Theater, Feuerwerk und Konzert

Theater, Feuerwerk und Konzert

Das Wochenende beginnt mit frischem Brot. Immer noch bin ich begeistert von Sauerteig-Experiment; heute probiere ich ein sogenanntes „No-Knead“-Rezept aus, dabei muss der Teig nicht geknetet, sondern nur locker verrührt werden, bevor er nach ausgiebiger Ruhephase im gusseisernen Topf in den Ofen wandert.
Das Ergebnis ist so gut, dass Titus ein Drittel des Brotes direkt nach dem Abkühlen verspeist.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Der Rest des Samstags vergeht mit Spielen, Lesen und einer ausgiebigen Runde im Pool. Das Wetter ist beständig, die Sonne knallt seit Tagen vom Himmel, und wir sind sehr froh über die Abkühlung im hauseigenen Schwimmbecken. Norman ist froh über den ruhigen Tag, er war am Abend vorher mit seinen Kollegen beim Karaoke und ist sichtlich angeschlagen.
Am frühen Abend machen wir uns per Tretroller bzw. Leihfahrrad auf Richtung Innenstadt. Schon die 1 km lange Fahrt zur U-Bahn-Station führt dazu, dass ich komplett nass geschwitzt bin, denn die Leihfahrräder haben keine Gangschaltung, und so strample ich wie wild, während Titus mit Norman lässig auf dem E-Scooter vorausdüst.
Auf die Hitzewelle folgt Abkühlung auf dem Fuße, in der U-Bahn bläst mir eisige Luft aus der Klimaanlage ins Gesicht, und ich bin froh, als wir endlich in Telok Ayer angekommen sind. Mitten durch die ehemaligen, pittoresken chinesischen und malaysischen Geschäftshäuser führt uns der Weg zu einem kleinen Veranstaltungsraum.
Dort findet eine Puppentheater-Aufführung statt, eine Adaption der „Dschungelbuch“-Geschichte. Titus ist anfangs etwas skeptisch, doch sobald die Puppenspieler mit ihren an z.T. mannsgroßen Figuren auf der Bühne erscheinen, ist das Kind gefesselt und wendet den Blick kaum eine Sekunde ab vom Geschehen.

 

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Die Geschichte ist niedlich umgesetzt, der Tiger ist ein wenig furchterregend, aber Menschenkind Mowgli hat – ganz zu Singapur passend – ein kleines Gürteltier zum Freund, das ihn aus misslichen Situationen befreit. Die Kinder im Publikum werden in die Handlung miteinbezogen und es geht zuweilen recht turbulent zu. Am Ende steht natürlich ein Appell an alle, die Natur zu schützen, und die Puppenspieler trichtern den Kindern noch den „Reduce, reuse, recycle“-Spruch ein – ein wenig albern in einer Stadt, in der übertriebene Plastikverpackungen zum Alltag gehören. Zudem ist es im Zuschauerraum saukalt und nach spätestens einer halben Stunde sind wir allesamt komplett durchgefroren, trotz Pulli und Schal…

Titus jedenfalls ist sehr zufrieden mit dem Theaterbesuch, und möchte am liebsten gleich noch eine Aufführung besuchen. Norman und ich wärmen uns erst einmal in der untergehenden Abendsonne draußen auf und machen uns dann gemeinsam auf den Weg zur Marina Bay.
Wie schon berichtet, steckt Singapur in den Vorbereitungen für den Nationalfeiertag. Dazu gehört auch, dass über Wochen hinweg Samstag abends das große Feuerwerk „geprobt“ wird. Gemeinsam mit Freunden setzen wir uns gemütlich auf die Terrasse vor dem Marina Bay Sands Hotel und bestaunen bei einem Picknick das gigantischste und perfekteste Feuerwerk, das ich je gesehen habe – vor der beeindruckenden, nächtlichen Kulisse des Business Districts mit seinen Hochhäusern. Die Stadt hat wirklich Geld wie Heu, wenn sie das Spektakel ganze vier Mal nur zu Übungszwecken abfeuert!

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Am Sonntag morgen werfe ich schon wieder den Ofen an, diesmal gibt es frischgebackene Semmeln zum Frühstück – die auch wie von Zauberhand bis zum Abend komplett aufgegessen sind.
Anschließend gehen Norman und Titus ihrer großen Leidenschaft nach: dem Experimentieren. Der letzte Besucher aus Deutschland hat ein tolles Buch mitgebracht, aus diesem ziehen die beiden zig Ideen, und so sausen bald Luftballons an einer Schnur durch die Wohnung, Postkarten werden angesaugt, mit Wasser geforscht, während die beiden Laboranten immer noch im Schlafanzug herumlaufen.

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Endlich kann ich Titus überreden, sich anzuziehen, denn am frühen Nachmittag findet ja seine Kinderyoga-Stunde statt – und diesmal dürfen Eltern mitmachen! Das Kind motzt zwar beim Schuhe anziehen: „Du hast mir wohl nicht richtig zugehört! Ich habe doch gesagt, dass ich mal einen Sonntag lang nur zuhause bleiben will!“, ist aber dann im Yogaunterricht sehr engagiert bei der Sache, und wir üben zusammen verschiedene, kindgerechte Asanas, während die Lehrerin eine Geschichte dazu erzählt. Am Ende werden Klangschalen ausgepackt, und Titus liegt zehn Minuten lang fast reglos auf mir, während die „singing bowls“ die Bäuche vibrieren lassen.

Den Abend verbringen wir im Botanischen Garten – zusammen mit tausenden Besuchern, die wie wir auch dem Gratis-Konzert des Singapore Symphony Orchestras lauschen. Jeder hat professionell aussehendes Picknick dabei, auch wir sind natürlich mit einer gekühlten Weinflasche, Brotzeit und Snacks bestens ausgestattet. Titus bezeichnet unseren japanischen Edamame-Salat als „Ampel-Salat“ – wie kommt er da nur drauf?!

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Wir lassen es uns jedenfalls schmecken, während vorne auf der Bühne Mussorgsky und Borodin erklingen. Es ist drückend schwül, überall fächeln sich Menschen Luft zu, doch die schwarzen Regenwolken ziehen an uns vorbei. Titus dirigiert geistesabwesend mit, während er seine UNO-Karten sortiert.

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Pünktlich nach einer Stunde endet das Konzert; der Heimweg dauert ganz schön lange, da sich sämtliche Besucher nun auf die U-Bahn-Stationen rund um den Botanischen Garten verteilen. Bis wir endlich zuhause ankommen, hat unser Junior natürlich trotz Abendessen im Park schon wieder Hunger und muss dringend noch mehrere Schüsseln Nudelsuppe vertilgen, bevor er ins Bett gehen kann.

Bis spät nachts sitze ich dann vor dem PC: Am Morgen hatten wir vom schweren Erdbeben auf Lombok erfahren, dort reisen wir in zwei Wochen mit unseren Münchner Freunden hin. Geplant war unter anderem ein dreitägiger Aufenthalt im Rinjani-Nationalpark. Unser Hotel schreibt mich aber spät abends an und storniert unsere Reservierung, denn zum einen ist es von den Zerstörungen betroffen, zum anderen ist Wandern erst einmal nicht möglich, da die Gefahr von Erdrutschen am aktiven Vulkan besteht. Ich weiß jetzt nicht, ob ich ein bisschen erleichtert sein soll, denn damit fällt der Plan, den 3.700 Meter hohen Mount Rinjani zu besteigen, definitiv flach (und ich muss nicht ausprobieren, ob ich nach einem Jahr im „Flachland“ immer noch bergtauglich bin) – andererseits müssen wir nun unsere seit Monaten minutiös ausgearbeitete Rundreise kurzfristig umplanen.
Irgendwie scheint es an mir – oder meinen Reisezielen? – zu liegen: 2012 hatte ich fast schon die Flüge gebucht, als in Äthiopien deutsche Touristen erschossen wurden. Also ging es stattdessen nach Kenia. Und 2013 gab es kurz vor unserer Abreise einen Anschlag auf Bergsteiger in Pakistan, davon haben wir uns dann aber nicht abhalten lassen, auch wenn die Trekkingroute ein wenig verändert wurde und wir ausschließlich mit schwer bewaffneter Eskorte auf dem Karakorum-Highway umherfahren durften. In Bali muckt seit November immer mal wieder der Vulkan, alle paar Wochen wird der Flughafen geschlossen, was mich aber nicht davon abgehalten hat, inzwischen zweimal (und im August ein drittes Mal) dorthin zu fliegen. Katastrophen-Tourismus: kann ich!

4 Replies to “Theater, Feuerwerk und Konzert”

  1. Lach! Der letzte Satz ist einfach herzerfrischend!
    Als die Meldung über Lombok kam, mußte ich an euch denken. Es ist zwar schade, daß die Tektonik euch da einen klitzekleinen Strich durch die Urlaubsrechnung gemacht hat. Andererseits läuft die Insel niemandem weg. (Es sei denn, sie macht es wie Krakatau, dann ist das natürlich doof.)

    Liebe Grüße und einen angenehmen Abend (oder eher Morgen) wünscht
    Franziska

      1. Auf den Reisebereicht freue ich mich schon!
        Von der Rettungsaktion hatte ich gelesen und für stark befunden. Die Logistik in so einem Fall war ja doch eine andere, als wenn man nur eine Handvoll Personen aus einem Gefahrenbereich hätte retten wollen. Kann man die von dir aufgezählten anderen Reisen wie Pakistan eigentlich auch nachlesen oder hattest du da noch gar nicht gebloggt?

        Liebe Grüße aus dem wüstenhaften Bonn,
        Franziska

        1. Liebe Franziska,
          Ja, es ist bewundernswert, wie gut die Rettungsarbeiten in einem doch recht kleinen Inselchen voran gehen. Das beruhigt meine Mitreisenden jedenfalls sehr!

          Die anderen Reise habe ich tatsächlich auch schriftlich festgehalten – allerdings noch auf meinem „alten“ Reiseblog, http://www.pettyontour.blogspotcom.
          Dort kannst Du Dir gerne die Berichte unserer vergangenen Reisen zu Gemüte führen!
          Viel Spaß beim Schmökern und liebe Grüße,
          Nadine

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