12 von 12 im Juni

12 von 12 im Juni

Mein 12. Mai, anhand von zwölf Fotos erzählt (mehr dazu bei „Draußen nur Kännchen„):

Der Morgen beginnt damit, dass ich zuerst einmal checke, was es Neues von den beiden Staatsgästen gibt, die aktuell in Singapur zu Besuch sind. Dazu muss ich eigentlich nur meinen Facebook-Account öffnen; sämtliche mit mir befreundeten Stadtbewohner und natürlich auch die Tageszeitung posten nämlich quasi stündlich die neuesten Infos dazu:

Ich bringe den Sohnemann in den Kindergarten. Zuerst will er nicht so recht – „Warum muss ich heute schon wieder in den Kindergarten?“. Als ich ihm erkläre, dass er eh nur noch heute und morgen hingehen kann, weil wir ja am Donnerstag bereits nach Hongkong fliegen,  schwenkt er um und jammert stattdessen: „Ich will nicht schon wieder in den Urlaub fliegen!“ Der hat vielleicht Sorgen!

New photo by Nadine Dietl / Google Photos

Zurück zuhause, schnappe ich mir meine Sportklamotten und fahre ins Yogastudio; die eigentlich Dienstags stattfindende Stunde im Botanischen Garten fällt aus, weil unsere Lehrerin im Urlaub ist, also muss ich wohl in die Innenstadt. Zum Glück kommt der Bus gut durch, Trump und Kim sind kurz zuvor mit ihren Konvois  Richtung Sentosa aufgebrochen, dort finden die Verhandlungen statt.
Die hochschwangere Yogalehrerin quält uns mit stehenden Asanas und ist trotz Kugelbauch beweglich wie ein Gummiband, nur die Vorbeugen klappen bei ihr nicht mehr so gut, hah!

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Getreu meinem Motto, jeden Monat etwas Neues in Singapur auszuprobieren, mache ich mich nach der Yogastunde auf zum Blutspendezentrum. Ich bin ein bisschen früh, also vertreibe ich mir die Zeit damit, im nahegelegenen Park auf der Hollywood-Schaukel zu sitzen und zu lesen.

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Beim Blutspenden selbst werde ich freundlichst begrüßt, bekomme einen Aufkleber auf die Brust, auf dem steht: „Handle gently“, und muss dann erst einmal einen achtseitigen (!) Fragebogen zu meiner Gesundheits- und Spender-Vorgeschichte ausfüllen. Das Feld bei der Frage: „Waren Sie in den letzten 12 Monaten außerhalb von Singapur? Wenn ja: wo?“ ist ein wenig zu klein für meine korrekten Antworten.
Nachden ich alles angekreuzt habe, überprüft ein Mitarbeiter das Formular, drückt mir ein isotonisches Getränk in die Hand, und kurz darauf ruft mich die Ärztin zum medizinischen Check. Der fällt dann aber sehr kurz aus. Wie sich herausstellt, dürfen Europäer aufgrund ihrer geographischen Nähe zu England (Ihr erinnert Euch: Rinderwahnsinn bzw. Creutzfeldt-Jakob) grundsätzlich überhaupt nicht Vollblut spenden. Meine Einwände, dass ich in Deutschland eine regelmäßige Spenderin war, und ich im betreffenden Zeitraum (1980-1996) niemals auch nur einen Fuß nach Großbritannien gesetzt habe, lässt sie nicht gelten. Immerhin gibt sie zu, dass ich ggf. für eine Plasmaspende in Frage käme, dafür müsste ich aber ins Singapore General Hospital fahren. Darauf habe ich nun auch keine Lust mehr, das ist am anderen Ende der Stadt, und verschiebe das auf den nächsten freien Vormittag…

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Auf dem Heimweg im Bus telefoniere ich ausgiebig mit Regina, die ist eine echte Frühaufsteherin, und so ratschen wir fast eine Dreiviertelstunde, bevor sie in die Arbeit aufbrechen muss.
Daheim sitze ich am Rechner und bearbeite die Rezepte meines Kochclubs, lade sie auf den Blog hoch, und schon ist es Zeit, das Kind aus dem Kindergarten abzuholen.

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Lustig, da ich immer gegen 15:20 Uhr dort eintreffe, treffe ich natürlich auch immer auf die gleichen Mütter und Nannies, das ist eine liebgewordene, tägliche Routine, denn meist bekommen wir den von den lieben Kleinen zu hören, dass wir „viel zu früh“ da seien und sie erst noch „fertig spielen“ müssten. Also sitzen wir zusammen und quatschen noch ein paar Minuten.

Zuhause besteht Titus auf einem Kaffeeklatsch, kombiniert mit Bastelarbeiten. Dem Junior fällt immer irgendetwas ein, das er zerschnipseln und zusammenkleben kann; dazu gibt es Waffeln und für mich selbstgemachten Eistee.

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Danach sind wir sehr fleißig, räumen Kinderküche und Kaufladen aus, putzen alles und räumen alles Zubehör wieder ordentlich ein. Jetzt kann wieder eingekauft und gekocht werden!

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Das Aufräumfieber hält an, ich sortiere noch schnell meine neu erstandenen Klamotten weg – gestern hat mich meine liebe Freundin Christiane, die schon etwas länger in Singapur wohnt, zu einer Shoppingtour zu ihren Lieblingsgeschäften mitgenommen. Dort habe ich echte Schätze entdeckt (Kleider! Unterwäsche!) und wir waren – unterbrochen von einer Stärkung beim Running Sushi zwischendurch – fast fünf Stunden zusammen unterwegs!

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Titus und ich kochen wie jeden Abend zusammen, natürlich untermalt von musikgeschichtlich wichtigen Werken wie „Es gibt Reis“ und „Sexy Käsebrot“ – musikalische Bildung ist ja so wichtig!

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Der Junior ist zufrieden mit dem fabrizierten Mahl (Rezept für Avocado-Pasta hier), er bezeichnet es als „schmeckig“ (?) und isst geschlagene 40 Minuten lang Spaghetti, während er mir sehr interessante Geschichten über das anstehende Zuckerfest erzählt und immer wieder Fragen einstreut, die meine volle Konzentration erfordern – wie „Warum kann die Sonne durch Wasser durchscheinen?“ oder „Was sind Blutplättchen?“.

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Den Abend verbringe ich mit anregender Lektüre. Das Buch „Das Attentat“ von Harry Mulisch habe ich zuletzt in der 10. Klasse im Deutschunterricht gelesen. Nach Singapur habe ich ausschließlich Bücher aus unserem Fundus mitgenommen, die ich a) noch nicht gelesen habe oder b) schon längst mal wieder lesen wollte. Nun also Schullektüre – und sehr erstaunlich, wie viel mir während des Lesens wieder in Erinnerung kommt: sämtliche niederländischen Auspracheanweisungen (da war Herr Gatty sehr korrekt), die Stilmittel, die zentralen Sätze – ständig blitzen quasi Flashbacks in meinem Kopf auf. Ach, herrliche Schulzeit!

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4 Replies to “12 von 12 im Juni”

    1. Liebe Andrea, danke! Wunderschöne Fotos hast Du auf Deinem Blog, da bekomme ich ja fast ein bisschen Heimweg nach dem deutschen Sommer, ganz so blühend und bunt ist es hier im Singapurer Dauer-Hochsommer nämlich nicht!
      Viele Grüße, Nadine

  1. Hach, herrlich! Mal am ganz normalen Alltag in Singapur teilnehmen – 12 von 12 macht’s möglich. Ich find’s toll…und werde mich nun an meine 12 von 12 begeben….
    Herzliche Grüße aus dem gerade ziemlich trüben Ostwestfalen von
    Kerstin

    1. Liebe Kerstin, schön, dass Du bei mir in Singapur vorbeischaust!
      Dein Blog ist ja sehr schön, bin ja auch eine große Bücher-Liebhaberin, da finde ich bei Dir sicher den ein oder anderen Tipp für neue Lektüre!
      Viele Grüße, Nadine

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