Majulah Singapura – Unser Beitrag zum National Day

Majulah Singapura – Unser Beitrag zum National Day

Endlich ist es soweit, der Nationalfeiertag steht vor der Tür!

Den Auftakt unserer privaten Feierlichkeiten mache ich: mein Chor und findet sich trotz anhaltender Sommerpause für ein Sonderkonzert zusammen. Die Esplanade, das große Veranstaltungs- und Konzerthaus der Stadt, lädt rund um den National Day zum „Red Dot August“ ein und bietet einheimischen Künstlern und Ensembles die Möglichkeit, auf einer der vielen Bühnen aufzutreten.

Das der International Festival Chorus jede Gelegenheit zum Auftritt nutzt, finden wir uns in kleiner Besetzung zusammen und studieren auf die Schnelle ein paar Lieder aus den vergangenen Jahren neu ein, die einen Bezug zu Singapur haben.

Es endet damit, dass ich mich sechs Mal quer durch die Sprachvielfalt des Stadtstaats kämpfe, mit dem folgenden Repertoire:

– „Lok Sui Tien“: in Hakka, einem chinesischer Dialekt, bedeutet soviel wie „Regentage“

– „Medley of Baba and Portuese Songs“: auf Peranakan, einer malayischen Sprache, die aus dem Portugiesischen entstanden ist

– „Molihua“: in Mandarin. Das Lied ist ein bekannter chinesischer Gassenhauer, der sogar von Puccini in „Turandot“ verwendet wurde.

– „Rasa Sayang“: auf Malaiisch – ein Medley aus malaysischen Volksliedern

– „Potong Bebek Angsa“: ebenfalls Malaiisch; ein Medley aus malayischen/indonesischen Kinderliedern

– „Frog Song“: in Hokkien, einer chinesische Sprache, die von vielen in Singapur gesprochen wird

Neben der Musik spielt ja auch das Outfit hier immer eine wichtige Rolle; ganz unten im Kleiderschrank habe ich noch ein (sehr) dunkelrotes Kleid ausfindig gemacht, dass ich mit einer weißen Strickjacke Singapur-tauglich mache.

Während der Generalprobe am Dienstag Nachmittag werde ich von Titus begleitet, der es sich mit Tablet und Snacks im Zuschauerraum bequem macht und die Damen des Chores bezirzt. Abends kommt Norman dazu, und die beiden lauschen, während wir zweimal hintereinander das Konzertprogramm durchsingen.

Unser Chorleiter Weilun fragt dazwischen immer mal wieder beim (Lauf-)Publikum nach, wer denn eine der gesungenen Sprachen sprechen könne, die Resonanz ist beeindruckend!

Kaum ist der letzte Ton verklungen, schon ruft es aus dem Publikum laut: „Mama! Wann kommst Du endlich?“, und Titus hat die Lacher auf seiner Seite.

Am nächsten Morgen ist dann sein großer Auftritt, schon in aller Herrgottsfrüh ist der kleine Kerl wach und zieht sich selbstständig an: rote Hose und rotes „I love Singapore“-Shirt. Dazu bekleben wir ihn großflächig mit Kindertattoos, die den stadtbekannten Löwen und die Fahne zeigen.

Endlich ist es Zeit, in den Kindergarten zu gehen, dort treffen wir auf eine Heerschar an rot-weiß-gekleideten Kindern und Eltern. Während den Erwachsenen der Schweiß in Strömen den Rücken hinunterrinnt, dauert es eine Ewigkeit, bis die Kinder aller Gruppen draußen im Garten versammelt sind.

Bei andächtiger Stimmung und musikalisch untermalt von der Nationalhymne, wird stilecht die Flagge gehisst. Leider ist es heute völlig windstill, und so zeigt sie sich nicht in voller Pracht. Nichtsdestotrotz versammeln sich anschließend die einheimischen Erzieherinnen und sprechen das Gelöbnis, und endlich ist es soweit und die einzelnen Kindergartengruppen dürfen die einstudierten National-Day-Songs zum Besten geben.

Wie schon berichtet, kann ich dank Titus nun alle auswendig, was zu großem Schmunzeln seitens der umstehenden Kindergarteneltern führt. Titus und seine Klasse geben jedenfalls beim „Marina Bay Song“ trotz Totalausfall der Soundanlage alles. Beim großen Finale, bei dem sämtliche Kindergartenkinder zusammen „We are Singapore“ singen, ist leider vor lauter in die Luft gehaltenen Handys kaum etwas zu sehen, es herrscht ein Gedränge seitens der Eltern wie bei einem Boygroup-Konzert.

Der Sohnemann ist jedenfalls beseelt und singt noch den restlichen Tag über sein Feiertags-Repertoire und präsentiert stolz seine Tattoos. Die eigentlichen Feierlichkeiten morgen verpassen wir aber, denn statt mit den Singapurern ihren Stadtstaat zu feiern, machen wir uns auf den Weg zum Flughafen und besteigen den Flieger Richtung Kambodscha. In letzter Minute kann ich Titus überreden, die kleine Fahne, die er vom Kindergarten mit nach Hause gebracht hat, in der Wohnung zu lassen – die kann er dann am 54. Nationalfeiertag im nächsten Jahr wieder schwenken!

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