Banteay Srei, Beng Mealea und Tonlé Sap Lake

Banteay Srei, Beng Mealea und Tonlé Sap Lake

Um 9 Uhr geht es los, wir steigen ins Auto und haben erst einmal eine einstündige Fahrt vor uns. Kaum haben wir den Verkehr und die Häuser von Siem Reap hinter uns gelassen, sind wir schon mitten drin im ländlichen Kambodscha. Reisfelder, soweit das Auge reicht, alle kurz vor der Ernte. Die Regenzeit ist die beste Zeit für das Land, denn alles grünt und wächst und es gibt Nahrung en masse – vor allem Leibspeisen wie Frösche und Fische lassen sich quasi im Vorbeigehen fangen, erklärt uns Guide Sochet.

Doch auch das Kambodscha nach wie vor eines der ärmsten Länder Asiens ist, lässt sich erkennen. Überall am Wegrand stehen Holzhüttchen oder manchmal baumeln auch nur ein paar Hängematten zwischen den Bäumen; am Boden sitzen ganze Familien auf Plastikplanen und verkaufen ein paar gesammelte Pilze, Früchte oder Gemüse. Kinder aller Alterklassen spielen direkt am Straßenrand, zum Glück herrscht hier nicht allzu viel Verkehr, und die Straße ist erstaunlich gut geteert.

Nach einer Weile hält Sochet am Wegrand an, am Stand einer älteren Frau zeigt er uns, wie diese Palmzucker herstellt. Ein mühsames Verfahren, bei dem der Saft aus dem Stamm von Palmen aufwändig gewonnen und anschließend eingekocht und getrocknet wird. Aus dem ferigen Zucker werden dann kleine Bonbons hergestellt, die wir natürlich verkosten dürfen. Norman und Titus sind so hellauf begeistert davon, dass sie gleich eine ganze Packung davon erstehen.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Eine kurze Wegstrecke weiter halten wir am Banteay Srei-Tempel an, dieser trägt den Beinamen „Lady Temple“, da er in pink schimmerndem Stein erbaut ist. Es ist ziemlich heiß heute, und der gesamte Tempel liegt in der prallen Sonne, doch die fein gearbeiteten Reliefs faszinieren uns dennoch. Titus spielt wieder „Steine hüpfen“ auf dem aus Steinquadern erbauten Weg und ist schwer beschäftigt, allerdings ist hier auch wieder ziemlich viel los und wir müssen uns an riesigen Reisegruppen vorbeiquetschen, die durch Gruppenfotos die Durchgänge blockieren.

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Draußen spielt ein kleines Orchester typische Khmer-Musik, bei den Musikern handelt es sich um Opfer der vielen Landminen, die zu Millionen im ganzen Land verteilt sind und jährlich immer noch viele verstümmeln.

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Wir fahren weiter, über immer engere Sträßchen und durch kleinste Dörfer. Kinder fahren zu zweit oder zu dritt auf klapprigen Fahrrädern von der Schule nach Hause, selbst die Kleinsten sind alleine oder mit den etwas älteren Geschwistern unterwegs. Zum Glück fährt Sochet so vorsichtig, dass ich mir keine Sorgen um einen Unfall machen muss, er weicht jedem Huhn und Hofhund aus und bleibt geduldigt stehen, wenn eine der vielen, mageren Kühe über die Straße trottet.

Nach dem Mittagessen fühlen wir uns gestärkt zur zweiten Besichtigung des Tages, Sochet setzt uns am Beng Mealea-Tempel ab. Ein einsamer Waldweg führt uns an zerstörten Schlangen-Statuen hinein ins Dickicht, die riesigen Urwaldbäume spenden Schatten, und mittendrin erhebt sich eine gigantische Ruinenlandschaft. Dunkelgrün bemooste Steine liegen haufenweise herum und laden zum Klettern ein, dabei scheuchen wir einen 20 Zentimeter langen Tausendfüßler auf, der eilig vor uns davon läuft.

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Die gesamte Tempelfläche ist riesig, 181 Meter mal 150 Meter, doch steht davon höchstens noch die Hälfte. Wir fühlen uns an „Indiana Jones“ und sonstige Abenteurer-/Archäologen-Filme erinnert, denn es gibt kaum Verbotsschilder, stattdessen steht es uns völlig frei, uns kreuz und quer durch das Gelände zu bewegen, durch dunkle Gänge zu schleichen, auf verbleibenden Geländern zu balancieren oder auf einer der massiven Lianen zu schaukeln, die von den Bäumen herunterhängen, die sich ihren Weg kreuz und quer über den Tempel gesucht haben.

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Kurz: dieses Bauwerk ist ein Abenteuerspielplatz für Groß und Klein – Titus merkt überhaupt nicht, wie die Zeit vergeht und wie viele Schritte er zurücklegt, während er mit Stöckchen in Löchern herumbohrt oder in Regenpfützen matscht. Wir begegnen kaum anderen Besuchern, zu abgelegen ist dieser Tempel, und uns ist es gerade recht. Einzig eine Frage kann nicht endgültig geklärt werden, denn Titus möchte dringend wissen: „Sind diese Tempel eigentlich so alt wie mein Opa?“

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Wir sind jedenfalls sehr zufrieden mit dieser tollen Besichtigung und so beschließen wir, dem Rat unseres Fahrers zu folgen und noch dem Tonge Sap-See einen Besuch abzustatten. Dieser See, der größte Südostasiens, schwillt in der Regenzeit auf das Fünffache seiner normalen Größe an und überflutet ganze Landstriche. Doch statt sich darüber zu beschweren, betreiben die Anwohner einfach statt des Ackerbaus für sechs Monate im Jahr Fischfang, leben in Stelzenhäusern und freuen sich über die ertragreiche Regenzeit.

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Ein Damm führt uns weit in die bereits überfluteten Felder hinein, bis wir in ein Boot umsteigen dürfen. Der freundliche Bootsführer, selbst Bewohner des Fischerdorfs Kampong Phluk, manövriert geschickt durch das anfangs nur wenige Zentimeter tiefe Wasser und zeigt uns ortskundig die auf Stelzen stehende Grundschule des Dorfes, die die Kinder täglich per eigenem Boot anfahren müssen. Titus staunt, aber noch mehr treibt ihn die Frage um, wie denn das mit dem Fischen genau funktioniert und ob es hier wohl Krokodile gibt.

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Das Dorf selbst ist erstaunlich groß, über 600 Familien leben hier in Häusern, die so hoch gebaut sind, dass sie das Ansteigen des Grundwasserspiegels auf bis zu 9 Meter unbeschadet überstehen. Auch hier tollen überall selbst kleinste Kinder unbeaufsichtigt direkt am Wasser, wir werden aber beruhigt, die Kinder können wohl schon sehr früh schwimmen. Selbstständig sind sie jedenfalls, bei der Rückfahrt Richtung Festland fragen zwei einheimische Buben an, ob sie mitfahren dürften, und schon sitzen die beiden etwa 6- und 9-jährigen Jungs bei uns im Boot und steigen selbstbewusst wenige Minuter später am Damm wieder aus.

Wir spüren die heiße Nachmittagssonne im Gesicht und sind froh, wieder ins klimatisierte Auto zurückkehren zu können. Kaum sind wir losgefahren, beginnt es zu regnen, wie jeden Nachmittag. Durch die Dörfer geht es zurück zur Hauptstraße, nun ist merklich mehr Betrieb, Kinder sind von der Schule zurück, Frauen kaufen auf dem Markt das Abendessen ein, die Kühe werden nach Hause getrieben, Bauern kehren auf einfachsten Traktoren vom Feld zurück, und unser Fahrer muss ganz schön aufpassen beim ständigen Bremsen und Überholen.

Auf der Schnellstraße kann er endlich Gas geben, doch kaum sind wir ein paar Kilometer weit gefahren, biegt urplötzlich und ohne Vorwarnung eine Motorrollerfahrerin nach links ab. Sochet bremst, und wir verfehlen sie nur um wenige Zentimeter mittels Vollbremsung und Ausweichmanöver. Das Auto hinter uns schafft es auch nur knapp, einen Auffahrunfalls zu vermeiden, und taucht schlingernd neben uns auf. Doch keiner hält an, stattdessen wird einmal der Talismann gestreichelt, und weiter geht die Fahrt. Niemand ist zu Schaden gekommen, doch zurück im Hotel muss ich erst einmal einen Gin Tonic auf den Schreck trinken.

Ein langer Ausflugstag geht zu Ende, zum Abendessen kehren wir ins Lokal gegenüber ein, wo Norman mutig ein „Frosch-Curry“ bestellt, welches ihm ganz ausgezeichnet schmeckt. Den Rest des Abends verbringen wir auf der Terrasse, wo ich mich die Geschichte und Gräueltaten der Roten Khmer einlese; passend dazu empfiehlt mir Netflix einen passenden Film, die Standortbestimmung funktionert bestens!

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