Wasserfälle, Sushi und Kurzstreckenflüge

Wasserfälle, Sushi und Kurzstreckenflüge

Titus‘ Laune und körperliche Verfassung am Dienstag morgen scheint prima zu sein – er ist bereit, zum Frühstücken mit an den Pool zu kommen. Verena ist seit 7:30 Uhr beim Yoga im Studio nebenan, während Stefan und ich die Kinder mit Unmengen Milch und Trinkjoghurts versorgen, die die Kleinen in rauen Mengen wegputzen, so dass wir täglich den Supermarkt ein paar Häuser weiter aufsuchen müssen, um für Nachschub zu sorgen.

Leider verträgt Titus‘ Magen die Milch nicht so gut wie gehofft, und er verzichtet daraufhin auf sämtliche weitere Nahrungsaufnahme. Ich hänge derweil in der Warteschleife bei Garuda Airlines – zufällig entdecke ich nämlich beim Vorab-Online-CheckIn, dass sich meine Abflugzeit nach Lombok für den morgigen Tag signifikant geändert hat, und zwar nach vorne. Das hieße, bereits um 4:30 Uhr losfahren zu müssen – darauf habe ich nun wirklich keine Lust. Als ich endlich eine Mitarbeiterin am Telefon habe, wird die Sache aufgeklärt: aufgrund der vielen Stornierungen mussten diverse Flüge gestrichen werden, und wir wurden ohne Absprache umgebucht. Zum Glück bietet mir die Dame an, statt um 8 Uhr doch besser um 11 Uhr abzufliegen, damit bin ich sehr zufrieden!

Als das Problem gelöst ist, macht Verena sich nach der Tiefenentspannug in der Yogastunde an die Aufgabe, einen Fahrer für unseren geplanten Tagesausflug zu finden; sehr praktisch, dass wir nun diverse Visitenkarten von Taxifahrern haben – und sogar herausfinden, dass „Wayan“ wohl nicht ein weit verbreiteter balinesischer Vorname ist, sondern eher „Taxi“ heißt.

Pünktlich um 11 Uhr sitzen wir im Auto, wir wollen zum Tibumana-Wasserfall, gut 30 Kilometer südlich von Ubud gelegen – eine Empfehlung der deutschen Poolbekanntschaft im Hotel. Unser einheimischer Fahrer war offenbar selbst noch nie dort, denn er fährt stoisch nach den Anweisungen seines Navis, und wegen des dichten Verkehrs in der Stadt kommen wir zunächst nur schleichend voran. Nachdem wir Ubuds Zentrum hinter uns gelassen haben, kann er immerhin auf 50 km/h beschleunigen. Immer ländlicher und grüner wird es, Reisterrassen säumen den Weg, Hühner picken am Straßenrand, Kinder radeln waghalsig am unbefestigten Straßenrand entlang, und wir sehen Kokospalmen in rauen Mengen.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Als wir am Parkplatz aus dem Auto steigen, erschlägt uns die Hitze, und schnell machen wir uns an den Abstieg hinunter ins Flusstal. Der Weg über die mehreren hundert Stufen ist schattig, und im Flusstal angekommen, herrschen sehr angenehme Temperaturen. Die Kinder balancieren freudig über schmale Holzbrücken, die nur ein ganz klein wenig morsch sind, und nach ein paar Kletterpartien erreichen wir den Wasserfall.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Dieser prasselt tatsächlich sehr malerisch von gut 30 Meter Höhe in ein sonnenbeschienenes Wasserbecken herab, bevor er sich als Bächlein den Weg durch den Wald sucht. Leander und Titus machen sich sofort daran, ein Matschpfütze auszuheben und bis zum Bauch darin einzutauchen, während Verena lieber ins vermeintlich saubere Wasser unter dem Wasserfall hüpft.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos
New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Nebenbei beobachten wir interessiert, wie ein völlig durchgestyltes und -trainiertes jugendliches Pärchen mit voller Kameraausrüstung das perfekte Foto zu schießen versucht; ganz offensichtlich haben wir es hier mit professionellen Instagramern zu tun.

Als eine ganze Busladung Touristen auftaucht, blasen wir zum Aufbruch. Der schweißtreibende Aufstieg zieht sich, unser Fahrer wartet schon ungeduldig in der Hitze auf uns. Doch bevor wir die Rückfahrt antreten, müssen wir uns dringend stärken. Nach kurzer Fahrt bitte ich ihn, an einem von außen völlig unscheinbaren Warung anzuhalten. Dieser entpuppt sich als Glücksgriff: wir sitzen in einem liebevoll gepflegten Garten im Schatten direkt an den Reisfeldern, um uns herum liefern sich Hähne einen Kräh-Wettstreit, und das Essen wird frisch aus selbstangebautem Gemüse und Kräutern zubereitet. Zum ersten Mal seit Tagen isst Titus eine halbe Portion Nudeln, danach muss er sich alledings erst einmal auf der Wiese ausruhen. Merklich füllen sich seine Energiereserven danach, bei der einstündigen Heimfahrt plappert er wie eh und je.

Nach einer sicherlich landschaftlich sehr schönen, aber leider auch kurvigen und steilen Panoramastrecke erreichen wir Ubud. Im Schneckentempo schleichen wir durch die Hauptstraßen, immerhin lässt sich so ganz wunderbar Auto-Schaufensterbummel betreiben. Die Kinder werden ungeduldig, wir halten sie mit albernen Spielchen und Liedern bei Laune, und unser Fahrer seufzt deutlich hörbar auf, als wir endlich am Parkplatz unserer Unterkunft aussteigen.

Zum Abendessen kehren wir später ins Sushi-Restaurant „Rouge“ an, nur eine kurze Wegstrecke vom Hotel entfernt. Sehr schick eingerichtet ist es dort, wunderschönes Geschirr steht bald auf dem Tisch, wir kommen in den Genuss von Jazz-Klängen am hauseigenen Flügel, und die Cocktails sind köstlich! Das Sushi ebenso, Luise verspeist mit Wonne mehrere Portionen Gurke mit Sojasauce, Titus mampft Edamame, Leander probiert Satay-Spieße, und wir richten uns in den gemütlichen Sofaecken gut ein.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Plötzlich steht meine ehemaligen Opern-Kollegin Julia vor uns – in den Sozialen Medien hatte ich mitbekommen, dass sie momentan in Ubud urlaubt, und hatte sie gefragt, ob sie uns nicht einen Besuch abstatten möchte. Gesagt, getan, und so verbringen wir einen netten Abend miteinander, während Titus schon tief und fest auf dem Sofa neben mir schläft.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Natürlich wacht er wieder auf, als ich ihn mühsam den schmalen Weg zwischen den Reisfeldern hindurch nach Hause trage – wie jeden Abend hüpft uns der obligatorische Frosch in den Weg, und es dauert, bis bei allen Ruhe einkehrt.

Leider klingelt um 7 Uhr morgens bereits wieder mein Wecker, mit Verena trinke ich noch mit Blick auf den Mount Agung eine Tasse Tee auf dem Balkon, bevor ich unsere Koffer packe und das müde Kind wecke. Wir verabschieden uns vom Rest der Reisegruppe und marschieren zum vorbestellten Taxi; die Fahrt zum 70 Kilometer entfernten Flughafen dauert zum Glück nicht so lange wie befürchtet, und so haben wir dort mehr als genug Zeit für ein ausgiebiges Frühstück und einen Bummel.

Um kurz vor 11 Uhr besteigen wir die Boeing 737-800 von Garuda Airlines – die große Maschine ist höchstens zu einem Viertel gefüllt, Titus und ich haben eine komplette Sechser-Sitzreihe für uns. Pünktlich heben wir ab, das Flugzeug erreicht kaum eine Flughöhe von 2.000 Metern, als der Pilot schon wieder zum Landeanflug ausruft. In höchster Eile verteilen die Flugbegleiterinnen noch Snack-Boxen und Wasserflaschen, ich bestaune aus dem Fenster die tolle Sicht auf Nusa Lembongan, Nusa Penida und das vor uns liegende Lombok, als wir auch schon am Flughafen Lombok aufsetzen. Der gesamte Flug hat gerade einmal 20 Minuten gedauert, für eine Strecke von knapp 140 Kilometern ein ganz schöner Aufwand. Die Alternative wäre gewesen, fast vier Stunden lang auf einem sogenannten Speedboat mit fünf Außenbordmotoren übers kabbelige Meer zu preschen, bei meiner und Titus‘ Anfälligkeit für Reiseübelkeit: nein, danke! Und der Preis für die Fahrkarte bzw. das Flugticket ist tatsächlich mehr oder weniger gleich!

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Da wir ja innerhalb von Indonesien reisen, folgt keine Passkontrolle, und so stehen Titus und ich bereits wenige Minuten nach der Landung mit dem Gepäck draußen. Der Flughafen ist so klein, dass die Entlader die Koffer und Taschen vom Flugzeugbauch quasi direkt aufs Rollband legen können. Draußen erwartet uns bereits Norman, er ist in aller Herrgottsfrühe in Singapur ins Flugzeug gestiegen und eine Stunde vor uns auf Lombok gelandet. In Singapur ist nämlich am Mittwoch mal wieder ein Feiertag (Hari Raya Haji, das islamische Opferfest), und so bietet sich ein ausgedehntes, langes Wochenende an. Dass unser Ziel nun eine erdbebengeplagte Insel ist, konnten wir bei der Buchung Anfang des Jahres leider noch nicht absehen – und da Fluglinien weiterhin den Betrieb aufrecht erhalten, gab es auch keine Möglichkeit, kostenfrei zu stornieren…

Zum Glück haben wir ein wunderschönes Hotel an der Südwestseite der Insel ausfindig gemacht, das auf mehrere besorgte Nachfragen unsererseit stets stoisch antwortete, dass sie vom Epizentrum des Bebens weit genug entfernt lägen und keinerlei Schäden davongetragen hätten. Der Fahrer erwartet uns jedenfalls, und wir brausen gut eine Stunde Richtung Westen.

Im Vergleich zu Bali scheint es auf Lombok viel trockener und karger zu sein, die Berge sind schroffer, und zumindest in unserer Richtung passieren wir nur ein paar kleine Dörflein. Sämtliche Frauen und Mädchen sind voll verschleiert – während auf der Nachbarinsel der Hinduismus vorherrscht, ist hier der Islam die Volksreligion. Da bis auf ein paar Motorroller kaum andere Fahrzeuge unterwegs sind, kommen wir gut voran, und biegen zur Mittagszeit auf den Hotel-Parkplatz des „Cocotino’s“ ein.

Es ist herrlich: ein praktisch menschenleerer Strand, Schnorchelmöglichkeiten direkt am Steg, ein Pool, ein paar wenige Hotelgäste, eine eigene Tauchschule, ein hübscher Bungalow mit Außendusche,… Den Rest des Tages verbringen wir ausschließlich am Strand, Titus belagert seinen Papa ausgiebig, schließlich mussten wir eine Woche ohne ihn auskommen. Es wird im Sand gebuddelt, gemalt, gebadet, erzählt, vorgelesen, Titus schließt Freundschaft mit dem Hotel-Hund und verlangt nach dem Abendessen dringend, ins Bett gebracht zu werden – so ein Reise- und Strandtag ist eben wirklich anstrengend!

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Translate »