Gastgebern ausleihen, und radeln von Spielplatz zu Spielplatz. Titus sitzt hinter mit auf dem Kindersitz und wir genießen diese Art der Fortbewegung auf verkehrsberuhigten Straßen und Fahrradwegen sehr!

Unsere Herzensheimat befindet sich eindeutig hier!

Nachmittags und Abends tummeln sich Sonnenhungrige auf den Wiesen und in den Biergärten, und auch wir verlegen sämtliche Treffen nach Draußen. Einzig das Taxifahren fehlt mir sehr, stattdessen müssen wir große Strecken zu Fuß und per ÖPNV zurücklegen, und der letztere funktioniert nicht ganz so reibungslos wie in Singapur – von den Fahrpreisen mal abgesehen, die in München fast dreimal so hoch sind. Doch selbst wenn wir uns zu später Stunde ein Taxi gönnen, treffen wir ausschließlich auf sehr freundliche Fahrer, und sogar das Kindersitzproblem löst sich stets von selbst, da die schicken Mercedes-Limousinen eingebaute Kindersitze haben.

Am Freitag morgen besteigen wir dann beim ersten leichten Nieselregen den Zug nach Ulm, Titus ist so aufgeregt und voller Vorfreude, seine Großeltern wiederzusehen, dass er es kaum aushält. Immerhin helfen auch hier wieder zwei Brezn dabei, die Reisezeit zu überbrücken.

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Der Empfang ist denn auch sehr, sehr herzlich – denn selbst die wöchentlichen Video-Telefonate ersetzen niemals die persönliche Begegnung!

4 Replies to “Heimatgefühle”

  1. Liebe Nadine,

    ich wünsche euch eine ganz gute Zeit in der Heimat! (Und eßt für mich bitte ein paar gescheite Brezeln mit, die hier in NRW sind hmmm, naja. Gewöhnungsbedürftig. Lach.)

    Mit den allerbesten Wünschen,
    Franziska

    1. Danke, liebe Franziska! Vor lauter Essen und Freunde treffen komme ich kaum zum Bloggen – man sehe es mir nach! 🙂
      Aber den Brezn-Overkill haben wir definitiv noch nicht erreicht…
      Liebe Grüße,
      Nadine

      1. Kann man den Brezn-Overkill jemals erreichen?? LOL!
        Das sehe ich dir sehr gerne nach, denn nach 9 Jahren des Bloggens weiß ich, man kann nicht immer – und man muß auch nicht immer! Um so mehr freuen wir? freue ich? mich über neue Einträge. (Jaaaa, das ist ein wenig wie ein Morgenritual, denn solange ihr in Singapur seid, oder im Nachbarraum, ist dein Blog meine Morgenlektüre zwischen 0400 und 0800 MEZ.)

        Liebe Grüße
        Franziska

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