Eine „ruhige“ Woche

Eine „ruhige“ Woche

Auf den Montag habe ich mich diese Woche richtig gefreut – sämtliche „Großprojekte“ (Kindergeburtstag, Chor, Reiseplanungen) sind vom Tisch, im Monat Juni sind wir „besucher-frei“, und bis auf einen fünftägigen Kurztrip nach Hongkong steht praktisch nichts im Kalender.

Endlich Zeit, um mal lange liegen Gebliebenes aufzuarbeiten und die Ruhe zu genießen. Dachte ich mir. Meine „ruhige“ Woche bestand dann doch aus vielen Terminen und Erledigungen.

Montag:

Um 10 Uhr marschierten die beiden Herren auf, die sich vierteljährlich unseren Klimaanlagen widmen. Da wurde geschraubt, geschrubbt und gekärchert, nach gut einer Stunde war alles erledigt.
Ich versuchte, den Vormittag über den Blog wieder auf den neuesten Stand zu bringen, die vielen Mails im Posteingang zu beantworten, und mich mal wieder um Haushalt und Kühlschrank zu kümmern. Meine geplante Laufrunde fiel buchstäblich ins Wasser, denn das Glasdach unseres Gyms ist undicht und die Geräte deshalb nicht benutzbar. Also zog ich stattdessen eine halbe Stunde lang Bahnen im Pool – nicht mein Lieblingssport, aber schon sehr praktisch, wenn das 50m-Becken im Haus ist.
Am Nachmittag erledigte ich mit Titus die nötigsten Lebensmittel-Einkäufe, und konnte ihn auch überreden, sich neue Anziehsachen auszusuchen. Das Kind ist nämlich ordentlich in die Höhe geschossen und hat auch ein bisserl zugelegt, so dass wir den GSS (= Great Singapore Sale) nutzten, um kurze Hosen, T-Shirts und Flipflops in großen Mengen einzukaufen, tatsächlich zum Schnäppchenpreis.

 

Dienstag:

Der Tag beginnt natürlich mit Yoga im Botanischen Garten, das letzte Mal vor der Sommerpause. Überhaupt ist gerade überall große Abschiedsstimmung, ganz Singapur scheint sich Mitte Juni in den Sommerurlaub zu verabschieden, die Schulferien beginnen demnächst und gehen bis Mitte August. Dazu kommt, dass sich gefühlt jeder Zehnte, den ich hier kenne, ganz aus der Stadt verabschiedet, da der Umzug zum nächsten Ziel bzw. zurück in die Heimat ansteht. In allen Geschäften gibt es dazu passende „Farewell“-Karten – so eine allgemeine Aufbruchsstimmung ist mir in Deutschland natürlich noch nie untergekommen.

Nach der Yogastunde genehmige ich mir einen Kaffee im entzückenden Café an der Straßenecke, bevor ich um 10 Uhr pünktlich zur Redaktionssitzung in der German Association auflaufe. Eigentlich sollte heute die offizielle Blattkritik stattfinden, dafür wurden die Auslandskorrespondenten der „SZ“ und der „FAZ“ eingeladen – doch die haben kurzfristig abgesagt, da sie mit dem bevorstehenden Großereignis vollauf beschäftigt sind. Gut, dann nehmen wir Redaktionsmitglieder die Kritik in die Hand, da finden wir doch einiges, was man zukünftig besser machen könnte, vor allem im Design…
Nach gut zwei Stunden eile ich nach Little India, um dort frisches Obst und Gemüse einzukaufen, die Marktstände und kleinen Läden dort sind unschlagbar günstig. Und da ich am Samstag ein paar Gerichte vom letzten Kochtreffen nachkochen möchte, bin ich dort auch an der richtigen Adresse, was Zutaten wie Sev, Chaat Masala oder Jeera angeht.

Die Sonne brennt vom Himmel, und so verbringen Titus und ich seit langem mal wieder einen kompletten Nachmittag am Pool. Das ist so gemütlich, da wir völlig allein sind und die Loungesessel ganz für uns haben, während und die Abendsonne verwöhnt.

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

 

Mittwoch:

Heute klappt es mit dem Laufprogramm, das Gym hab wieder geöffnet – doch leider funktioniert die Klimaanlage nicht so richtig, und deshalb zeigt die Bedienleiste eine Raumtemperatur von 39°C an. Schwitzen schadet nicht, und so nehme ich die Herausforderung an, muss aber danach dringend kalt duschen.

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Währenddessen wienern die beiden Putzfeen die Wohnung, das ist für mich purer Luxus, dass ich das nicht selbst machen muss.
Als ich einigermaßen abgekühlt bin, setze ich mich an den Veranstaltungskalender, den ich für die August-Ausgabe der „Impulse“ bis Ende der Woche abgeben muss. Das ist nun schon mein neunter in Folge, inzwischen bin ich einigermaßen routiniert bei der Suche nach Events, und so kann ich den Entwurf noch abschicken, bevor es klingelt. Ich bekomme Besuch von Michelle, der Gründerin des International Cooking Clubs. Sie nimmt sich eine Stunde Zeit und weist mich ein, wie ich die Rezepte meiner Kochgruppe ab sofort selbstständig auf dem Blog des Vereins posten kann. Bislang hat Michelle das für alle 30 (!) Gruppen gemacht, doch sie erstickt verständlicherweise in Arbeit. Und da ich dank dieses Blogs ein bisschen WordPress-Erfahrung habe, lasse ich mich gerne einspannen.
Wir sind nach einer Stunde damit fertig, und ich eile los, um Titus vom Kindergarten abzuholen. Nach dreitägiger Vorbereitung lässt er sich recht willig von mir mitsamt Tretroller ins benachbarte Tang Tong Seck Hospital geleiten. Im dortigen Impfzentrum bekommt das Kind nach kurzer Wartezeit eine Meningokokken-Impfung verabreicht. Denn wie unsere sehr fitte Münchner Kinderärzten im März bemerkt hatte, sind in Asien ganz andere Erregerstämme unterwegs als in Europa, weshalb hier auch ein anderer Impfstoff gegeben wird. Also: her damit! Titus hat zwar keine rechte Lust, aber mit Gummibärchen und dem Ipad kriegen die Artzhelferinnen und ich das in den Griff, und kurz darauf ziert ein kleines Pflaster seinen Oberarm.

Abends sitze ich auf dem Sofa und plane die nächsten Reisen; im August soll es nach Siem Reap und über Weihnachten nach Thailand gehen. Norman ist zuständig für Flugbuchungen und ich kümmere mich um Reiserouten und Unterkünfte, da sind wir ein eingespieltes Team!
Daneben trudeln zig WhatsApp-Nachrichten ein. Im Chor wurde ein neuer Vorstand gewählt, und ich wurde zum „section lead“ (= Abteilungsleiter) für die Soprangruppe ernannt. Ich bin gespannt, wie zeitintensiv das wird!

 

Donnerstag:

Endlich schaffe ich es, mich an das jährliche Fotobuch für Titus zu setzen. Das bekommt er immer kurz nach seinem Geburtstag, mit Fotos aus seinem vergangenen Lebensjahr. Eine schöne Tradition auch für uns, denn so können wir anhand der Bilder das vergangene Jahr immer gut Revue passieren lassen. Das kostet natürlich Zeit, und die will ich mir jetzt nehmen.
Doch zum einen haben wir nun auf einmal so viele Bilder, wie noch nie – denn durch den Umzug und die vielen Reisen haben wir natürlich fotografiert wie wild. Zum anderen speichern wir seit einigen Monaten die Fotos nicht mehr auf der Festplatte, sondern ganz „up-to-date“ nur noch in der Google-Photos-Cloud. Dort werden immer alle Handyfotos automatisch synchronisiert, dass ist sehr praktisch. Aber: aus Cloud-Fotos lassen sich keine Fotobücher erstellen. Selbst meine fast zweistündige Recherche bringt nichts zu Tage, was mir letzten Endes bevorsteht, nämlich: alle Bilder, die ich verwenden möchte, doch wieder auf den PC herunterzuladen. Ist das nicht völlig gaga?!

Um mich wieder zu erden, raffe ich mich auf uns gehe ins Yogastudio. Die „Hot Power“-Class ist genauso, wie sie heißt: es hat 42°C im Raum und der Yogalehrer ist zwar freundlich, aber auch ziemlich fordernd, bei nur sechs Yogaschülern im Raum gibt es auch keine Chance auf Mogeln, und so tropfe ich die Matte voll, während meine Armmuskeln zittern.
Zum Ausgleich belohne ich mich danach mit einem netten Mittagessen mit Nachbarin Bente, wir lassen uns die Poké Bowl aus dem Food Court gegenüber schmecken und bringen uns gegenseitig auf den neuesten Stand.

Zuhause schicke ich noch schnell die Online-Bestellung ab, die der nächste Besucher aus Deutschland mitbringen darf, da sammeln sich jeden Monat wieder Ideen an: diesmal sind Kaffeepads für unsere uralte Maschine dringend gewünscht, außerdem eine neue Unterwasserkamera, da das Vorgängermodell ja leider nicht lange gehalten hat

Mit Titus fahre ich nach dem Kindergarten mit dem Bus zum Fort Canning Park, dort darf das Kind eine Probestunde bei einer Sportschule absolvieren. So richtig motiviert ist Titus nicht, viel lieber rennt er mit seinem Kindergartenfreund Mikayel umher, aber zumindest bewegt er sich und der Park ist wirklich schön in der Spätnachmittagssonne. Ich plaudere derweil mit den anderen Müttern und „Aunties“, wie die Kinder ihre Nannys hier rufen, ein sehr entspannter Nachmittag ist das!

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Den Abend verbringe ich am PC, ärgere mich weiter über die Foto-Umstände, und bastle lieber weiter an unserer Thailand-Weihnachtsreise. Norman ist mit seinen Teamkollegen unterwegs, diese Woche gab es kaum einen gemeinsamen Abend zuhause.

 

Freitag

Morgens geht ein schweres Unwetter los, als ich gerade im Gym auf dem Laufband stehe. Diesmal funktioniert die Klimaanlage, und von draußen peitscht der Starkregen gegen die Scheiben. Als ich um 10:30 Uhr bei Ange ankomme, die heute den Kochclub bewirten darf, ist sie ein wenig verzweifelt: da ihr Apartment nicht groß genug ist, um neun Essensgäste unterzubringen, hatte sie die Gemeinschaftsküche draußen angemietet. Eigentlich eine schöne Idee, die nun allerdings ins Wasser zu fallen droht. Doch wie so oft in Singapur ist der Spuk schnell wieder vorbei, kaum 20 Minuten später brennt schon wieder die Sonne vom Himmel. Nur der Hausmeister, der wie immer freitags das Ungeziefer mit mysteriösen Dämpfen auszutreiben versucht, stört ein wenig…
Ange ist Irin, und deshalb tischt sie uns ein komplettes irisches/englisches Menü auf, das wir gemeinsam am großen Kochtresen im Schatten draußen zubereiten.
Es gibt eine Brokkoli-Birnen-Mandelsuppe, (vegetarische) Würstchen im Blätterteig mit tollem Zwiebelchutney, frittierte Halloumistückchen (statt Fisch) mit Chips, passend dazu mushy peas, Pickles, eine Zitronensauce und scharfes Relish. Sehr lecker und ungeheuer sättigend.
Im Anschluss fährt die Gastgeberin noch zwei Nachtische auf: eine Cherry Pie und das traditionelle Dessert Eton Mess.

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Es ist so gemütlich, draußen im Freien zu sitzen, zu kochen und zu essen, dass wir alle völlig die Zeit vergessen und plötzlich hektisch zum Aufbruch blasen – es ist bereits halb drei, und sämtliche Kinder müssen abgeholt werden.
Ich hätte mich allerdings gar nicht so zu beeilen brauchen, denn Titus möchte im Kindergarten noch eine halbe Stunde lang im Garten spielen. Erst, als der Hausmeister schon die Fensterläden schließt und das Gebäude wochenendfertig macht, kann ich ihn zum Aufbruch bewegen. Zusammen mit seiner Freundin Ariel spazieren wir nach Hause.

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Weil es inzwischen wieder über 35 Grad hat, verbringen Titus und ich den restlichen Nachmittag am Pool, mit Lesen, Baden, auf dem Ipad daddeln und gemütlich herumliegen. Wie Urlaub!
Norman kommt heute tatsächlich so „früh“ nach Hause, dass wir gemeinsam noch einen Spaziergang zu „unserem“ Food Court machen können. Auf dem Newton Hawker ist es wie immer gerappelt voll, doch wie in Münchner Biergärten findet man immer ein Plätzchen, wenn man nett fragt. Wir lassen uns indisches, thailändisches und chinesisches Essen schmecken, und schon ist es dunkel und Zeit, das Kind ins Bett zu stecken.

Wie war Eure Woche so?

2 Replies to “Eine „ruhige“ Woche”

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