Ubud: von Affen, Erdbeben und Reisfeldern

Ubud: von Affen, Erdbeben und Reisfeldern

Morgens werde ich vom Geschrei der Hähne und Reiher geweckt, letztere durchpflügen die Reisfelder nach Nahrung. Die Familie des Hotelbetreibers, die in einem kleinen Zimmerchen im Erdgeschoss lebt, scheint früh aufzustehen, ab 6 Uhr wird dort gewerkelt, und so ist die Nacht recht früh vorbei. Ich döse mit Titus noch eine Weile, der kleine Kerl hat einen Rückfall seiner Magenverstimmung, und so sitze ich kurz darauf in der Morgensonne auf dem Balkon und trinke eine Tasse Tee, bis er endlich aufstehen möchte.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Das Frühstück wird am Pool serviert, und das schöne Wetter scheint nach dem Dauerregen vom Vortag anzuhalten. Wir beschließen also eine Ausflug zum Affenwald, der laut Wirt nur zehn Gehminuten entfernt liegt. Naja, wir wandern dann wohl eher eine halbe Stunde ohne Schatten durch die Jalan Bisma, zum Glück ist hier längst nicht soviel Verkehr wie auf den Hauptstraßen des Örtchens, und so lässt es sich einigermaßen entspannt gehen. Titus jammert allerdings recht schnell über die Hitze, so dass ich ihn auf die Schultern setze, und ziemlich froh bin, als wir nach zwei Kilometern endlich den Eingang zum „Monkey Forest“ erreichen. Nach einer Stärkung mit Eiskaffee und kalten Getränken betreten wir den urwaldähnlichen Park, hier ist es zumindest schattig!

Angeblich leben um die 800 Affen hier, es wuselt geradezu, die Tiere haben keine Scheu vor Menschen und überall stehen Schilder, auf denen davor gewarnt wird, irgendetwas Essbares in den Händen zu halten. Wir verschließen also alles „affensicher“ in den Rucksäcken und wandern zwischen verlassenen Tempelanlagen und Urwaldbäumen umher. Als wir an einem großen Platz gerade einem besonders niedlichen Bild – Affenmama laust Affenbaby – zuschauen, passiert es: ein besonders freches Exemplar springt mich an, klettert flugs auf meinen Rücken, zieht den Reißverschluss meines Rucksacks auf und verschwindet buchstäblich im Affenzahn mit einer erbeuteten Tüte Chips. Titus, der immer noch auf meinen Schultern sitzt, ist völlig aufgelöst über den gemeinen Diebstahl, ich bin eher perplex und später amüsiert! Das Kind hat jedenfalls genug von Affen und möchte schleunigst zum Ausgang zurück.

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Auf den Schreck hin kehren wir in ein sehr gemütliches Lokal ein und machen eine ausgiebige Mittagspause. Es dauert eine Weile, bis wir realisieren, dass dort Kaninchen frei umherhoppeln – doch Titus ist nun misstrauisch allem Fellgetier gegenüber und beobachtet diese lieber mit gebührendem Sicherheitsabstand.

Wie immer ist danach kein Taxi aufzutreiben, und so wandern wir den gleichen Weg zurück. Um uns für die Strapazen zu belohnen, gönnen wir uns den Rest des Tages abwechselnd diverses Entspannungsprogramm: Verena, Luise und ich lassen uns bei einer Pediküre verwöhnen, während Stefan mit den Buben im Pool badet, und als er dann später zur Massage und zur Fisch-Pediküre geht, machen Verena und ich mit den Kindern Siesta.

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Titus ist so schlapp, dass er kaum noch wachzukriegen ist; im Restaurant um die Ecke mit dem albernen Namen „Balifornia“ verzichtet er auf’s Abendessen und verschläft den gesamten Abend auf zwei zusammengeschobenen Stühlen.

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Wir haben derweil Spaß mit einem verirrten Frosch und singen kräftig bei den Gassenhauern mit, die der gitarrespielende Alleinunterhalter zum Besten gibt.

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Bis dann alle im Bett liegen, ist es 23 Uhr, und ich will kurz darauf gerade mein Buch weglegen und das Licht löschen, als ich plötzlich ein seltsames Schaukeln wahrnehme. Das große, hölzerne Himmelbett fängt an zu quietschen, nach ein paar Sekunden realisiere, ich dass das ganze Haus wackelt, da höre ich schon von draußen den Ruf des Wirtes: „Get out!“

Ich schnappe mir Titus und stehe kurz darauf im Nachthemd im Hof, und wir warten ab, ob auf dieses Erdbeben noch ein weiteres folgt. Doch es bleibt ruhig, nur ein paar kaum wahrnehmbare Nachbeben erschüttern die Erde. Trotzdem packe ich zurück im Zimmer sicherheitshalber einen Notfallrucksack mit dem Nötigsten (Pässe, Klamotten, Geld, Handy, Wasser,…) – so sind wir gerüstet, sollte tatsächlich noch in der Nacht noch einmal etwas passieren.

Dementsprechend unruhig schlafe ich, die Onlinerecherchen am nächsten Morgen bestätigen die Vorkommnisse: auf Lombok hat er erneut ein Erdbeben der Stärke 6,2 gegeben!

Da Titus den Vormittag über krankheitsbedingt ziemlich apathisch ist und nur im Bett liegen möchte, machen wir uns einen ruhigen Vormittag. Immerhin schaffe ich es unter gutem Zureden, ihm ein bisschen Trinkjoghurt und ein paar Vitamintabletten sowie viel Wasser einzuflößen, und bald zeigt die Elektrolyte-Zufuhr ihre Wirkung: er fängt wieder an zu sprechen, verlangt dann nach einem Hörbuch und später auch nach einem Film. Luise und Leander tauchen regelmäßig auf und schauen nach dem Patienten, irgendwann liegen dann alle drei Kinder in unserem Bett und geben moralische Unterstützung.

Wir beschließen, dass wir fit genug für eine Unternehmung sind; per Taxi geht es zum wenige Kilometer entfernten „Karsa Kafe„, welches nördlich vom Stadtzentrum inmitten von Reisterrassen liegt. Es ist wunderschön hier, wir sitzen in einem Bungalow inmitten von Seerosenteichen, lassen uns frische Kokosnuss und Snacks schmecken und könnten ewig bleiben, würden die Kinder nicht dringend nach Bewegung verlangen.

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Gemütlich wandern wir also den Campuhan Ridge Walk abwärts Richtung Stadt zurück; die laut Beschreibung angegebene Gehzeit von dreißig Minuten verdreifachen wir, denn es gibt ja soviel zu gucken: Bananen- und Kokosnusspalmen, Papayabäume, Tempel, die wunderschöne Sicht über die Reisfelder und dicht bewachsenen Flußtäler, Mimosen, die die Kinder mit großer Begeisterung „streicheln“, so dass sich ihre Blätter schließen,…

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Titus will immer noch ziemlich viel getragen werden, und ich bin froh, mir hin und wieder die Manduca ausleihen zu dürfen, die eigentlich für Luise gedacht ist.

Zurück in Ubud, stürzen wir uns ins Marktgetümmel. Jeder darf sich ein bisschen Schnickschnack aussuchen, und davon gibt es hier nun wirklich reichlich. Kettchen, Armbänder, Zehenringe, Dekozeug aus Kokosschalen, Sarongs, Klamotten – wenn nicht so viel Gedränge herrschen würde, würden wir wahrscheinlich deutlich mehr einkaufen. Doch den Kindern ist es zu voll und zu langweilig, und unsere Nerven werden ganz schön strapaziert von dem zunehmenden Gequängel. Endlich, endlich finden wir ein Taxi, dass uns zu einem annehmbaren Preis die zwei Kilometer ins Restaurant bringt, das wir für unser Abendessen auserkoren haben. Meine Kochgruppen-Freundin Marie hatte mir das „Roots“ empfohlen, und das vegetarische koreanische Essen, das dort serviert wird, ist wirklich eine Wucht!

Die Bedienungen sind unfassbar freundlich, selbst von streitenden Kindern lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen, und Titus bekommt sogar heißes Wasser für seine Aufgieß-Nudelsuppe, die ich in weiser Voraussicht aus dem Rucksack zaubere, denn auf anderes Essen hat er keine Lust. Immerhin isst er davon ein paar Löffel, und verlangt danach dringend, ins Bett gebracht zu werden.

Sinnigerweise hat Stefan zuvor die Visitenkarte des Taxifahrers mitgenommen, so haben wir diesmal einen direkten Draht und müssen nicht darauf warten, dass wir an der Straße einen Fahrer aufgabeln. Per WhatsApp bestellt, ist er wenige Minuten später da und bringt uns zurück zur Unterkunft. Auf dem schmalen, unbeleuchteten Weg zwischen den Reisfeldern hüpft uns wieder einmal ein Frosch vor die Füße, die Grillen veranstalten einen Heidenlärm, doch es sitzt sich sehr beschaulich auf dem Balkon bei einem Bintang-Bier, während ich diesen Blog-Beitrag tippe und der Sohnemann friedlich schnarcht. Nur gegen die Mücken komme ich nicht an, Titus hat allein sechs (!) Stiche im Gesicht, trotz Mückenspray und -netz!

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