Hongkong: Victoria Peak und SoHo

Hongkong: Victoria Peak und SoHo

Als Titus heute morgen wieder um halb 7 verkündet, dass er ausgeschlafen habe, bin ich sehr froh, dass das Kind nun sein eigenes Ipad besitzt. Kopfhörer auf, Sesamstraße an, und eine halbe Stunde weiterschlafen gewonnen!

Danach knurrt aber allen der Magen, wieder kehren wir ins Café nebenan ein; Kinder sind halt Gewohnheitstiere, alle Bemühungen, Titus ein anderes Frühstückscafé schmackhaft zu machen, schlagen fehl. Mit U-Bahn und Bus fahren wir zur Starthaltestelle der bekannten „Peak Tram“. Auf lange Wartezeiten gefasst, können wir feststellen, dass frühes Aufstehen manchmal doch seine Vorteile hat, denn die Menschenmassen halten sich (noch!) in Grenzen und wir rücken zügig voran. Als wir die Hälfte geschafft haben und das Kassenhäuschen in Sicht ist, werden wir herausgewunken – denn Besitzer einer „Oktopus-Card“ (der aufladbaren Karte für den Nahverkehr) dürfen einfach so durchgehen und bezahlen per Karte. So stehen wir kurz darauf am Bahnhof, die antik aussehende Standseilbahn fährt ein und wir nehmen Platz. Sitzen ist ein Muss, denn es geht wirklich sofort sehr steil bergauf, vorbei an Wohntürmen und über Straßen hinweg.

Titus klebt förmlich am Fenster, aber der Ausblick ist zugegebenermaßen auch ziemlich beeindruckend. Nach wenigen Minuten sind wir am Victoria Peak, auf knapp 500m, angekommen. Dort steht natürlich ein riesiges Vergnügungs-/Einkaufszentrum, in welchem wir über zig Rolltreppen bis hinauf auf die Dachterrasse fahren. Die kostet natürlich nochmal extra ein paar Dollar Eintritt, aber der 360°-Panoramablick von oben über die gesamte Stadt ist es wert. Das frühe Aufstehen hat nämlich noch einen weiteren Vorteil: morgens ist der Himmel noch blitzeblau, und die Sonne strahlt, so dass die Sicht auf die Skyline und die Inseln ungetrübt ist. Wir fotografieren und werden fotografiert, Titus wird wie immer von den Chinesinnen angehimmelt, die finden ihn alle ziemlich toll und schicken Kusshände…

Nach einer kleinen Stärkung (Waffeln und Bubble Tea) können wir den Junior überreden, den Weg hinunter in die Stadt zu Fuß zu gehen. Eine gute Entscheidung, denn der professionell angelegte und gewartete Wanderweg ist wunderschön schattig. Es geht durch Bambuswälder und a n Urwaldriesen vorbei, immer wieder erhaschen wir neue Ausblicke auf Hongkongs Umgebung. Die beiden Männer singen Wanderlieder und zählen eifrig die vielen Stufen, während uns Horden von Läufern, Spaziergängern mit Hunden und Wanderern entgegenkommen, die alle ganz schön keuchen. Zum Glück haben wir das Erste-Hilfe-Päckchen im Rucksack, in dem sinnigerweise auch Mückenschutz drin ist, denn den brauchen wir dringend. Titus macht seine ersten Erfahrungen mit Brennnesseln und findet „Natur“ danach ziemlich doof…

Als wir die ersten Häuser erreichen, ist der Hunger natürlich groß, zum Glück liegt eines der Restaurants, für das ich eine Empfehlung bekommen habe, nicht weit entfernt. Das „Pure Veggie House“ serviert die besten Sichuan-Wontons aller Zeiten, außerdem die interessante Neuentdeckung: „Rice Dumplings im Bambusblatt“, eine Spezialität, die es rund um das in Asien groß gefeierte „Dragon Boat Festival“ gibt.

Gleich gegenüber des Lokals liegt der „Botanical and Zoological Garden“ – eine riesige, fast 200 Jahre alte Parkanlage, die neben einem großen Spielplatz, Grünanlagen und Flanierwegen eben einen kleinen Zoo umfasst. Titus ist in seinem Element, er rutscht und schaukelt wild, amüsiert sich köstlich über die Affen und verspeist mit Wonne ein wohlverdientes Eis. Der Park ist gut besucht, kein Wunder, ist er doch komplett kostenlos. Wie auch in Singapur ist in Hongkong am Sonntag der freie Tag der Hausangestellten, die diesen mit Freunden beim Picknick verbringen.

Am anderen Ende des Botanischen Gardens schließt direkt das Altstadtviertel SoHo an. Straßen mit wohlklingenden Namen wie Hollywood Road mäandern über die Hügel, die steilen Straßenschluchten lassen an San Francisco denken. In den zum Teil denkmalgeschützten Häusern befinden sich schicke Bars, Restaurants, Designer-Geschäfte, Gallerien, Antiquitätenläden und hippe Friseursalons. Leider können wir die Schaufenster gar nicht gebührend bewundern, denn auf dem schmalen Gehweg herrscht unbeschreibliches Gedrängel, dicht und laut hupend brausen Autos und Laster an uns vorbei, dazu dröhnen unzählige Baustellen. Nicht allzu idyllisch also. Immerhin kann ich Titus und Norman für einen Aperitif in einer kleinen Bar gewinnen, die Happy Hour-Preise sind sehr human, und Titus räumt gleich mal das gratis dazu angebotenene Antipasti-Büffet ab. Die beiden Kellnerinnen umschwirren ihn wie üblich, lesen ihm jeden Wunsch von den Augen ab und helfen ihm dabei, sich die vierzigste Olive aus der Schüssel zu picken.

Obwohl SoHo sicherlich auch später am Abend noch einen Besuch wert ist, kehren wir gegen halb acht in unsere Wohnung zurück, der Tag war lang genug. Obwohl man nun annehmen könnte, dass Titus nach dem frühabendlichen Snack nun gesättigt ist, verlangt der junge Mann dort vehement noch ein Abendessen. Also brühe ich schnell eine Nudelsuppe auf, die er mit den Worten: „Schnell, ich bin so ess-ig (= hungrig)!“ komplett verputzt, bevor er todmüde ins Bett fällt.

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