Filmabend mit drei Kindern und Abschied

Filmabend mit drei Kindern und Abschied

Bis wir morgens aus dem Haus gehen, vergehen zum Teil Stunden. Norman ist der Erste, er muss schließlich ins Büro und verabschiedet sich meist klammheimlich, während der Rest der Bewohner und Gäste noch schlafen.
Nach und nach trapsen dann drei verstrubbelte Kinder ins Esszimmer und verlangen nach Müsli, bis dann auch die Erwachsenen versorgt sind, anschließend alle angezogen sind und die Zähne geputzt und gespielt und gestritten und ein zweites Müsli gegessen haben, ist der Vormittag schon fast vorbei.

Nach viel gutem Zureden schaffen wir es, dann endlich das Haus zu verlassen. Per Bus geht es nach Little India, dort bummeln wir durch den großen Tekka Market. Zwischen den Obst- und Gemüseständen ist es eng, und wir blockieren mehr als einmal den Weg der Einkaufenden, aber es gibt soviel zu fragen und zu sehen und sogar zu probieren! Die Kinder haben natürlich schon wieder Hunger, schnell erstehen wir drei Äpfel und wagen uns dann in die geruchsintensiveren Bereiche des Marktes: zu den Fleisch- und Fischhändlern, die ihre Ware mit eindrucksvollen Beilen vor unseren Augen zerhacken.

Titus beschwert sich über den Geruch und deshalb fahren wir mit der Rolltreppe in den ersten Stock. Hier bietet sich ein völlig anderes Bild: Kleidergeschäfte und Schneidereien reihen sich aneinander, alle bieten ausschließlich indische Mode in allen Farben des Regenbogens an. Wunderschöne Kleider, Saris, Salwar Kameez, Tücher, Pluderhosen, Turbane und Brokatwesten türmen sich in den Verkaufsständen, und die findigen Verkäufer wollen uns am liebsten allesamt komplett neu einkleiden.

Wir stürzen uns ins Straßengewühl und bummeln vorbei an den vielen Juwelieren mit typisch indischem Goldschmuck (der das Gegenteil von dezent ist) bis zum großen
Sri Veeramakaliamman-Tempel. Dort findet gerade eine große Puja statt, und mit großen Augen bestaunen wir die Hindu-Priester, die mit entblößtem Oberkörper Öllämpchen schwenken, den Götterstatuen Girlanden umhängen, rituelle Lieder singen und die Opfergaben segnen.
Nun haben aber alle Hunger, zum Glück ist gleich nebenan das beste Restaurant für indisches Chat! Ohne viel Federlesen bestelle ich einfach zwei große Platten mit gemischten Snacks, schön fettig-krossen Bhatura, Naan-Brote, Mango-Lassis und ein erfrischend salziges Jal-Jeera.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos
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Anschließend fallen wir alle in eine Art Fresskoma – die indischen Speisen sind so überwältigend für die Sinne (und auch meist ziemlich fettig), so dass wir uns alle am liebsten zu einem Mittagsschlaf zusammenrollen würden.
Da sich draußen ein Gewitter zusammenbraut, beschließen wir stattdessen, ins ArtScience Museum zu fahren.
Der Weg dorthin, einmal quer durch bzw. über das große Einkaufszentrum an der Marina Bay, beschert uns einen tollen Blick über die Skyline der Stadt, dank der dichten Wolken ist es draußen auch nicht ganz so heiß wie sonst. Trotzdem atmen alle auf, als wir die Kühle des Museums betreten.

Die Ausstellung „Future World“ haben Titus und ich zwar schon einmal besucht, dennoch ist es meines Erachtens die für Klein und Groß interaktivste Ausstellung überhaupt – und tatsächlich, fast zwei Stunden lang wird gemalt, gescannt, auf Touchscreens gespielt, es werden interaktive Hüpfspiele entworfen,… Wäre es drinnen nicht so finster und kalt, könnten wir es schier ewig aushalten!

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Aber ein weiterer Programmpunkt steht für heute noch an: zur Hochzeit vor über einem Jahr hatten wir Stefan und Verena einen Ausgehabend in Singapur geschenkt, inklusive Babysitting. Die Kinder jedenfalls freuen sich seit Wochen auf den versprochenen Filmabend, und so würdigen Leander und Luise ihre Eltern kaum eines Blickes, als sich diese per Taxi Richtung Downtown verabschieden.

Schließlich müssen alle Kinder mit anpacken, um zwei große Bleche Pizza zuzubereiten. Wir kneten Teig, rollen aus, bestreichen ihn mit Tomatensauce (von der die Hälfte direkt verspeist wird) und belegen die Pizzen mit Käse. Den bereitgestellten Mais und die Oliven verputzen die kleinen Chefköche einfach so.

Titus und Leander breiten eine gemütliche Kissenlandschaft auf dem Boden aus; in der Zwischenzeit ist auch Norman nach Hause gekommen und mixt mit den Junior-Bartendern leckere Saft-Cocktails – früh übt sich! Nach gemeinsamer Abstimmung entscheiden sich alle drei dafür, die „Urmel aus dem Eis“-DVD anzuschauen, und gebannt starren drei kleine Augenpaare auf den Bildschirm, futtern Pizza und schlürfen ihre Getränke.

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Der Abend bleibt unerwarteterweise so geruhsam – bald liegen alle Kinder auf dem Sofa und kuscheln mit uns, und nach dem Ende der letzten Folge gehen alle ohne mit der Wimper zu zucken ins Bad zum Zähneputzen und lassen sich anschließend von uns ins Bett bringen.
Gerade, als ich mich aus Leanders und Luises Zimmer schleichen will, kommen Verena und Stefan nach Hause, die ebenso überrascht sind wie wir, dass um 22 Uhr bereits alle Kinder schlafen…

Anscheinend hält die Müdigkeit an, denn auch am nächsten Tag dauert es bis in den späten Vormittag hinein, bis alle aufgestanden sind. Da Stefan mit dem Magen und Verena mit Kopfweh kämpft, verschieben wir sämtliche Ausflugspläne, und machen es uns zuhause gemütlich, gehen auf den Spielplatz, essen zu Mittag Pizza-Reste und Nudelsuppe und raffen uns erst am sehr späten Nachmittag auf, um ins arabische Viertel zu fahren.
Der Bummel durch die Haji Lane und Arab Street mit ihren schönen kleinen Boutiquen ist ein voller Erfolg, letzte Urlaubs-Erinnerungen werden gekauft, nur die Kinder können dem ganzen wenig abgewinnen.

Zum Einbruch der Dunkelheit kehren wir also ins CHIJMES ein; das säkularisierte Kloster beherbergt unzählige Restaurants, die alle um eine große Wiese angeordnet sind. Ideal für die Kinder, die bereits Minuten nach unserer Ankunft verschwunden sind und mit den dort ausliegenden Sitzsäcken Schabernack treiben.
Eine gute Gelegenheit, um mit einem Glas Wein (zum Happy Hour-Preis!) auf den schönen Urlaub mit unseren Besuchern anzustoßen – schon sind 2 1/2 Wochen vorbei, die Zeit verging wie im Flug.

Zuhause werden die Koffer gepackt, die letzten Spielsachen eingesammelt, und schon ist es Zeit für den Abschied: um 22 Uhr besteigen unsere Freunde das Taxi Richtung Flughafen, während Titus schon tief und fest schläft – für ihn geht es nämlich morgen wieder in den Kindergarten, auch er hat seine „Sommerferien“ sehr genossen!

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